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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 13:36 Uhr

Groß Trebbow : Trocken-Kur für Trebbower Kirche

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zu viel Feuchtigkeit im Innenraum und Cesar-Platten, die nicht atmen: Kurz vor Ende der Bauzeit bekommt der Gotikbau seinen Feinschliff

von
erstellt am 17.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Die Bauzeit an und in der Dorfkirche von Groß Trebbow neigt sich ihrem Ende zu. Bis zum 5.    November müssen die Kirchenbänke wieder an ihren gewohnten Plätzen stehen, damit die Besucher von Gottesdienst und Orgelkonzert Platz nehmen können. Derzeit bringen die Fachleute von der Holzgestaltungs-Firma Grimm aus Groß Wokern bei Teterow die Bänke in Form. Denn dem Gestühl hatte nicht nur der Zahn der Zeit zugesetzt, sondern vor allem die Nässe. „Die Bänke an der Wand haben besonders gelitten“, erzählt Rainer Kloth vom Kirchengemeinderat. Aber auch die Verankerungen im Fußboden waren zum Teil verrottet. Nun klafft zwischen dem restaurierten Gestühl und den Außenwänden ein kleiner Zwischenraum, und die Bänke stehen auf einem neuen Fußboden. Alles dient einem Ziel: „Wir müssen die Luftfeuchtigkeit in der Kirche reduzieren“, so Kloth. Denn die war in den gotischem Bauwerk sehr hoch. Neben dem Gestühl litten auch die Friese-Orgel und der Altar.

Schuld daran waren aber nicht die Baumeister aus dem 14. Jahrhundert, sondern die Veränderungen im Laufe der Zeit. So wuchs der Friedhof rund um die Kirche auch in die Höhe, das Regenwasser konnte nicht mehr ablaufen, strömte sogar zur Kirche. Bereits vor Jahren wurde rund um die Kirche Erdreich angetragen und eine Traufkante mit Feldsteinen angelegt. Diese brachte nicht den erhofften Effekt. Das Mauerwerk blieb nass, das Kircheninnere feucht. Nun kam eine eine Lehmpackung ans Mauerwerk und Schotter darauf. „Bei den kleinen Steinen ist auch die Gefahr durch Spritzwasser deutlich geringer“, erläutert Kloth.

Doch auch in der Kirche musste etwas getan werden. Und auch hier spielen Steine eine entscheidende Rolle: Der Fußboden-Belag wurde immer wieder verändert. Die noch im Altar-Bereich zu findenden Cesar-Platten wurden vermutlich in den 1920er-Jahren verlegt, schätzt Kloth. Diese Fliesen glänzen zwar schön, doch sie atmen nicht, sprich sie nehmen keine Luftfeuchtigkeit auf. Der neue Fußboden unter dem Gestühl besteht aus handgebrannten Ziegeln. Um die zu verlegen, mussten die Bauleute der Schweriner Firma Gabler zuvor in die Tiefe und zugleich auf Zeitreise gehen. Dabei kam so manches Fundstück (SVZ berichtete), aber auch Ziegel aus dem 18. Jahrhundert ans Licht. „Damals hat unsere Kirche wohl auch erstmals ein Gestühl bekommen“, erzählt Rainer Kloth. Ein kleines, begehbares Fenster im Zwischengang wird diesen Blick in die Historie dauerhaft erlauben.

Nach dem Abschluss der Arbeiten in diesem Jahr ist längst nicht alles fertig. Denn im Altarbereich besteht der Fußboden weiterhin aus Cesar-Platten. Die sollen im kommenden Jahr verschwinden, auch dort werden Ziegel verlegt, kündigt Kloth an. Zwei Cesar-Platten möchte er erhalten und ausstellen.

Insgesamt steckt die Kirchengemeinde knapp 100  000 Euro in diese Trockenlegung der Dorfkirche. Etwa ein Viertel der Geldes stammt vom Förderverein, in dem sich Rainer Kloth ebenfalls engagiert. Und dass diese Arbeiten erfolgreich sind, können die Trebbower sogar messen: Vor knapp zwei Jahren wurde ein Messgerät in der Kirche aufgestellt. Anfangs zeigte es eine Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent und mehr an. Derzeit ist der Wert immer noch hoch, aber er liegt bereits zwischen 70 und 80 Prozent.

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