Prostitution in Schwerin : Und nebenan gibts Sex für Geld

Prostitution in Schwerin: Wenn es um Sex gegen Bares geht, dann empfangen die Damen ihre Kunden vornehmlich in Privatwohnungen.
Prostitution in Schwerin: Wenn es um Sex gegen Bares geht, dann empfangen die Damen ihre Kunden vornehmlich in Privatwohnungen.

Das Geschäft mit der käuflichen Liebe spielt sich in Schwerin in Model-Wohnungen ab – doch das geht vielen Nachbarn gegen den Strich

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27. November 2015, 21:00 Uhr

Ein Wohnblock am Stadtrand von Schwerin. Unscheinbar, mehrgeschossig. Dutzende von Wohnungen stecken in dem Plattenbau. Darin leben Senioren, ein paar Alleinstehende, Familien mit Kindern. Barbara, Bonnie und Betty sind auch manchmal da. Zwei, drei Tage, vielleicht auch eine Woche. Sind sie weg, kommen andere Damen. Sie nennen sich Mija, Monique oder Melody und werben auf einschlägigen Internetseiten dafür, sie zu besuchen. Wer kommt und Geld mitbringt, erhält als Gegenleistung Sex.

Herren huschen durchs Treppenhaus. Weit mehr, als dort eigentlich Zuhause sind. Ein Kommen und Gehen. Von morgens früh, bis abends spät. Viel Publikumsverkehr im Haus. „Zu viel Verkehr“, stöhnen die anderen Bewohner, die sich in diesem Haus Wohnungen als Eigentum zugelegt haben. Sie fühlen sich belästigt. „Hier leben Kinder. Es ist absolut inakzeptabel, was hier passiert. Die Jungen werden von den Damen manchmal sogar angemacht“, sagen sie.

Als eine nackte Prostituierte zeternd und volltrunken hinter einem Mann in Unterhose über die Flure her läuft, rufen Nachbarn die Polizei. Die Frau wird zur Wache mitgenommen. Dort muss ein Dolmetscher her – der ungarischen Sprache waren die Beamten nicht mächtig. Die Polizei nimmt auch die Wohnung in Augenschein. Für sie steht fest: das ist eine Model-Wohnung.

Model- oder Prostitutionswohnungen – dort spielt sich in der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern das Geschäft mit der käuflichen Liebe ab. Bordelle sind in Schwerin nicht registriert, aber der Polizei sind derzeit 47 Model-Wohnungen bekannt. Ob Lankow oder Neu Zippendorf, ob Paulsstadt oder Schelfstadt – sie sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Und über Mecklenburg-Vorpommern. „Im gesamten Landesgebiet sind uns 196 Prostitutionswohnungen bekannt“, so ein Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA).

Doch was tun, wenn sich Anwohner von dem Treiben nebenan gestört fühlen? „Wer sich in seinem Recht als Mieter verletzt sieht, wenn sein privates Leben eingeschränkt wird, der kann eine Anzeige erstatten oder prüfen lassen, ob die entsprechende Wohnung zur gewerblichen Nutzung vermietet wurde“, rät das LKA. Werden Anwohner belästigt und liegen Ordnungswidrigkeiten vor, kann auch das Ordnungsamt eingeschaltet werden. Das wiederum setzt sich mit dem Bauamt in Verbindung, das prüft, ob die Nutzung der Wohnung zulässig ist. „Das kommt aber nur sporadisch vor“, sagt Sven Walter, stellvertretender Ordnungsamtsleiter der Stadt Schwerin. Ein Problem dabei: anonyme Anzeigen. „Damit können wir aber nichts anfangen. Wir brauchen Zeugen, die notfalls auch vor Gericht aussagen“, so Walter.

Angst vor Repressalien – die spielt in diesem Milieu, in dem es häufig zu Straftaten kommt, eine große Rolle. Im Jahr 2014 wurden in MV sieben Ermittlungsverfahren im Bereich des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung abgeschlossen, bundesweit waren es 392. Sechs der Opfer waren Frauen im Alter von 19 bis 28 Jahre, die mehrheitlich aus Osteuropa stammten.

Zurück in das Haus am Schweriner Stadtrand: Dort haben die Wohnungseigentümer einen Anwalt eingeschaltet. Ist die Prostitution in der sich ebenfalls in Privatbesitz befindlichen Wohnung überhaupt zulässig  ? Das soll geklärt werden. Die Hausgemeinschaft will keine Prostituierten und Freier mehr im Treppenhaus haben, denn das geht ihr gehörig gegen den Strich.

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