Sülte : Uns Sülter Jung: Jochen Bachfeld

Neugierig begutachten die Sülter die Medaille von 1976. „Nicht aus Gold, sondern eine Goldlegierung“, so Jochen Bachfeld.
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Neugierig begutachten die Sülter die Medaille von 1976. „Nicht aus Gold, sondern eine Goldlegierung“, so Jochen Bachfeld.

Mehr als 100 Neugierige begrüßten den Box-Olympiasieger zur 800-Jahr-Feier in seinem Heimatdorf

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28. Juni 2018, 12:00 Uhr

„Das war schon eine Ehre: Erich Honecker die Hand zu schütteln und am Tisch von Willi Stoph zu sitzen. Auch Horst Sindermann hat gratuliert“, erzählte Jochen Bachfeld vom Empfang für die Olympia-Medaillengewinner 1976 im Berliner Palast der Republik. Über 100 Sülter und ihre Gäste hören ihm am Dienstagabend aufmerksam zu. Denn bei den Olympischen Spielen in Montreal gewann „ihr Sülter Jung“ die Goldmedaille im Weltergewicht beim Boxen.

Unglaublich liebevoll hatten die Sülter diesen Besuch des Box-Olympiasiegers in der Festwoche zur 800-Jahr-Feier vorbereitet. Matthias Brandt, der das Podiumsgespräch moderierte, begann bereits vor einem dreiviertel Jahr, Videos von damals im Deutschen Rundfunkarchiv auszugraben und in den Archiven von Bund, Land und Kreis zu recherchieren.

Der 1952 in Sülte Geborene berichtete seinen Zuhörern davon, wie wenig selbstverständlich sein Sieg damals war. „Um für die Olympiamannschaft ausgewählt zu werden, musste man DDR-Meister sein und im selben Jahr ein Turnier im Ausland gewonnen haben. Ich wurde zwar DDR-Meister, habe mir aber dabei die Hand gebrochen. Und musste damit kurz darauf nach Budapest fahren und drei Kämpfe gewinnen.“ Mit Bandagen, Spritzen und taktischem Geschick boxte sich Jochen Bachfeld auch in diesen Wettkämpfen zum Sieg – und mit großen Schmerzen. „Die Spritze hat immer nur eine halbe Stunde gewirkt. Wer sich für den Leistungssport entscheidet, kennt nur ein Ja oder Nein. Was man da tut, ist der Lebensinhalt. Und Verletzungen sind das große Thema für alle Leistungssportler.“ Weil er beim Chemiepokal in Halle kurz danach aufgeben musste, wurden die Verantwortlichen für die Auswahl der Olympiamannschaft misstrauisch und wollten ihn untersuchen. „Aber die Ärzte im Schweriner Krankenhaus haben mich abgeschirmt und in die Psychiatrie verlegt.“ Als die Hand geheilt war, gewann der junge Boxer ein internationales Turnier in Gera und wurde für Olympia nachnominiert. Im entscheidenden Kampf besiegte er den favorisierten Venezolaner Pedro Gamaro. „Die hatten mich alle nicht auf dem Schirm.“

Nach dem Sieg bekam Bachfeld wie die 39 anderen Medaillengewinner der DDR eine Reise nach Kuba und eine Trabi-Zuweisung von den DDR-Oberen geschenkt. „Das heißt, wir mussten nicht zwölf Jahre darauf warten. Das Geld dafür mussten wir selbst aufbringen.“

„Von uns bekam er einen Besteckkasten“, warf Ureinwohnerin Helga Seeger ein. „Den habe ich heute noch“, gab Jochen Bachfeld unter Applaus und Lachen im Festzelt zurück. Den Wettkampf schauten sich die Sülter damals gemeinsam im Gemeindehaus an. „Wir waren alle sehr stolz, als Jochen Olympiasieger wurde“, erinnerte sich Jutta Krampe, die als Kind zusammen mit ihren beiden Drillingsschwestern Ute und Monika mit Jochen Bachmann die Sülter Dorfschule besuchte.

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