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Zeitung für die Landeshauptstadt

11. Dezember 2017 | 08:49 Uhr

Schelfwerder: : Unbekannte Gefahr in der Tiefe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schwerin startet Grund- und Oberflächenwasser-Untersuchung auf der alten Hausmülldeponie in Schelfwerder

von
erstellt am 16.Feb.2015 | 14:45 Uhr

Obwohl die Deponie Schelfwerder schon vor vielen Jahren geschlossen wurde – sicher ist sie deshalb immer noch nicht. Schließlich liegt der Schweriner See in unmittelbarer Nähe. Bereits 2010 hatte die Stadt nach einem Auftrag der Kommunalpolitik mehrere Sicherungen eingebaut: Erde wurde aufgetragen und bepflanzt, die einstige Anlage ist seitdem eingezäunt und mit Warnschildern versehen und ober- und unterirdische Gewässer werden regelmäßig überwacht. Dennoch: Ein Gutachten aus dem Jahr 2012 schließt nicht aus, dass Schadstoffe direkt in den Schweriner See gelangen.

Im vergangenen Herbst hatte sich der Umweltausschuss vor Ort ein Bild über die Situation gemacht – und die Mitglieder waren erstaunt. Einige wussten nicht einmal, wo sich die einstige Müllkippe der Stadt befindet. Doch auch der Vor-Ort-Termin mit Umweltamtschefin Carola Nitz und Forstamtsleiter Ingo Nadler – die Behörde in Gädebehn ist zuständig, da das Areal der Forst gehört – brachte wenig Konkretes. Derzeit weiß keiner so genau, welches Gefahrenpotenzial nur 150 Meter vom Ufer des Schweriner Sees entfernt schlummert.

Jetzt haben das städtische Umweltamt und das Forstamt Gädebehn als Verwalter der Fläche ein Monitoring-Programm vereinbart. Fünf Jahre lang sollen in einem bestimmten Rhythmus an 15 Messstellen Proben genommen und analysiert werden. Erst dann können weitere Schritte festgelegt werden. Derzeit ist nur bekannt: Aus der Deponie sickern Schwermetalle, Mineralölprodukte Salze, Chloride, Pestizide und anderes. Alles noch in tolerierbaren Mengen. Doch ob das wirklich ungefährlich für den Schweriner See ist, wird sich vermutlich erst in ein paar Jahren herausstellen.

Trotz der knappen städtischen Kassen und der so genannten vorläufigen Haushaltsführung, die Ausgaben einschränkt, steht das Geld für genauere Untersuchungen jetzt bereit. Grundwasser- und Oberflächenwassermonitoring heißt das Vorhaben, das in den kommenden beiden Monaten genauere Auskünfte über die unbekannte Gefahr aus der Tiefe geben soll. Eigentlich dürfte es keine bedrohlichen Werte geben. Denn auf dem Papier handelt es sich in der 150 Meter vom Schweriner See genutzten Anlage um eine reine Hausmülldeponie. Doch was zu DDR-Zeiten zwischen 1957 und 1976 tatsächlich dort gelandet ist, vermag heute niemand zu sagen. Denn neben den Abfällen aus den Schweriner Haushalten wurden Bauschutt, Industrie- und Gewerbemüll mit umweltgefährdenden Stoffen sowie Abfälle der ehemaligen Sowjetarmee in Schelfwerder verkippt. Und nach der Schließung wurden bis 1989 dort zusätzlich Fäkalien abgeladen. Dass jetzt die Stadt mit dem Ingenieurbüro zusammenarbeitet, das die Nachfolgedeponie in Stralendorf bereits erfolgreich saniert hat, ist ein gutes Zeichen. Die Experten haben bewiesen, dass sie mit unvorhersehbaren Funden gut umgehen können.

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