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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. November 2017 | 06:55 Uhr

Crivitzer Gesichter : Und jeden Tag wird geübt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Als Rentnerin schloss sich Christine Schade dem Crivitzer Posaunenchor an: Dessen 90. wird am Sonntag in der Stadtkirche gefeiert

von
erstellt am 31.Mär.2017 | 15:42 Uhr

Christine Schade bezeichnet sich selbst als Exot unter den 20 Musizierenden im Crivitzer Posaunenchor. „Das liegt an meinem Instrument“, fügt die 68-Jährige hinzu. „Ich spiele ein S-Fanfare.“ Dieses Instrument fällt aus der üblichen Klanglage eines Posaunenchores heraus. Die Töne sind härter und höher. „Beim Kauf im Internet haben wir uns vertan, wir wollten eine Trompete haben“ erzählt Christine Schade. Geliefert wurde eine S-Fanfare. „Auf der habe ich angefangen zu lernen.“ Das war 2011. Christine Schade war in dem Frühjahr in Rente gegangen, hatte zuvor 28 Jahre lang als Küsterin in der evangelischen Kirchengemeinde von Crivitz gearbeitet. „Ich wollte schon lange im Posaunenchor mitmachen. Doch das ging neben meiner Arbeit nicht“, erzählt sie. „Ich hatte beim Gottesdienst mit anderen Dingen zu tun.“ DoSchon während eines Kirchentages in den 1980er-Jahren in Rostock hatte Christine Schade das Stück „Highland Cathedrale“ – gespielt vom einem Posaunenchor. „Das wollte ich auch einmal können.“ Als Rentnerin wagte sie sich daher, ein Instrument zu erlernen. Die Musiker aus dem Posaunenchor warteten bereits auf die Verstärkung. Leiter Hans Wolf gab Christine Schade drei Jahre Instrumentalunterricht, damit sie schnell den Anschluss schaffte. „Das ist ja das Schöne in einem Ensemble: Wenn einer Mal nicht klar kommt, setzt er einfach aus“, erzählt die Crivitzerin. „Das fällt meist gar nicht auf.“ Bei der 68-Jährigen kommt das nur noch selten vor. Sie gehört zu den festen Stützen im Posaunenchor, macht auch in der „schnellen Eingreiftruppe“ mit. „Da decken wir mit wenigen Leuten alle vier Stimmlagen ab, um Jubilaren ein kleines Ständchen bringen zu können.“

Um das zu können, übt die Rentnerin jeden Tag 30 Minuten, manchmal auch eine Dreiviertelstunde. „Mein Mann Hartmut setzt sich währenddessen in die Küche und liest die Zeitung“, erzählt Christine Schade.

Derzeit übt die 68-Jährige mehr. Das aus doppelt gutem Grund. Am Sonntag um 11 Uhr beginnt in der Stadtkirche ein Festgottesdienst, mit dem das 90-jährige Bestehen des Crivitzer Posaunenchores gefeiert wird. Unter Leitung von Inge Lass-Adelmann erklingt geistliche und klassische Musik. Danach gibt es einen Empfang.

Viel Zeit zum Feiern haben Christine Schade und drei weitere Ensemblemitglieder aus dem Crivitzer Posaunenchor nicht. Noch in der Nacht zu Montag starten sie mit Landesposaunenwart Martin Huss und weiteren „Uhus“ nach Rom. 37 Bläser „unter hundert Jahren“ aus Posaunenchören des ganzen Landes werden am Mittwoch bei der Generalaudienz des Papstes im Vatikan spielen, sie werden als musikalische Botschafter des Reformationsjubiläums empfangen.

„Dass ich mit der Musik einmal so weit komme, hätte ich nicht gedacht“, fügt Schade an. Die Crivitzerin hat es nie bereut, sich im Ruhestand dieser Herausforderung zu stellen. „Ich kann nur allen Mut machen, das zu versuchen.“ Der Posaunenchor würde sich über Verstärkung in jedem Alter freuen, er probt mittwochs um 19.30 Uhr im Pfarrhaus.

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