Neues Präventionsprojekt : Ungewohnte Wege gegen Gewalt

Die Fünftklässler der Astrid-Lindgren-Schule diskutierten an 15 Thementischen im „Worldcafe“ über die Probleme, die ihnen am meisten Sorge bereiten. Dazu gehört Gewalt in der Familie.
Die Fünftklässler der Astrid-Lindgren-Schule diskutierten an 15 Thementischen im „Worldcafe“ über die Probleme, die ihnen am meisten Sorge bereiten. Dazu gehört Gewalt in der Familie.

Das Präventionsprojekt „Worldcafé for Kids“ in der Astrid-Lindgren-Schule werten Schüler und Erwachsene als vollen Erfolg

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09. März 2015, 16:00 Uhr

Wie und wo erleben Zehnjährige heute Gewalt? Auf dem Pausenhof, auf dem Schulweg, in der Nachbarschaft? Am häufigsten begegnet ihnen Gewalt in der eigenen Familie. So lautet jedenfalls ein Fazit nach dem ersten „Worldcafé for Kids“, ein neues Schweriner Präventionsprojekt gegen Gewalt, das sich an Fünftklässler wendet.

In der Astrid-Lindgren-Schule war Auftakt mit 94 Schülern und mehr als 30 Experten, unter anderem von Polizei, Justiz, Schule, Stadtverwaltung und Vereinen wie Kinderschutzbund oder Weißem Ring. Am morgigen Dienstag startet nun das zweite „Worldcafé“ in der Siemensschule. Es folgen weitere in der Förderschule am Fernsehturm, der Erich-Weinert- und der Bertolt-Brecht-Schule. Zum Abschluss werden alle Ergebnisse und viele Lösungsvorschläge in einem „Markt der Möglichkeiten“ am 18. Juni zusammengefasst.

Das „Worldcafé“ ist eine Workshop-Methode, die von amerikanischen Unternehmensberatern entwickelt wurde und bisher vor allem in internationalen Konzernen, politischen Organisationen, Gemeinden, Städten und Verbänden zum Einsatz kommt. Es geht darum, mit wenig Aufwand und professioneller Anleitung einen sicheren Raum zu schaffen, um die verschiedenen Sichtweisen auf – und verschiedene Herangehensweisen an – ein Thema kennen zu lernen, Muster zu entdecken, Ziele und Zusammenhänge zu erkennen und genau hinzuhören. Mit passenden Fragen wird versucht, Menschen in konstruktive Gespräche miteinander zu bringen. Möglichst alle Betroffenen sollen dabei zu Wort kommen.

Zu schwierig für Fünftklässler? Tatsächlich hatten die Organisatoren vom Schweriner Präventionsrat im Vorfeld einige Bedenken, wurden in der Lindgrenschule aber eines Besseren belehrt. 15 Thementische waren vorbereitet, an jedem mindestens zwei erwachsene Fachleute. Die Kinder waren interessiert, bescheiden, konzentriert bei der Sache und oft auch bereit, aus dem eigenen Erfahrungsschatz zu berichten, so die Einschätzung der Experten, die sich zur Auswertung wieder in der Lindgrenschule trafen.

„Manche Gespräche musste ich sogar stoppen, weil ich merkte, dass wir ein Thema berührt hatten, das in einer halben Stunde nicht gelöst werden kann“, sagt Streetworker Matthias Glüer. Während Schulschwänzen und Cybermobbing für die Fünftklässler noch keine Top-Themen seien, lieferte „Gewalt in der Familie“ an vielen Tischen Gesprächsstoff, resümiert Kripo-Kommissarin Heidi Liebmann.

Mit dem Jugendamt assoziierten einige Schüler zuerst, dass hier Kinder ihren Eltern weggenommen werden. Was das Jugendamt wirklich tut, wo Kinder Hilfe finden, aber auch welche Strafen selbst zehnjährigen Straftätern schon drohen, all das erfuhren die Lindgren-Schüler im „Worldcafé“. Und vieles mehr. Zum Auftakt nahm sich Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow vier Stunden Zeit, um von den Kindern zu erfahren, wie sie sich ein möglichst schönes Schwerin vorstellen.

Einen Tag nach dem „Worldcafé“ werteten auch die Schüler die Veranstaltung mit Hilfe eines Fragebogens aus. Das Ergebnis kann die Organisatoren mehr als zufrieden stimmen. Fast allen hat der Tag sehr gut oder gut gefallen, sie fühlten sich ernst genommen, fanden die Themen interessant und hätten sogar gern noch mehr Zeit beim Diskutieren an den Tischen verbracht, fasste Schulleiter Peter Metzler das Ergebnis zusammen. Der zweite Durchlauf am Dienstag wird sich also nicht wesentlich vom Vorgänger unterscheiden, aber zwei statt bisher einer Pause an der frischen Luft wird es definitiv geben. Die Erwachsenen sind schon sehr gespannt, ob sich die Probleme und Erfahrungen der Schüler in Lankow und auf dem Dreesch gleichen.

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