Schweriner Müll : Trinkwasser-Schutz wird teurer

Die alten Gewächshäuser auf dem Finkenkamp kamen als erstes weg – insgesamt sind für die Deponiesicherung nun mehr als drei Millionen Euro vorgesehen – 800 000 mehr als geplant.
Die alten Gewächshäuser auf dem Finkenkamp kamen als erstes weg – insgesamt sind für die Deponiesicherung nun mehr als drei Millionen Euro vorgesehen – 800 000 mehr als geplant.

Sanierung der alten Mülldeponie Finkenkamp in Neumühle kostet rund 800 000 Euro mehr als ursprünglich geplant

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21. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Die Sicherung der alten Mülldeponie am Finkenkamp in Neumühle wird erheblich teurer als geschätzt. Statt der ursprünglich kalkulierten 2,4 Millionen soll die Maßnahme nun rund 3,2 Millionen Euro kosten. Die Verwaltung, die diesen Fakt jetzt der Politik mitteilte, reagiert gelassen. Die Hälfte der Mehrkosten würde das Land tragen. Entsprechende Signale gäbe es bereits. Und die andere Hälfte könne über Rückstellungen und bereits geleistete Zahlungen in der Vergangenheit gedeckt werden. Kaufmännische Finessen, die nicht gleich jeder Stadtvertreter verstand – der Hauptausschuss gab die Auseinandersetzung mit den Mehrkosten schnell an den Finanzausschuss weiter.

Die Sanierung der alten Hausmülldeponie, die vor allem zwischen 1930 und 1960 genutzt wurde, steht schon seit mehreren Jahren auf der Dringlichkeitsliste der Stadt. Das rund 4,3 Hektar große Gelände liegt nämlich im Wasserschutzgebiet unweit der Förderbrunnen für das Wasserwerk Neumühle. Das versorgt mit dem Wasserwerk Pinnow die Schweriner mit Trinkwasser. Bereits 2011 wurde von der städtischen Wassergesellschaft eine Risikoabschätzung in Auftrag gegegeben: Bor, Sulfate, Blei, Arsen und andere gefährliche Stoffe werden ausgeschwemmt. Inzwischen wurde einer der Brunnen stillgelegt. Eine akute Gefahr für das Wasserwerk Neumühle bestehe aber noch nicht, hatten Experten immer wieder versichert. 2013 beschloss die Stadtvertretung eine „schnellstmögliche Sanierung“, 2014 wurde sie via Eilentscheidung auf den Weg gebracht. Doch die Verwaltungsmühlen mahlten langsam: Die nutzbare Baugenehmigung wurde erst im Dezember 2016 erteilt, die beschränkte Ausschreibung begann im März 2017, das Vergabeverfahren wurde im Juli abgeschlossen. Die Bauarbeiten starteten im August. Zunächst wurde die alte Gärtnerei abgerissen, dann begann die Verlagerung des Abfalls im nördlichen und westlichen Bereich. Dabei stellte sich heraus, dass mehr als die geplanten 40 000 Kubikmeter Müll weggebaggert, auf einen etwa acht Meter hohen Abfallberg umgelagert und professionell abgedeckt werden müssen. Das ist nur einer der Faktoren, die für die steigenden Kosten verantwortlich ist. 140 000 Euro teurer wurden die Zufahrten. Auch der Anwohnerschutz für drei Parteien, die im Gebiet wohnen, verschlingt einiges. „Wir haben Schallschutz- und Staubmessungen vorgenommen, um jede Gefährdung auszuschließen“, sagt Stefan Schlick vom Zentralen Gebäudemanagement. Aktuell ruhen die Wrbeiten wegen des Wetters. Bis März sollen Umlagerung und Abdeckung des Müllberges abgeschlossen sein, danach wird eine Schutzschicht fürs Grundwasser errichtet. Geplantes Bauende: November 2018.

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