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Schwerin: "Zoo mit Blubb" : Umbaukonzept: 40 Millionen Euro

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Im Zoo brennt die Luft: Zu wenig Besucher, zu wenig Einnahmen, Liquiditätsprobleme, Investitionsstau. Zoodirektorin Dr. Monika Häfner und der Aufsichtsrat suchen den rettenden Strohhalm bei externen Ratgebern.

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erstellt am 30.Sep.2013 | 11:22 Uhr

Schwerin | Im Zoo brennt die Luft: Zu wenig Besucher, zu wenig Einnahmen, Liquiditätsprobleme, Investitionsstau. Zoodirektorin Dr. Monika Häfner und der Aufsichtsrat suchen den rettenden Strohhalm bei externen Ratgebern und haben ein Zukunftskonzept in Auftrag gegeben. Das stellte Eckhard Wiesenthal, Inhaber der gleichnamigen Tiergartengestaltungsfirma, nun der Kommunal politik und dem Freundeskreis vor. "Mit attraktiver Neugestaltung geht der Schweriner Zoo in eine neue Ära", prognostizierte Wiesenthal.

Im Kern sieht sein Konzept einen kompletten Umbau des Areals und eine Ausweitung sogar bis in den Schweriner See hinein vor. Der Franzosenweg soll untertunnelt werden, damit die Zoobesucher tatsächlich in den See gelangen können, wo ein großer Blubb wie eine große begehbare Blase im und auf dem Wasser thront. Das soll das neue Wahrzeichen des Zoos werden. Weitere Millionen-Investition: eine zwei Fußballfelder große Voliere für Wasservögel.

Die Tiergehege selbst sollen neu strukturiert und größtenteils neu gebaut werden. Damit soll die bereits eingeleitete Präsentation der Tiere nach Kontinenten konsequent fortgeführt werden: Afrika am Haupteingang, wo nach dem neuen Konzept der brüllende Löwe ein zusätzliches Lockmittel wäre. Daneben soll eine gemeinsame Großfläche für die anderen Afrika-Tiere inklusive eines neuen Giraffenhauses entstehen. Teil zwei dahinter zeigt den eurasischen Doppelkontinent mit Bären, Tigern, Wölfen, Wisenten und vielen einheimischen Tierarten. Dafür wird der zum Zoo gehörende Wald am Waldschulweg bis runter zum Franzosenweg erschlossen. Thematische Teile in diesem Bereich sind der Zoo für wasserliebende einheimische Säugetiere wie Biber, Otter, Waschbär oder Kanalratte sowie der Zoo unter der Erde mit begehbaren Tunneln zu Fuchs, Dachs, Hamster. In der Nähe des Zooschänke wird der Südamerika-Bereich angesiedelt, Australien bleibt klein links neben dem Haupteingang. Im Zentrum soll die einheimische Wasservogellandschaft aufgewertet werden durch die 1,8 Hektar große Voliere und ein Amphie-Theater am Hexenberg, in dem Falkner und Tiertrainer Schauvorführungen mit diversen Vogelarten präsentieren. Flankierend sieht Wiesenthals Konzept den Ausbau des Streichelzoos, der Gastronomie und des Souvenir-Verkaufs sowie weitere thematische Kinderspielplätze vor.

Den Umbau hat der Tiergartengestalter auf zehn Jahre konzipiert, untergliedert in mehrere Etappen. Kosten soll der neue "Zoo mit Blubb" knapp 40 Millionen Euro. Die Finanzierung sieht Wiesenthal als "durchaus realistisch" an. Bei 75-prozentiger Förderung werde der Zoo schon nach fünf Jahren in der Erfolgsspur sein und mit einer Eintrittspreis erhöhung um etwa 3,50 Euro und einer Besuchersteigerung von derzeit 130 000 jährlich auf zunächst 200 000 und in zehn Jahren auf 250 000 sei auch der höhere Kapitaldienst kein Problem. Derzeit sind das etwa 200 000 Euro, nach dem Umbau wären es 2,5 Millionen Euro pro Jahr.

Die Zoodirektorin zeigte sich optimistisch: "Wir brauchen die Weiterentwicklung und wir müssen ohnehin umbauen wegen neuer gesetzlicher Bestimmungen für die Säugetierhaltung. Die Alternative zu diesem Zukunftskonzept wäre ein Rückbau", betonte Dr. Häfner.

Ganz so euphorisch bewerteten die Kommunalpolitiker Wiesenthals Machbarkeitsstudie indes nicht. SPD-Frak tionschef Daniel Meslien beispielsweise hinterfragte dezidiert die Finanzierung. Das Landesförderinstitut wollte keine Aussage zur möglichen Förderhöhe machen. Ilka Wilczek riet, zunächst mit der Tourismusbranche zu beraten, ob eine Verdopplung der Besucherzahlen realistisch sei. Zoo-Aufsichtsratschef Jürgen Friedrich indes stellte sich hinter das Konzept: "Angesichts des Investitionsdrucks wäre dies eine gute Chance, den Zoo weiterzuentwickeln. Wir sollten den Schritt nach vorn wagen", so Friedrich.

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