Schwerins Gesichter : Über Verluste und neue Freiheiten

Einander zuhören, die Sorgen und Sichtweisen des anderen besser verstehen – das ist das Ziel des Projekts „Lebensreise“, bei dem Kinder und Senioren mitmachen.
Einander zuhören, die Sorgen und Sichtweisen des anderen besser verstehen – das ist das Ziel des Projekts „Lebensreise“, bei dem Kinder und Senioren mitmachen.

In der Weststadt startet Projekt zum Älterwerden: Kinder, Jugendliche und Senioren reden, malen und lernen einander besser kennen.

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05. Februar 2018, 05:00 Uhr

Älter werden – was bedeutet das eigentlich? Schmerzende Gelenke, Vergesslichkeit, Herzprobleme, immer neue Verluste? Kann man einfach nicht mehr mithalten mit der schnellen, jungen Welt – oder gewinnt man Erfahrungen, Schätze, neue Freiheiten und Einsichten? Können Jüngere davon profitieren? Das sind nur einige der Fragen, die aktuell die Bewohner der Weststadt beschäftigen sollen. Sie gehören zum Projekt „Lebensreise“, das Quartiersmanagerin Petra Haacke gemeinsam mit der Gemeindepädagogin der Bernogemeinde, Constanze Buck, angeschoben hat. Kinder, Jugendliche und Senioren beschäftigen sich dabei mit ihren Vorstellungen zum Thema Älterwerden in der Weststadt. Eine erste Gesprächsrunde gab es schon, jetzt geht es um Malen, Fotografieren oder Schreiben. „Wir haben Ausdrucksformen gesucht, die über die Sprache hinausgehen“, sagt Constanze Buck. Gefühle ließen sich nämlich manchmal schwer in Worte fassen. In der Kita „Gänseblümchen“ macht sie Malangebote und bemerke immer wieder, wie gut man per Farbe, Stift und Papier kommunizieren kann.

Ziel der Aktion ist es, am 25. Mai eine Ausstellung über Lebenswege in der Weststadt zu präsentieren. Zuerst im Nachbarschaftstreff von „Hand in Hand“, anschließend soll sie durch den Stadtteil wandern und zu Gesprächen anregen. Mit im Boot sind inzwischen die Bernogemeinde, die Kita „Gänseblümchen“, der Nachbarschaftstreff, der Westclub „One“, das „Haus Weststadt“ und beim Goethegymnasium hat Petra Haacke angefragt.

Was sie in ihrem ersten und hoch gelobten Jahr als Quartiersmanagerin gelernt hat: In der Weststadt muss man den älteren Menschen Zeit geben, sich zu öffnen. „Einige haben schlechte Erfahrungen gemacht, sie brauchen lange, um anderen zu vertrauen.“ Und sie brauchen Menschen wie Petra Haacke, die mit Geduld, Verständnis und Engagement für die junge Generation wirbt und der älteren erklärt, dass auch junge Familien ihre speziellen Sorge und Nöte haben. „Mangelnder Hausputz, ein ungepflegter Garten oder Gespräche beim Essen sind etwas, was viele Senioren nicht verstehen können“, sagt sie. Dann erzählt sie den Senioren vom Erwerbsleben heute, von langen Arbeitszeiten und dem zweiten Einkommen, das viele Familien brauchen. „Da fehlt oft die Zeit, das Unkraut zu zupfen. Da verbringen Eltern lieber die wenige Freizeit mit ihren Kindern. Und reden beim Abendessen, weil das oft die einzige Zeit ist, in der die Familie beisammen ist.“ Bei vielen Weststädtern hat Petra Haacke durch ihre kommunikative Art eine Vertrauensbasis geschaffen und zum Nachdenken angeregt darüber, ob alte, bewährte Regeln heute vielleicht neu überdacht, neu ausgearbeitet werden müssen. Sie hofft, dass sich alle Generationen im Quartier bald mit mehr Verständnis und Respekt begegnen. Denn auch Jugendliche stünden vor Umbrüchen, die mit dem Älterwerden einhergehen: „Welchen Beruf ergreife ich? In welcher Stadt werde ich leben? Werde ich eine Familie gründen?“ Fragen, die in Gesprächen mit Älteren vielleicht zu neuen Antworten führen.

Wer mitmachen möchte beim Projekt Lebensreise, kann sich an Petra Haacke wenden, die ihr Büro im Nachbarschaftstreff in der Lessingstraße 26A hat. An der Tür stehen Öffnungszeiten, Gruppentermine und Einladungen zu Treffs. Außerdem ist Petra Haacke im Stadtteil inzwischen bestens vernetzt. Wer also einen Schachpartner, eine Nordic-Walking-Gruppe oder Seniorengymnastik sucht – die Quartiersmanagerin weiß fast immer, wo der nächste Ansprechpartner zu finden ist.

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