Diebe Unterwegs : Und morgens sind die Engel weg...

An der Ostseite des Friedhofs hat Eduard Pekrul ein Schlupfloch mit Maschendrahtzaun zugemacht. Doch das hält Diebe nicht davon ab, weiterhin auf dem Friedhof auf Beutetour zu gehen
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An der Ostseite des Friedhofs hat Eduard Pekrul ein Schlupfloch mit Maschendrahtzaun zugemacht. Doch das hält Diebe nicht davon ab, weiterhin auf dem Friedhof auf Beutetour zu gehen

Figuren, Blumen, Gestecke oder Tannengrün: Seit über drei Jahren wird auf dem Demener Friedhof immer wieder Grabschmuck gestohlen

svz.de von
21. November 2014, 23:43 Uhr

Ein paar Grad über Null, frische Brise aus dem Osten, der Himmel grau in grau – Eduard Pekrul hat sich einen dicken Pullover, eine warme Weste und eine Mütze übergezogen, um dem tristen November-Wetter zu trotzen. Der 78-Jährige bleibt in Bewegung, fegt die letzten Tannenzapfen zusammen, die der Wind von den hoch gewachsenen Fichten abgeschüttelt hat. Die Wege zwischen den Grabstellen sind alle geharkt. Jetzt, so kurz vor dem Totensonntag, soll alles besonders akkurat aussehen. Ordentlich sehen auch die meisten der rund 150 Gräber auf dem kleinen Friedhof in Demen aus. Viele Ruhestätten sind geschmückt mit Efeu oder Tannengrün, mit Heidekraut oder Schneebeere. Grablichter brennen, Engelsfiguren halten still auf den Gräbern Wache. Doch verhindern können auch sie nicht, dass gerade auf dem Friedhof in Demen immer wieder Grabschmuck gestohlen wird.

„Das ist eine Schande. Wer das macht, der hat keinen Anstand“, schimpft Eduard Pekrul, der sich seit 15 Jahren im Dienste der Kirchgemeinde um die Friedhofspflege kümmert. Vor drei Jahren, sagt er, habe es angefangen mit der Klauerei. „Mehrere Dutzend Gräber wurden schon bestohlen“, sagt Pekrul und schüttelt verständnislos den Kopf.

Schwiegereltern, Bruder, Cousin – auch dort, wo Pekruls Verwandtschaft begraben liegt, wurden schon Sachen gestohlen. „Erst kürzlich kam meine Tante zu mir. Sie hat mir gesagt, dass sie nicht mehr viel aufs Grab legen will, denn sie wisse ja nicht, wie lange es dort liegen bliebe“, sagt Pekrul.

Es ist noch gar nicht lange her, da hat der Friedhofsgärtner ein Loch im Maschendrahtzaun geflickt. „Da hinten, an der Rückseite“, sagt der Rentner und zeigt auf den mannshohen Zaun in der Ecke. Vor ein paar Jahren habe er den ganzen Zaun schon höher gemacht. Davor konnten ihn die Rehe immer mühelos überspringen, um Stiefmütterchen von den Gräbern zu futtern. Die Rehe kommen nicht mehr, dafür aber Menschen, die den Draht durchschnitten und sich so Zugang jenseits des offiziellen Eingangs verschafft haben. Das Schlupfloch ist zu, aber gestohlen wird immer noch. Blumen, Gestecke, Tannengrün – und Engelsfiguren, die sind auch schon verschwunden.

„Ich finde das ganz schrecklich“, sagt Maria Maercker. Die Gemeindepädagogin der Kirchgemeinde Zapel und Demen sitzt an diesem Vormittag im großen Besprechungszimmer des Demener Pfarrhauses und hat Sprechstunde. Einmal in der Woche, sagt die Pädagogin, sei sie hier, den ganzen Tag. Zu besprechen gäbe es viel. Auch die Diebstähle sind Thema. „Es heißt oft, dass da doch etwas die Kirche machen müsse. Aber uns sind die Hände gebunden“, sagt Maria Maercker. Die Gräber seien für den Zeitraum der Liegezeiten in Privatbesitz. „Ich rate den Geschädigten immer und immer wieder, die Tat bei der Polizei anzuzeigen“, ergänzt sie und verbindet damit die Hoffnung, dass dann die Polizei bei ihren Streifenfahrten auch vermehrt ein Auge auf das abgelegene Friedhofsareal werfen werde. „Ich betreue 19 Dörfer, zu denen viele Friedhöfe gehören. Diebstähle gibt es nirgendwo, außer in Demen“, sagt Maria Maercker.

Rund 150 Meter vom Pfarrhaus entfernt, oben auf dem Hügel, ist Eduard Pekrul noch fleißig. Den Friedhof in Schuss zu halten, das mache ihm Spaß. Nur das mit dem Klauen, das passe ihm gar nicht. „Aber ich kann mich ja hier nicht mit meinen 78 Jahren nachts auf die Lauer legen“, sagt er. Die Hoffnung, dass irgendwann nichts mehr von den Gräbern gestohlen wird, die will er aber nicht aufgeben. Ein bisschen Anstand, der muss doch wohl noch da sein.

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