Das große Beerensammeln : Und täglich geht es auf die Beeren-Jagd

Mit Knieschonern geht Margarete Rietzke zur Blaubeerernte.
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Mit Knieschonern geht Margarete Rietzke zur Blaubeerernte.

Margarete Rietzke pflückt seit mehr als 60 Jahren

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02. August 2015, 09:00 Uhr

Zwischen Juni und September ist immer alles griffbereit: Gummistiefel, kleine Eimer, Gürtel, Kopftuch, Wechselsachen und das Insektenspray. Denn wenn das Wetter günstig ist und Margarete Rietzke die Sammellust überkommt, zieht sie los. „In wenigen Minuten ist alles im Auto verstaut und ich düse los“, sagt sie, haut die Kofferraumklappe zu und setzt sich hinter das Steuer. Früher ist sie die Strecke von ihrem Grundstück in Pulverhof bis zum Blaubeerwald bei Lüblow immer mit dem Fahrrad gefahren. „1991 habe ich dann den Führerschein gemacht. Nur für die Blaubeeren. Die Strecke würde ich heute gar nicht mehr mit dem Rad schaffen“, sagt sie, fasst sich auf den Brustkorb und erzählt von ihrem Herzschrittmacher. „Mit ihm geht es mir besser, doch ich hätte am liebsten ganz auf all diese Krankheiten verzichtet.“

Und obwohl die Puste nicht mehr für lange Pflück-Einsätze ausreicht, zieht es die 76-Jährige fast täglich in den Blaubeerwald. „Ich kann nicht anders. Das ist mein Sport. Krumm stehen kann ich aber nicht mehr – deshalb die Knieschoner. Mit denen geht es wunderbar“, erzählt Margarete Rietzke und schon ist sie verschwunden. Den kleinen Plastikeimer mit einem dünnen Strick um den Bauch gebunden taucht sie ab in die grünen Büsche. Und dann klackert es. „Das sind die ersten Beeren. Das macht immer so komische Geräusche“, sagt sie, lacht und pflückt weiter. Beere für Beere wandern in den kleinen Eimer und nach gut einer Stunde ist das erste Kilo gepflückt. „Andere würden sagen, das ist bekloppt – ich mache das gerne. Diese Ruhe hier im Wald ist herrlich“, erklärt die Rentnerin, schaut kurz hoch, schüttelt den Kopf und meint leise. „Gut, ohne das Rauschen der Autobahn wäre es noch schöner. Man hört es aber nur, wenn der Wind ungünstig steht.“

Seit mehr als 60 Jahren kommt Margarete Rietzke in den Lüblower Wald, um Blaubeeren zu pflücken. Wie viel es in den vergangenen Jahren waren, hat sie akribisch notiert. Auch, wann sie sich zum ersten und letzten Mal zur Ernte aufgemacht hat. 2013 waren es 96 Kilogramm Blaubeeren, im vergangenen Jahr 46 Kilo und bisher habe sie 26,8 Kilo Blaubeeren gepflückt. „Es ist kein schlechtes Blaubeerjahr, ich war nur zwischendurch im Krankenhaus, sonst hätte ich schon mehr“, klingt es schon fast ein bisschen wie eine Entschuldigung aus ihrem Mund. Ihre Freundin Waltraud Mundt aus Lüblow hat in diesem Jahr schon mehr Beeren gepflückt. „Seit vielen Jahren gehen wir gemeinsam in den Wald. So ganz allein macht es ja auch keinen Spaß“, betont Margarete Rietzke. Oft sind auch andere Sammler im Waldstück unterwegs. „Aber längst nicht so viele wie früher. Das ist sehr schade, denn es sind viele Beeren an den Büschen – auch große.“ Gern würde sie mehr pflücken, doch „irgendwann ist genug.“ Schließlich versorge sie die ganze Familie mit Marmelade, Blaubeersuppe und backt auch gern mal einen Kuchen mit den blauen Früchten.

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