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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 22:51 Uhr

Umstrittene Konzerte künftig absagen?

vom

svz.de von
erstellt am 15.Apr.2013 | 05:17 Uhr

Schwerin | Der Auftritt der umstrittenen Band "Frei.Wild" am Sonnabend spaltet Schwerin. "Ich war etwas enttäuscht von Schwerin, dass das Konzert genehmigt wurde. Ihre Songs neigen dazu, dass die rechte Szene sie ,feiert ", kommentiert Leonora Loewenzahn auf Facebook. Wenn es sich nicht um "knallhart" indizierte Musik handeln würde, "geht im Zweifel Kunst vor Verbot", sagt SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Zischke. Fakt ist: Der Verfassungsschutz sieht "Frei.Wild" beim Thema Rechtsradikalismus als "kein Beobachtungsobjekt". Fest steht aber auch: Rund um das "Frei.Wild"-Konzert hat es auffällig viele Unruhen in Schwerin gegeben. Die Polizei leitete 15 Ermittlungsverfahren ein, davon vier wegen Körperverletzung. Der Nahverkehr beklagt drei komplett zerstörte Haltestellenhäuschen an den Stationen Platz der Freiheit und Gartenstadt. Das sei auffällig, "weil es in diesem Ausmaß noch nie vorgekommen ist", sagt Geschäftsführer Norbert Klatt. In direkten Zusammenhang mit den "Frei.Wild"-Fans möchte er das aber nicht stellen.

"Die Begleitumstände von Großveranstaltungen sind in Deutschland identisch: alkoholeinflussbedingte Prügeleien, Diebstähle, Pöbeleien, mitunter demolierte Autos oder Scheiben. Dabei ist es egal ob ,Frei.Wild, die Toten Hosen, Hansa Rostock oder sonst wer zum Event gerufen hat. Die Besucher des Konzerts wollten einfach einen schönen Abend haben, abrocken, mitsingen", schreibt Dirk Markhoff aus Sukow.

Wie weit können Stadt, Politik und Polizei Einfluss auf umstrittene Veranstaltungen nehmen? "Die Stadt hat als Programmmacher direkten Einfluss auf Veranstaltungen im Schleswig-Holstein-Haus, aber nicht auf Konzerte in der Sport- und Kongresshalle", sagt Stadtsprecherin Michaela Christen. Die Event-Halle gehört zwar Schwerin, die Stadt hat die Betreibung allerdings komplett an die Lambrechtsgrund Betriebsgesellschaft mbH und deren Partner, die CM Concert & Management GmbH, abgetreten. "Die Kernkompetenz einer Kommune liegt nicht im kommerziellen Betrieb von Sport- und Veranstaltungsstätten", teilt die Stadtverwaltung mit. Zwar bezuschusse die Landeshauptstadt den Betrieb mit rund 1,6 Millionen Euro jährlich, allerdings sei hier der Betreiber auch Programmmacher. Im Falle des "Frei.Wild"-Konzertes wiederum hatte der Betreiber die Sport- und Kongresshalle an den Münchener Veranstalter "Rookies & Kings" quasi vermietet. Deshalb verweist Hallengeschäftsführerin Petra Blunk auch auf die Agentur der Band. Für die öffentliche Ordnung und Sicherheit im Stadtgebiet ist allerdings die Polizei verantwortlich. "Die Beamten haben die letzte Entscheidung zu treffen", sagt Thomas Zischke. "Die Politik kann nicht entscheiden, ob missliebige Konzerte verboten werden."

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