Ausländer in Schwerin : Ungewisse Zukunft im Gastland

Immer im Gespräch mit in Schwerin lebenden Ausländern: Die Chefin der Ausländerbehörde, Andrea Eichstädt (l.) heißt gemeinsam mit OB Angelika Gramkow Georg Logachev in Schwerin willkommen.
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Immer im Gespräch mit in Schwerin lebenden Ausländern: Die Chefin der Ausländerbehörde, Andrea Eichstädt (l.) heißt gemeinsam mit OB Angelika Gramkow Georg Logachev in Schwerin willkommen.

In der Landeshauptstadt leben aktuell rund 90 Ausländer mit einer Duldung. Flüchtlingsrat: Situation für Betroffene sehr belastend

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31. August 2016, 23:31 Uhr

Ihr Aufenthalt ist prekär, ihre Zukunft ungewiss. In der Landeshauptstadt leben rund 90 Ausländer mit einer so genannten Duldung. „In den meisten Fällen handelt es sich um Flüchtlinge, deren Asylantrag angelehnt wurde, die aber aus rechtlichen oder anderen Gründen vorerst nicht in ihr Heimatland zurück können“, sagt Andrea Eichstädt, die Leiterin der städtischen Ausländerbehörde.

Aus etwa 20 Staaten kommen die Geduldeten nach Angaben von Eichstädt. Eine größere Gruppe stellten zum Beispiel Iraker, die keinen Anspruch auf Asyl hätten, aufgrund der unsicheren Situation in ihrer Heimat aber nicht zurückgeschickt würden. Unter den Geduldeten seien aber unter anderem auch unbegleitete Minderjährige, die aus rechtlichen Gründen allein keinen Asylantrag stellen dürften, so die Leiterin der Ausländerbehörde. Fehlende Ausweisdokumente oder eine angeschlagene Gesundheit könnten ebenfalls Gründen für eine Duldung sein.

Über einen Asylantrag befinde zwar das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, über eine Duldung – und gegebenenfalls auch eine Abschiebung – entscheide aber die Ausländerbehörde vor Ort, erklärt Eichstädt. Dabei müsse den Betroffenen klar sein: „Eine Duldung ist kein Aufenthaltstitel.“ Wer geduldet sei, halte sich formal unrechtmäßig in Deutschland auf, so die Behördenleiterin. Auch Geduldete hätten aber unter bestimmten Voraussetzungen einen Zugang zum Arbeitsmarkt.

Die Entscheidung, einen geduldeten Ausländer gegen seinen Willen abzuschieben, mache sich die Ausländerbehörde nicht leicht, betont Eichstädt. Jeder Fall werde intensiv geprüft, versichert sie. Aber in einem Rechtsstaat müsse das Recht eben auch durchgesetzt werden.

„Für die Betroffenen ist die Situation einer Duldung sehr belastend“, sagt die Vorsitzende des Flüchtlingsrates MV, Ulrike Seemann-Katz. Viele Geduldete lebten in ständiger Angst vor einer Abschiebung. In manchen Fällen dauere der Zustand der Duldung über Jahre an. Der Flüchtlingsrat appelliere deshalb an die Politik, gerade solchen Langzeitgeduldeten eine Perspektive und ein Bleiberecht zu geben, das ihnen etwa auch die Teilnahme an Sprachkursen ermögliche, so Seemann-Katz.

Nach Angaben der Stadt leben in Schwerin derzeit 6148 Ausländer, darunter 1384 mit einer unbefristeten Niederlassungserlaubnis und 2136 mit einer befristeten Aufenthaltserlaubnis. „Der Zuzug von anerkannten Asylbewerbern aus anderen Kreisen nach Schwerin ist nach wie vor hoch“, sagt Andrea Eichstädt.

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