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Attraktiver Standort : „Unsere größte Industrie-Baustelle“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Stille in den Göhrener Tannen adé: Nach der Nestlé-Ansiedlung bewegen Bagger auf dem 350-Hektar-Gelände immer mehr Erde

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erstellt am 13.Sep.2014 | 07:50 Uhr

„Wir stehen auf Schwerins größter Industrie-Baustelle“, sagt Bernd-Rolf Smerdka. Mehr als 19 000 Quadratmeter Asphalt-Decke entstehen derzeit auf dem 350 Hektar großen Areal in den Göhrener Tannen, wie der Chef des Amtes für Verkehrsmanagement ergänzt. Die einstige Brachfläche Schwerins, ehemals geplanter Standort für BMW und Jahre lang Europas längste Offroad-Rennstrecke, wird jetzt für neun Millionen Euro erschlossen. „Wir hoffen, dass das Wirtschaftsministerium 90 Prozent der Kosten übernimmt“, teilt die Stadt mit. Der betreffende Fördertopf unterstützt Projekte zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“.

Und neben hunderten Tonnen von Erde hat sich im Industriepark schon jede Menge bewegt. Etwa 800 Menschen arbeiten dort bald, wie Landeswirtschaftsminister Harry Glawe voraussagt. Der Luftfahrt-Zulieferer Flamm Aerotec und der Automobil-Zulieferer PTS Precision fabrizieren schon länger. Der Kaffee-Riese Nestlé warf am 5. September seine vier Produktionsbänder an und will am Ende rund 450 Menschen beschäftigen. Der Kunststoffspezialist Procap feierte Ende August Richtfest und plant mit 120 Mitarbeitern. Und die Schweriner Abfallentsorgungs- und Straßenreinigungs GmbH investiert in eine moderne Bioabfallverwertungsanlage, die am 1. Oktober ihre Arbeit aufnehmen soll.

Seit der Nestlé-Ansiedlung scheint es so eine Art Sog auf Unternehmen zu geben. Der Standort Schwerin werde immer attraktiver, schwärmen Wirtschaftsdezernent Bernd Nottebaum und OB Angelika Gramkow immer wieder. Und damit das auch so bleibt, investiert auch die Stadt kräftig in die Infrastruktur. Leitungsgräben, Versickerungsbecken und Straßenbau verschlingen 4,7 Millionen Euro – Wasser, Abwasser, Strom und alles Weitere rund fünf der besagten neun Millionen Euro. Eine Buslinie und ein Bahnanschluss lassen allerdings weiterhin auf sich warten. Zu viele Parkplätze, zu wenig Nachfrage, resümiert der Schweriner Nahverkehr.

Aber wo im Jahr 2012 noch ein Rennen der Deutsche Offroad-Meisterschaft ausgetragen worden war, entstehen jetzt 2,6 Kilometer Asphaltstraße. Die Reptilien, die vor Jahren noch geschützt werden sollten, wurden im Frühjahr 2013 vergrämt. Dazu trugen Baumaschinen aufwändig die obere Erdschicht ab, um das heutige Baufeld „als Lebensraum für die maximal mögliche Anzahl von Lebewesen untauglich zu machen“, erklärt die Stadt. Kosten: 51 000 Euro. Weil das nicht zum gewünschten Erfolg führte, griffen die Zuständigen im September zu deutlicheren Mitteln und pressten den Oberboden, „um ihn für Zauneidechsen als Überwinterungsquartier uninteressant zu machen“. Kosten: 7300 Euro.

Damit Amphibien sich nicht in das Versickerungsbecken verirren, wurde im Frühjahr ein Schutzzaun errichtet – eine Art schwarze Wand für die kleinen Tierchen. Kosten: 15 000 Euro.

Damit der Wald die noch brach liegenden Flächen nicht zurückerobert, weiden mehr als 1000 Schafe auf den Grünflächen – bis sich neue Industriebetriebe im Schweriner Industriepark ansiedeln wollen. Und ein weiteres Unternehmen zeigt nach Informationen bereits Interesse.

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