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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 17:09 Uhr

Schwerin : Ungebremste Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gründerväter des Norddeutschen Unternehmerverbandes haben auch nach 25 Jahren noch Lust zum Mitgestalten

von
erstellt am 20.Jan.2015 | 16:00 Uhr

Für das Recht auf mehr Mitgestaltung und eine neue Wirtschaftsordnung stritten die Gründerväter des Unternehmerverbandes MV vor genau 25 Jahren, seinerzeit noch in der DDR. Heute sind viele der Vorreiter von damals älter und gesetzter geworden, haben ihre Firmen vergrößert oder ihr Geschäft aufgegeben, haben Träume begraben, Lehrgeld gezahlt, ungeahnte Erfahrungen gemacht. Aber eines haben sie nicht verloren: ihre Leidenschaft und den unbedingten Willen, an der deutschen Gesellschaft aktiv mitzubauen. Es gibt noch viel zu tun, finden sie. Fachkräftesicherung, Nachwuchsgewinnung, Firmenübergabe und die Konkurrenzfähigkeit mittelständischer Betriebe auf dem internationalen Markt sind die Themen, die die Unternehmer des Jahres 2015 beschäftigen. Und eine 25-Jahr-Feier, die es in sich haben soll: Am 18. März lädt der Unternehmerverband Norddeutschland, Mecklenburg-Schwerin – so der genaue Titel – zum Jubiläum in den Goldenen Saal.

Zum Planungsgespräch trafen sich alter und neuer Vorstand jetzt an historischer Stätte: im Brunnenkrug. Elf Selbstständige aus Handel, Handwerk und Dienstleistung hatten dort am 19. Januar 1990 die Gründungsversammlung des Norddeutschen Unternehmerverbandes vorbereitet, die am 8. Februar rund 1000 Interessierte in die Halle am Fernsehturm lockte.

Inzwischen hat sich der damals gegründeten Verband in drei Regionalverbände geteilt. „Persönlichkeiten und Befindlichkeiten“ – so formuliert es Gründungsmitglied Karl-Heinz Garbe – hätten zur Trennung geführt. Man sei heute auf Annäherungskurs vor allem mit den Rostockern, erklärt Präsident Rolf Paukstat. Allein sein Unternehmerverband Mecklenburg-Schwerin zählt mehr als 600 Mitglieder, bringt sich in Gremien, Ausschüssen, Verbänden und Gesellschaften ein.

Eine bessere Schulausbildung, mehr persönlichen Ehrgeiz und Leistungsbereitschaft – das wünschen sich die Unternehmer 2015 von der nachfolgenden Generation. Gute Azubis sind in vielen Branchen kaum mehr zu finden. „Hätten wir damals gewusst, mit welchen Problemen wir heute zu kämpfen haben, dann hätten wir vielleicht den Kopf in den Sand gesteckt“, sagt Uwe Karsten. Der ehemalige Kommissionshändler Schmuckwaren war erster Vorsitzender des Unternehmerverbandes Norddeutschland, bevor er bei IHK und Bund der Steuerzahler aktiv wurde. „Die ersten zehn Jahre nach der Einheit waren glückliche Jahre, in denen jeder etwas geschaffen hat, auf das er stolz sein kann.“ Schnell beginnen die Herren in Erinnerungen zu schwelgen an Zeiten, in denen Gewinne noch mit 90 Prozent versteuert werden mussten, in denen Waren und Preise vom Staat genau zugeteilt wurden, in denen Selbstständigkeit die Ausnahme war und pfiffiger Unternehmergeist trotzdem belohnt wurden. „Viele von uns haben damals besser verdient als heute“, sagen die Unternehmer lächelnd. Doch als sie von restriktiven Gesetzen und Stasi-Akten berichten, werden die Minen ernst. Die Freiheit von heute möchten sie nicht eintauschen.

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