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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. November 2017 | 06:52 Uhr

Hohe Hürde : Treppe stoppt Rollstuhl

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Rentner-Ehepaar aus der Weststadt wünscht sich einen Lift für seinen behinderten Sohn - SWG prüft

svz.de von
erstellt am 07.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Es sind nur sieben Stufen, aber diese Stufen bringen Walter und Ingrid Jürß um den Schlaf. Seit 1970 lebt das Rentner-Ehepaar in einer Hochparterre-Wohnung in der Johannes-R.-Becher-Straße in der Weststadt. Dort ist auch Sohn Ulf aufgewachsen. Der heute 49-Jährige ist schwerst mehrfach behindert, auf einen Rollstuhl angewiesen. Und da beginnt das Problem der Familie.

„Unser Sohn hat ein Zimmer in einem Wohnheim auf dem Dreesch, aber am Wochenende holen wir ihn immer zu uns, um die Verbindung zum Elternhaus nicht abreißen zu lassen“, erzählt Walter Jürß. Gemeinsam mit seiner Frau trage er dann den Rollstuhl mit seinem Sohn die sieben Stufen im Treppenhaus herauf und später auch wieder herunter.

Rund 80 Kilogramm wiegen Sohn und Rollstuhl – und Walter und Ingrid Jürß kommen langsam an ihre körperlichen Grenzen: „Ich bin 81 Jahre alt, meine Frau ist 77“, sagt Jürß. „Lange können wir den Rollstuhl nicht mehr heben. Wie es dann weitergehen soll, wissen wir nicht.“

Was Jürß jetzt in Rage bringt: Die Krankenkasse habe mitgeteilt, dass sie eine weitere Reparatur des Rollstuhls nicht mehr übernehmen werde. Zweimal sei der Schiebebügel am Stuhl in diesem Jahr auf Kosten der Kasse schon überholt worden, berichtet der Rentner. „Nun wurden wir an unsere Sorgfaltspflicht erinnert. Das ist ja wohl ein Ding.“ Die Krankenkasse unterstelle, dass der Rollstuhl unter dem Transport auf den Treppenstufen zur Wohnung leide, schildert Jürß. Genauso gut könne ein Schaden aber auch auf andere Weise entstehen. Schließlich sei Sohn Ulf ja unter der Woche nicht zu Hause.

Für Walter Jürß ist klar: „Letztlich kann nur ein Lift unser Problem lösen.“ Freilich wohnt der Weststädter nicht in einem Eigenheim, sondern in einer Mietwohnung in einem Mehrfamilienhaus. „Wir können nicht einfach so einen Fahrstuhl einbauen lassen“, erklärt Jürß.

Der 81-Jährige hat deshalb auch schon Kontakt zu seinem Vermieter, der Schweriner Wohnungsbaugenossenschaft (SWG), aufgenommen. Durch den Einbau eines Treppenlifts könne die SWG seine Wohnung ja dauerhaft als barrierefrei vermieten, sagt Jürß. Doch die SWG habe ihm ein anderes Angebot gemacht, nämlich in eine Erdgeschoss-Wohnung in einem anderem Stadtteil umziehen. „Aber wir wollen nicht weg aus der Weststadt – auch wegen Ulf. Die Nachbarn kennen ihn seit seiner Kindheit, geben ihm viel Zuwendung“, so Jürß.

Rund 6000 Euro koste der Einbau eines gebrauchten Treppenlifts, berichtet der Weststädter. Etwa 2500 Euro wolle die Pflegekasse dazugeben. „Wenn sich auch die SWG beteiligt, könnte das Projekt verwirklicht werden“, rechnet Jürß vor. SWG-Vorstandsvorsitzende Margitta Schumann will die Angelegenheit nun zur Chefsache machen. „Wir werden die Sache noch einmal prüfen“, sagt sie auf SVZ-Anfrage. In anderen Fällen sei die SWG Mietern schon entgegengekommen, allerdings müssten die technischen Voraussetzungen stimmen, so Schumann.

 

 

 

 

 

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