Tiere in Not : Unfassbar: Sie wären fast erfroren

Nicky kann schon wieder im Schnee toben.
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Nicky kann schon wieder im Schnee toben.

Drei Hunde und ein Perserkater wurden bei Frost und Schnee gerade noch rechtzeitig gefunden und nach Holthusen gebracht

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25. Januar 2016, 21:00 Uhr

Doris Schiemann hat schon so manches Tierelend gesehen und gemeinsam mit ihren Mitarbeitern geheilt. Doch was die Chefin des Holthusener Tierheims „Kleine Oase“ in diesem Winter erlebt hat, macht sie mehr als betroffen: „Diese vier Tiere wurden gerade noch rechtzeitig gefunden. Sonst wären sie erfroren.“ Doris Schiemann kann nicht ausschließen, dass die drei Hunde und der Perserkater ihren Haltern weggelaufen sind. Doch die Umstände und Fundorte sprechen eine andere Sprache: Die Tiere wurden entweder einfach weggeworfen oder ganz bewusst zum Sterben ausgesetzt.

Los ging das schon zu Weihnachten: Perle, so rufen die Tierheim-Mitarbeiter die kleine Mischlingshündin, lag am 26. Dezember in einem Brombeerstrauch in einem Grabower Gewerbegebiet. „Da war Perle gerade mal fünf Wochen alt“, schätzt Schiemann. Das Glück der Kleinen: Autofahrer hielten für eine Rast an und hörten etwas schreien. „Die Finder dachten, es wäre ein Kind. Aber es war der hungrige, ausgekühlte Welpe.“ Die Kleine kam wieder schnell auf die Beine. Und das nicht nur dank zweibeiniger Helfer. Dante, der Hund einer Tierpflegerin, adoptierte Perle. Bei ihm findet Perle Wärme und Zuneigung – nur keine Milch. Die erhält der Welpe per Flasche.

Auch Nicky tollt schon wieder umher. Der Jack-Russell-Terrier kam am 18. Januar aus Görnitz nach Holthusen. Das fünf- bis sechsjährige Tier stammt nicht aus diesem kleinen Dorf bei Grabow. Und dass Nicky dorthin gelaufen ist, das glaubt Doris Schiemann nicht. Immerhin ist das Tier gesund und aufmerksam. Daher ist Doris Schiemann zuversichtlich, dass sich nach Ablauf der vorgeschriebenen Wartefrist schnell ein Halter für Nicky finden wird.

Das wird bei Sven deutlich schwieriger. Der Senior muss erst wieder aufgepäppelt werden. Und ob der Yorkshire Terrier durchkommt, steht immer noch nicht fest. Total verfilzt und mit Flöhen befallen wurde der Hund am 6. Dezember am Nordufer des Dümmer Sees entdeckt. Markant: Der rechte Hinterlauf wurde vor Jahren fachgerecht entfernt. „Allein kann das alte Tier mit seinen drei Beinen nicht bis in die Uferzone des Sees gelaufen sein“, betont Schiemann. „Sven hatte im Schnee eigentlich keine Überlebenschance.“

Das Gleiche gilt für „Finley“. Das edle Tier ist ein etwa fünf Monate alter Perserkater. Er wurde ebenfalls am 18. Januar gefunden – in Wulfsahl, südlich der A-24-Abfahrt Parchim. „Perser benötigen viel Pflege“, betont Schiemann. Die hat Finley nie bekommen. Sein Fell war völlig verfilzt. Im Schnee wurde es erst nass, dann fror das Ganze. Der Kater konnte nicht einmal mehr den Kopf bewegen. Auch er wurde gerade noch rechtzeitig gefunden. „Wir mussten ihm das Fell scheren“, erläutert die Fachfrau. Das wächst inzwischen nach und langsam erholt sich auch dieses Tier.

Doris Schiemann ist fassungslos, was einige Halter ihren Tieren antun. Dass es in den wenigen Schneetagen dieses Winters zu so einer Häufung kam, kann sie sich nicht anders erklären, als dass diese Menschen ihre Tiere zum Sterben ausgesetzt haben...

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