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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. Oktober 2017 | 20:28 Uhr

Vorsicht: Kamera : Überwachung total in Schwerin

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

An vielen Orten in der Stadt werden die Bürger mit Kameras beobachtet – dadurch sollen Sicherheit und Ordnung verbessert werden

von
erstellt am 02.Feb.2015 | 21:15 Uhr

Die Überwachung und Bespitzelung der Bürger durch die amerikanische NSA und andere Geheimdienste wird seit den Enthüllungen von Edward Snowden heftig diskutiert – und verurteilt. Dass aber die Schweriner nahezu überall in der Stadt mit Videotechnik beobachtet werden, ist dagegen kaum im Bewusstsein. Dabei hängen an vielen Orten in der Stadt Kameras. In der Post am Marienplatz, in den Sparkassenfilialen, an Geldautomaten, in Supermärkten und Einkaufszentren, an Restauranteingängen und selbst an Privathäusern in der Innenstadt – Kameras sind allgegenwärtig.

Jüngstes Beispiel ist die neue Schwimmhalle auf dem Großen Dreesch. Der Außenbereich und das Innere vor den Umkleidekabinen werden überwacht. „Der Fokus der Überwachung liegt auf der Prävention und Verhinderung von Einbrüchen“, heißt es dazu im Betriebskonzept. Mit vier Kameras wird die Fassade beobachtet. Allerdings, so ist festgelegt, nur ein ein Meter breiter Streifen von der Hallenwand aus gemessen. Und: „Eine Aufzeichnung erfolgt nur im Gefahrenfall bzw. wenn die Schwimmhalle personell nicht besetzt ist.“ Die Innenüberwachung wird nur eingeschaltet, wenn wirklich etwas passiert. Dann muss ein Mitarbeiter auf den Auslöseknopf drücken.

Anders in den Straßenbahnen und Bussen des Nahverkehrs. In allen Fahrzeugen laufen die Videokameras permanent. Die Aufzeichnungen werden aber nur zwei Tage lang aufgehoben und dann überschrieben. Auch hier das Ziel: Straftaten sollen dokumentiert werden. Und die Kameras sollen abschreckend wirken. Nach Angaben des Nahverkehrs mit Erfolg – es gibt kaum Vandalismusschäden in Bussen und Bahnen. Und die Fahrgäste fühlen sich sicherer. Hinzu kommt, dass im Falle von Straftaten die Arbeit der Polizei mit den Aufnahmen unterstützt werden kann. Denn auf den Bildern sind die Gesichter der Täter zu erkennen.

Anders auf den vom Nahverkehr bewirtschafteten Parkplätzen an der Grünen Straße, neben dem Marstall, am Bahnhof und am Jägerweg. Auch die sind alle videoüberwacht. Gesichter oder gar Nummernschilder sind auf den Aufnahmen allerdings nicht zu erkennen. Dazu sind die Kameras viel zu weit weg vom Geschehen. An der Grünen Straße beispielsweise sind sie auf hohen Masten installiert. Aber in der Leitstelle des Nahverkehrs sind die Bilder direkt zu verfolgen. Wenn etwas passiert, kann sofort die Polizei gerufen werden. Kommt ein Autofahrer wegen eines Parkplatzremplers allerdings erst nach einigen Tagen zum Nahverkehr, um eventuell den vermeintlichen Täter zu identifizieren, ist das zu spät. Auch die Parkplatzaufnahmen werden nach kurzer Zeit überschrieben und sind dann verloren.

Außerdem werden Bilder von öffentlichen Plätzen in Schwerin sogar weltweit live übertragen. An einem Straßenlampenmast auf dem Alten Garten bietet eine Kamera einen permanenten Rundumblick von der Staatskanzlei bis zum Schloss. Vom Hauptturm des Schlosses selbst werden der Burggarten, der Schweriner See, der Schlossgarten, der Burgsee und die Altstadt gezeigt. Und vom Alten Palais aus ist der Haupteingang des Landtagssitzes zu sehen.

Doch nicht alles, was wie eine Kamera aussieht, filmt tatsächlich. Eine Gastronomin versicherte, dass die Apparate vor ihrem Restaurant nicht liefen. Und die weithin sichtbare Kamera auf dem Dach des Technologie- und Gewerbezentrums in der Hagenower Straße ist auch schon lange abgeschaltet. Mit ihr hat ein IT-Unternehmen einst ein Bilderkennungssystem erprobt. Das Projekt ist beendet – bisher hat sich aber noch keiner gefunden, der aufs Dach steigt und den grauen Kasten abbaut.

 

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