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Scandlines investiert 230 Millionen Euro in Linie Rostock-Gedser : "Unsere Autos sind die Schiffe"

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Nachdem die neue Scandlines-Fähre gestern auf der Stralsunder P+S-Werft zu Wasser gelassen wurde, appellierte Erwin Sellering (SPD) an den Bund, sich wie in der Autoindustrie stärker für die Werften zu engagieren.

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erstellt am 02.Dez.2011 | 07:51 Uhr

Stralsund | Eineinhalb Jahre nach der Kiellegung ist die erste von zwei neuen Scandlines-Fähren gestern auf der Stralsunder P+S-Werft zu Wasser gelassen worden. Der Bau der Fähren für Scandlines zeige, dass die Konzentration der P+S-Werften auf den Spezialschiffbau richtig gewesen sei, sagte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Zugleich appellierte er an den Bund, sich wie in der Autoindustrie stärker für die Werften zu engagieren.

"Unsere Autos sind die Schiffe", sagte Sellering. Das Problem aller Werften, die mit asiatischen Schiffbaubetrieben konkurrierten, sei die Bauzeitenfinanzierung. Allein für die P+S-Werften bürgen Bund und Land für Kredite in Höhe von 326 Millionen Euro. Der Bund müsse dafür sorgen, dass die Werften leichter an Geld für die Zwischenfinanzierung kommen, sagte Sellering.

Der Geschäftsführer der Fährreederei Scandlines, Bengt Pihl, dementierte Medienberichte über einen Verkauf großer Geschäftsbereiche. "Diese Berichte stimmen nicht", sagte Pihl. "Es gibt aktuell keine Verkaufsverfahren." Gleichzeitig betonte er jedoch, dass der Kauf und der Verkauf von Geschäftsbereichen ständiger Teil des normalen Geschäfts in der Branche seien. Dazu gehöre auch der aktuelle Bau der beiden Fähren auf der P+S-Werft in Stralsund. "Die Schiffsneubauten sind unser größtes und wichtigstes Zukunftsprojekt", sagte Pihl. Scandlines investiert rund 230 Millionen Euro in die beiden 169 Meter langen Fähren und in den Ausbau der beiden Häfen in Gedser und Rostock.

Die baugleichen Schiffe "Berlin" und "Copenhagen" sollen im Frühjahr 2012 die 1980 erbauten Fähren "Kronprins Frederik" und "Prins Joachim" ersetzen. Mit 1500 Passagier- sowie 480 PKW- und 96 LKW-Plätzen haben sie eine mehr als doppelt so große Kapazität. Laut Pihl sollen in Rostock für die neuen Fähren 50 Mitarbeiter zusätzlich eingestellt werden. Im Gegenzug würden allerdings 44 Stellen in Dänemark gestrichen.

Der Geschäftsführer der P+S-Werften, Dieter Brammertz, nannte den Vertrag über den Bau der beiden Fähren einen "Meilenstein" für die Werften mit aktuell 1800 Beschäftigten in Stralsund und Wolgast. Die Vertragsunterzeichnung Anfang 2010 sei der Start für die Ausrichtung auf den Spezialschiffbau gewesen. Seit 2009 habe sich der Auftragsbestand von 0,5 Milliarden Euro auf 1,1 Milliarden Euro erhöht. Der Anteil des krisengeschüttelten Containerschiffbaus lag damals bei 74 Prozent. Diese Abhängigkeit bestehe heute nicht mehr, sagte Brammertz. Allein der Bau von RoRo-Schiffen und RoPax-Schiffen mache inzwischen 30 Prozent, der Bau von Offshore-Schiffen 45 Prozent des Auftragsvolumens aus. Darüber hinaus sind die Werften an Marine-Aufträgen beteiligt. Wegen des hohen Auftragsbestandes seien in diesem Jahr 60 Konstrukteure neu eingestellt worden.

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