Schwerin überträgt Wildwuchs-Kampf auf Anwohner : Unschön: Bürger sollen Unkraut jäten

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Wenn Unkraut auf dem Bürgersteig grünt, dann tragen die Schweriner die Verantwortung, zumindest in einigen Stadtgebieten. Dort, wo Anwohner keine Straßenreinigung bezahlen, müssen sie den Wildwuchs selbst vernichten.

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18. Mai 2012, 10:15 Uhr

Schwerin | Löwenzahn, Distel und jede Menge Moos - wenn Unkraut auf dem Bürgersteig grünt, dann tragen künftig die Schweriner die Verantwortung, zumindest in einigen Stadtgebieten. Denn vor allem dort, wo Anwohner keine Straßenreinigung bezahlen, müssen sie den Wildwuchs vor ihren Haustüren selbst vernichten, ohne Chemie, am besten in reiner Handarbeit.

So schreibt es bald wieder die Straßenreinigungssatzung der Landeshauptstadt vor. "Eigentlich wollten wir genau das nicht mehr", sagt Hans-Dieter Matlachowski, Bereichsleiter Abfallwirtschaft bei den Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen (SDS). Seit Anfang der 90er-Jahre mussten Schweriner selbst die Hacke schwingen und Unkraut aus Steinritzen auf Gehwegen und Kellerlöchern beseitigen. "Das hat in den vergangenen fünf Jahren so gut geklappt, dass wir die Pflicht 2010 aus der Satzung gestrichen haben", sagt Matlachowski. Etwas voreilig, wie es scheint: Unterdessen spross wieder das Unkraut auf den Gehwegen der Landeshauptstadt, denn mehr Schweriner als in den Jahren zuvor hatten ihre Pflicht vernachlässigt. Jetzt soll der Passus die Schweriner wieder in die Pflicht nehmen. "Wir haben früher mehr als 250 Bürger schriftlich auffordern müssen, das Unkraut zu beseitigen", erklärt Matlachowski. Dafür erntete die SDS viele aggressive Reaktionen, manche kamen der Aufforderung durch die Stadt erst nach mehrmaliger Ermahnung nach, wie er weiter berichtet. "Wenn gar nichts passierte, beauftragten wir eine Fremdfirma und schickten die Rechnung an die verantwortlichen Bürger." Ohne Moos, nichts los: Es gehe dabei vor allem um die Verkehrssicherungspflicht. Dort wo keine Pflanzen wachsen, entsteht bei Regen auch keine Rutschgefahr und es kommt zu weniger Unfällen.

Und für wen gilt die Unkrautvernichtungs-Vorschrift nun eigentlich? "Für Grundstücksbesitzer, also Anlieger", sagt Matlachowski. In der Landeshauptstadt zahlen die meisten eine Straßenreinigungsgebühr. Diese variiert in ihrer Höhe, je nach dem wie oft und wie viel die SDS reinigt und pflegt. In einigen Straßenzügen bittet Schwerin die Anwohner allerdings nicht zur Kasse, wie beispielsweise in Neumühle. "In den betroffenen Straßen betreiben wir nur eine Grundreinigung, weitere Arbeiten wie Unkraut beseitigen oder Schnee schippen müssen die Anwohner vollständig übernehmen", so Matlachowski. Kommen sie ihrer Pflicht nicht nach, werden sie im Falle eines Unfalls vor ihrer Haustür, der auf Unkraut oder Schnee zurückzuführen ist, zur Verantwortung gezogen. "Das ist zwar noch nicht vorgekommen, aber es kann dann richtig teuer werden", sagt Matlachowski.

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