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Schwerin hält an Plattenbauten fest : Ungleiche Nachbarn

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Gegen das schlechte Image und wider den Leerstand – die Situation in den Großwohnsiedlungen der Landeshauptstadt zwingt die Stadtplaner zum Umdenken. Dort lohnt sich der Neubau angesichts des hohen Leerstandes nicht.

Schwerin | In den Großwohnsiedlungen lohnt sich der Neubau angesichts des hohen Leerstandes nicht. In der Altstadt ist kein Platz mehr für neue Bauprojekte. In den Plattenbau-Siedlungen wie Lankow und Mueßer Holz ist der Leerstand hoch. In der Innenstadt wie in der Pauls- oder Schelfstadt sind Wohnungen dagegen gefragt.

Die Schweriner leben in einer geteilten Stadt - ein Gefüge aus einem historischen Stadtkern umgeben von weitläufigen Plattenbau-Komplexen und den von Eigenheimen geprägten Stadtteilen im Grünen. "Das ist typisch für viele Städte in den neuen Bundesländern", sagt Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff. "Schauen wir nach Halle, Greifswald oder Rostock, dort ist die Situation ähnlich." Während die restaurierten Innenstädte vor allem bei jungen Familien sehr beliebt sind, kämpfen einige Teile der Großwohnsiedlungen noch mit altem DDR-Image.

Dieses vermitteln zum Teil noch unsanierte Hochhäuser wie am Berliner Platz, wilde Brachflächen, breite Häuserfluchten und eine kastenartige Architektur. Der Leerstand ist meist hoch, die Mieten günstig. "Aber die Infrastruktur für Familien mit Kindern ist gut", sagt Friedersdorff. Spielplätze, verkehrsberuhigte Straßen, Kindertagesstätten und Schulen, Parkplätze und viel Grün gibt es in Lankow, Mueßer Holz, auf dem Dreesch und in Krebsförden. "Dennoch hinkt das Image der Stadtteile und dagegen müssen wir etwas tun", sagt Friedersdorff.

Die Grenzen innerhalb der Landeshauptstadt müssen auch in den Köpfen fallen. Es sei zum Beispiel ein weit verbreiteter Irrtum, dass das Mueßer Holz ein sozialer Brennpunkt ist, so der Baudezernent. "Die Kriminalitätsrate liegt dort weit unter der in der Innenstadt", sagt er. Doch um das Image des Stadtteils zu verändern, bedarf es noch einiges.

Ein Blick nach Neu Zippendorf zeigt, wie sich ein Stadtteil entwickeln kann. Nach vielen Wegzügen ist die Bevölkerung seit Jahren stabil bei 8000 Einwohnern. Stadtumbau-Projekte wie das Seeterrassen-Quartier an der Pilaer Straße machen die Plattenbauten wieder zu attraktivem Wohnraum. Die Schweriner Wohnungsbaugenossenschaft (SWG) köpft die Häuser und baut diese so auf drei Etagen zurück. Anstelle von Gestrüpp entstehen gepflegte Parkanlagen. Solche Projekte zeigen wie es geht, kosten aber auch Geld.

Während die Altstadt laut Frieders dorff fast fertig saniert ist, besteht in den Plattenbau-Siedlung noch jede Menge Nachholbedarf. Es stellt sich die Ressourcenfrage. "Aber ein breites Streuen der wenigen verfügbaren Mittel nach dem Prinzip Gießkanne bringt nichts", sagt Friedersdorff. Die historische Altstadt ist das Aushängeschild der Landeshauptstadt und "zieht Touristen". "Der Ruf Schwerins als Residenzstadt reicht langfristig aber nicht aus", sagt Friedersdorff.

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erstellt am 29.Jun.2011 | 04:41 Uhr

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