Schwimmhalle Lankow : Unendliche Geschichte mit gutem Ende

Rettung in buchstäblich letzter Sekunde. Der Bauzaun stand schon, erste Abrissarbeiten waren bereits im Gange. Da hatte Ulrich Bunnemann eine Idee... Fotos: Reinhard Klawitter
1 von 2
Rettung in buchstäblich letzter Sekunde. Der Bauzaun stand schon, erste Abrissarbeiten waren bereits im Gange. Da hatte Ulrich Bunnemann eine Idee... Fotos: Reinhard Klawitter

Um die Zukunft der Schwimmhalle in Lankow wurde jahrelang gestritten. Nachdem der Abriss bereits beschlossene Sache war, meldeten sich aber Investoren

svz.de von
05. Januar 2016, 12:00 Uhr

Schließen, sanieren, abreißen, neu bauen – um kaum ein Vorhaben gab es eine so lange hin und her wogende Diskussion wie um die beiden DDR-Schwimmhallen auf dem Dreesch und in Lankow. Fast zehn Jahre haben Stadtverwaltung und Stadtvertretung um den besten Weg gerungen. Inzwischen sind Ergebnisse zu sehen. Anfang 2015 wurde die neue Schwimmhalle auf dem Großen Dreesch eröffnet. Gebaut an gleicher Stelle wie die zuvor abgerissene alte Halle, aber größer. Denn die Dreesch-Halle soll auch ein Ersatz für die Schwimmhalle Lankow sein. Um die aber gab es in diesem Jahr einige Irrungen und Wirrungen.

Vor fast acht Jahren hat Angelika Gramkow im Oberbürgermeisterwahlkampf noch nachdrücklich betont, dass es mit ihr keine Schließung der Schwimmhalle am Fliederberg geben werde. Doch nachdem sie das Amt übernommen hatte, war dann  alles anders. Gramkow setzte sich entschieden für die neue Schwimmhalle in der Bernhard-Schwendtner-Straße ein – die Lankower Halle gab sie zum Abriss frei. Die Betriebskosten belasteten das städtische Budget, eine Sanierung wäre für die hoch verschuldete Stadt nicht zu bewältigen gewesen. Doch es kam anders.

Schon  Anfang 2015 begannen die Stadtvertreter eine Diskussion um die Zukunft des Schwimmhallenstandortes  ganz am Rande der Weststadt. Favorisiert wurde eine Wohnbebauung des attraktiven Grundstücks am Lankower See. Doch es regte sich Widerstand. Ex-Stadtvertreter Jan Szymik begann eine Unterschriftensammlung. Würden sich 4000 Bürger beteiligen, wäre die erforderliche Anzahl  für ein Bürgerbegehren erfüllt, die Stadtvertretung hätte sich noch einmal intensiv mit dem Thema beschäftigen müssen. Doch Szymik  scheiterte. Listen mit lediglich 2500 Unterschriften konnte er am letzten Öffnungstag der Lankower Schwimmhalle Ende Januar der Oberbürgermeisterin übergeben. Das Interesse der Masse der Schweriner hatte über die Jahre deutlich abgenommen.

Auch die Privatinitiative des Schweriner Mediziners Dr. Ralf Schmedemann fand bei den Stadtvertretern kein Wohlwollen. Der hatte vor, die Lankower Halle vor dem Abriss zu retten und für die Handballnachwuchsabteilung des Eisenbahnersportvereins aus seiner Privattasche eine Spielstätte zu schaffen. Doch einerseits wäre mindestens eine Million Euro zu investieren gewesen. Schmedemann hatte ursprünglich gehofft, mit einem Viertel auskommen zu können. Er wäre also auf .Geldgeber angewiesen gewesen. Andererseits hatten Vertreter aller Fraktionen deutlich gemacht: Eine Beteiligung der Stadt an Schmedemanns Vorhaben, wie vom Investor gefordert,  berge zu große Risiken. Die Kommunalpolitiker standen zum geltenden Beschluss und damit zum  Abriss.

 Kurz vor knapp, im Sommer,  trat dann die Aktion Stadt und Kulturschutz in die Öffentlichkeit. Sie wollte die Halle erhalten, wollte den Abriss verhindern. Dazu sollte ein Runder Tisch eingerichtet werden,  der  nach einer „alternativen Nutzungsmöglichkeit“ für die   Halle suchen sollte. Daraus wurde nichts. Ein Proteststand auf dem Marienplatz fand nur wenig Resonanz bei den Schwerinern. Ebenso eine von der ASK initiierte Fotoaktion Anfang September, zu der nur 50, statt der erwarteten 150 Unterstützer kamen.

Dann schalteten sich Schweriner Architekten ein. Sie stellten den Antrag, die Schwimmhalle auf die Denkmalliste zu setzen. Ihr Argument: Die Lankower Halle  sei die letzte des Typs Anklam aus DDR-Zeiten, die Elemente für das geschwungene Dach seien ein Zeugnis der Leistungsfähigkeit des Schweriner Betonwerks. Letzteres erwies sich als falsch, die so genannten HP-Schalen wurden nicht in Schwerin produziert. Dennoch: Die Landesdenkmalpflege erklärte die Halle zum Denkmal. Da standen aber schon die Abrissbagger bereit. Der Streit zwischen Stadt und Denkmalpflege landete sogar vor Gericht. Doch in buchstäblich letzter Sekunde gab es eine jähe Wendung. Der Schweriner Architekt Ulrich Bunnemann wollte die Halle kaufen und zu einem Wohn- und Wellness-Standort entwickeln.

 Wohnen statt schwimmen

Der Notarvertrag ist noch vor Weihnachten unterschrieben worden, der Liegenschaftsausschuss der Stadtvertretung hat bereits zugestimmt, jetzt steht noch das Votum des Hauptausschusses aus. Das dürfte nur noch eine Formsache sein. Damit hat die ehemalige Schwimmhalle in der Weststadt offenbar wieder eine Zukunft.

Ulrich Bunnemann kauft die Liegenschaft zum aktuellen Verkehrswert. Anders dürfte die Stadt die Liegenschaft auch nicht veräußern – die Kommunalaufsicht besteht darauf. Außerdem übernimmt der Architekt und Baumeister die bereits entstandenen Abrisskosten und entschädigt die mit dem Rückbau beauftragte Firma für den entgangenen Auftrag. „Wir sind sehr zufrieden und freuen uns, mit Ulrich Bunnemann einen zuverlässigen Investor gefunden zu haben“, sagte Baudezernent Bernd Nottebaum. Der Architekt und Chef der Schelfbauhütte hatte der Stadt erst im November ein entsprechendes Angebot für die Lankower Schwimmhalle gemacht.

Großartig schwimmen wird man in der Halle am Fliederberg nicht mehr können. Der Investor plant, die äußere Hülle des Gebäudes zu erhalten und damit den Denkmalpflegern in die Hände zu spielen. Innen wird sich nach den bisherigen Planungen aber alles verändern. Es sollen Wohnungen entstehen sowie eine Physiotherapiepraxis. Auch eine von etlichen  Schwerinern an dieser Stelle gewünschte  Sauna sehen Bunnemanns Pläne vor. Dazu gehört ein kleines Tauchbecken.

Der Investor hat auch noch die Kaufoption für eine angrenzende 2900 Quadratmeter große Fläche.  Diese zeitlich befristete Option  kann nach Informationen der Stadt jedoch nur in Anspruch genommen werden, wenn der Käufer seiner Sanierungsverpflichtung für das Schwimmhallengebäude nachkommt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen