Dubiose Mail-Anhänge legen Computer lahm : Trojaner gefährden Schwerins PCs

<strong>Das Öffnen einer E-Mail</strong> von einem unbekannten Absender kann den Computer lahm legen und das dürfte, wie in dieser  nachgestellten Szene, Kopfschmerzen bereiten. <foto>Weber</foto>
Das Öffnen einer E-Mail von einem unbekannten Absender kann den Computer lahm legen und das dürfte, wie in dieser nachgestellten Szene, Kopfschmerzen bereiten. Weber

Rainer Blumenthal traute seinen Augen nicht: 817 Euro sollte er bezahlen, weil angeblich die Lizenz für seine Software abgelaufen war. So stand es in der E-Mail, die der Schweriner in seinem elektronischen Postfach fand.

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26. Juli 2012, 06:48 Uhr

Schwerin | Rainer Blumenthal traute seinen Augen nicht: 817 Euro sollte er bezahlen, weil angeblich die Lizenz für seine Software abgelaufen war. So stand es in einer E-Mail, die der Schweriner in seinem elektronischen Briefkasten fand. Im Anhang der Mail: eine mysteriöse zip-Datei. "Mir kam die Sache gleich seltsam vor", sagt Blumenthal. Deshalb habe er auch versucht, die ungebetene Post aus seiner Mailbox zu entfernen. Dabei sei jedoch die zip-Datei aufgegangen. Das Ergebnis: "Mein gesamter Rechner war von einem Moment auf den anderen blockiert", berichtet Blumenthal. Gegen die Zahlung einer Gebühr würde die Verschlüsselung wieder aufgehoben, hieß es in einem Fenster auf dem PC-Bildschirm. Blumenthal ließ sich aber nicht auf den Handel ein. Er spielte selbst alle seine Programme wieder auf den Computer auf.

Drei weitere Mails ähnlichen Inhalts hat Rainer Blumenthal mittlerweile bekommen. In unsicherem Deutsch wurde ihm unter anderem mitgeteilt, er habe eine frei erfundene Bestellung im Wert von mehr als 400 Euro nicht bezahlt. "Auch an jeder der neuen Mails klebte ein Anhang mit einer zip-Datei", erzählt der Schweriner. Er hat sich inzwischen bei Experten informiert. "Ich kann jedem nur empfehlen, verdächtige Mails sofort zu löschen."

Tatsächlich steht Blumenthal mit seinem Problem längst nicht allein. Die "Trojaner", wie die gefährlichen Mail-Anhänge im Computer-Jargon genannt werden, machen auch noch anderen Schwerinern zu schaffen. "Wir erhalten regelmäßig Anzeigen von Geschädigten", sagt Sylvio Gode, Leiter des Sachgebietes Betrug bei der Schweriner Kriminalpolizei. Die Täter würden vermutlich vom Ausland aus operieren. "Unsere Ermittlungen gestalten sich daher außerordentlich schwierig", erklärt Gode. Auch er appelliert an alle Betroffenen, sehr vorsichtig zu sein, Mails von unbekannten Absendern möglichst nicht zu öffnen und auf fragwürdige Zahlungsaufforderungen nicht einzugehen. "Eine Geldleistung führt garantiert nicht zu einer Entsperrung des Computers", so der Kripo-Sachgebietsleiter.

Zur allergrößten Vorsicht rät auch die Sprecherin der Schweriner Verbraucherzentrale, Cornelia Nagel. Die Internetkriminalität habe momentan Konjunktur, nehme immer neue Formen an, schildert sie. "Bei uns melden sich jeden Tag bestimmt mindestens zwei Betroffene." Die Mails mit den riskanten zip-Dateien in den Anhängen stammten größtenteils von kryptischen Absenderadressen, so Nagel. "Wer sich dahinter verbirgt, ist nicht zu erkennen." Meistens würden die Verbraucher aufgefordert, die Rechnungen für irgendwelche Bestellungen zu begleichen. Dabei nutzten die Betrüger mitunter sogar die Namen von renommierten Versandhäusern. Teilweise hätten die dubiosen Mails aber auch ein amtliches Aussehen. So sei etwa erst jüngst Empfängern eine Steuerrückerstattung avisiert worden. "Solche Mails sollte man am besten gleich löschen", betont die Verbraucherschützerin. Ausdrücklich warnt auch sie davor, eventuelle Anhänge zu öffnen. Für die Betroffenen bestehe nicht nur die Gefahr, sich ein Virus einzufangen, das den Rechner lahm lege. Trojaner könnten auch Programme transportieren, die Daten auf dem PC ausspähten, erläutert Nagel.

Rainer Blumenthal kann dem Ärger um Mails und Trojaner aber immerhin noch einen positiven Effekt abgewinnen: "Durch das neue Aufspielen der Programme und Aufräumen der Festplatte läuft mein Rechner jetzt schneller."

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