Crivitz : Und zuletzt stieg die Wehmut mit ein

Mit einem Lächeln im Gesicht begrüßt Peter Pott seine Fahrgäste.
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Mit einem Lächeln im Gesicht begrüßt Peter Pott seine Fahrgäste.

Busfahrer Peter Pott geht nach 47 Arbeitsjahren in Rente: Am Ende seiner letzten Tour erwartete ihn gestern eine Überraschung in Crivitz, die ihn verlegen machte

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01. Dezember 2017, 12:00 Uhr

Schweriner Bahnhof, 11.45 Uhr. Die Tür des Niederflurbusses geht auf. Peter Pott sitzt am Steuer des 12,5 Meter langen Fahrzeugs der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP). Entspannt und mit einem Lächeln im Gesicht, das einlädt, bei ihm mitzufahren, begrüßt er die Fahrgäste. „Na, mein Lieber! Heute letzte Fahrt?“ Mit Händedruck und Schulterklopfer wünscht Erhard Pöhle seinem Kollegen eine gute Fahrt. Denn Peter Pott geht nach 26 Dienstjahren als Busfahrer und 47 Arbeitsjahren insgesamt, in denen er unter anderem Lastwagenfahrer und Werkstattleiter war, in den Ruhestand.

„63 Jahre bin ich. Obwohl ich mich nicht so fühle. Aber in Rente gehe ich jetzt trotzdem“, sagt der gebürtige Crivitzer, lässt den Motor an und startet um 11.53 Uhr pünktlich seine letzte Tour. Dabei kann der Vater von zwei Kindern und mittlerweile Großvater von zwei Enkeln auf eine lange Arbeitskarriere zurückblicken. Gelernt hat er Dreher, ist dann zehn Jahre für das Pinnower Kieswerk Lastwagen gefahren. Bis nach Berlin führten ihn seine Touren mit den manchmal neun Tonnen schweren Fahrzeugen. Gut gegangen ist immer alles, außer das eine Mal bei einem Reifenplatzer, da konnte er den motorisierten Koloss nicht mehr bändigen, so dass es zum Unfall kam. Ruhe bewahren ist nicht nur seit diesem Moment das Motto des Mannes mit dem freundlichen Gesichtsausdruck. Nach seiner Kraftfahrerzeit war er Werkstattleiter in Crivitz, als die Wende kam, wurde er Busfahrer – mit Leib, Seele und einem Herz für seine Fahrgäste. „Was das Besondere ist an meinem Beruf ist?“, überlegt Pott und antwortet: „Die Zeit mit den Schulkindern.“ Er lächelt kurz und steuert sein Arbeitsgefährt gekonnt durch die Straßen Schwerins in Richtung B 321, die ihn direkt nach Crivitz zum heutigen Endpunkt seiner Tour führt.

Während der Fahrt baumelt Charly entspannt an der Windschutzscheibe. Das kleine Kuscheltier-Schaf im schottischen Kilt ist Peter Potts Talisman. „Den habe ich von einem schottischen Kollegen geschenkt bekommen, seitdem fährt das Schaf mit“, erzählt er. Einen Schutz-Talisman brauchte der Crivitzer glücklicherweise nicht so häufig. Denn der 63-Jährige hält nicht nur selbst Ordnung in seinem Bus, sondern sorgt auch für ein gutes Miteinander, wenn er der Fahrer ist. Nur einmal hat es einen Fahrgast gegeben, der wollte partout nicht zahlen. Pott musste die Polizei rufen.

12.40 Uhr. In Crivitz steigen noch einmal Gäste in den Bus. Die freuen sich, dem Mann, der in seiner Freizeit gerne an Mopeds schraubt und im Garten arbeitet, noch einmal alles Gute für die Rentenzeit zu wünschen. In der Grünen Straße, auf den letzten Metern, packt ihn ein wenig Wehmut. „Schön wars“, resümiert Pott, biegt um die Kurve und ist baff: Im Spalier stehen die Hort- und Grundschulkinder, Kollege Stefan Köhler bläst ein Lied, Kollege Klaus Eckert filmt, Ehefrau, Familie, Freunde, alle da, um Peter Pott noch einmal als Busfahrer zu empfangen. Überraschung geglückt. Peter Pott ist sprachlos, hat dann doch feuchte Augen.

12.50 Uhr. Nachfolger Stefan Röpke übernimmt die Schlüssel des Busses. Peter Pott steigt aus, ist nun im Ruhestand.

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