Brüsewitz : Treffpunkt zwischen Buchregalen

Plausch nach der Lesung: Sonja Voß-Scharfenberg im Gespräch mit dem Gymnasiasten Steve Mattes Herbers  Fotos: Jentsch (2)
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Plausch nach der Lesung: Sonja Voß-Scharfenberg im Gespräch mit dem Gymnasiasten Steve Mattes Herbers Fotos: Jentsch (2)

Brüsewitzer machen aus der kleinen Schul- eine Gemeindebibliothek – Autorin Sonja Voß-Scharfenberg als erster Vorlese-Gast

Von Sach- und Kinderliteratur bis hin zu Romanen, Spielen und DVDs – all das finden Lesehungrige in der Brüsewitzer Bibliothek. „Wir haben so um die 1850 Bücher und Zeitschriften für Kinder und Erwachsene. Einen Teil spendeten Einwohner, doch die meisten Bücher leihen wir uns im Kreismedienzentrum Grevesmühlen aus“, erzählt Bärbel Wagnitz. Sie ist seit fünf Jahren ehrenamtliche Bibliothekarin, zunächst in der kleinen Schulbücherei, seit Mai in der neuen Gemeindebibliothek in der Schule. Beim Stöbern zwischen den Bücherregalen bietet Bärbel Wagnitz auf Wunsch eine Tasse Kaffee an. Die Öffnungszeiten sind dienstags von 10 bis 11 Uhr sowie donnerstags von 18 bis 19 Uhr.

Die Gemeinde Brüsewitz ist mit mehr als 2300 Einwohnern die größte im Amtsbereich Lützow-Lübstorf. Bis Ende 2013 kam der Bücherbus ins Dorf. Doch auf Beschluss des Kreistages Nordwestmecklenburg wurde die 1992 in Dienst gestellte Fahrbücherei stillgelegt. Grund dafür waren knappe Kassen und eine rückläufige Zahl von Kommunen, die das Angebot nutzten.

Die Gemeinde Brüsewitz wollte aber nicht nur Kinder zum Lesen animieren, sondern auch den Erwachsenen einen Treffpunkt und Leseort bieten. Bürgermeister Manfred Dutz schlug daher der Gemeindevertretung vor, das Geld, das Brüsewitz zuvor für den Bücherbus ausgab, für die Erweiterung Bibliothek zu nutzen. End Mai wurde diese eingeweiht. Der große, helle Raum in der Schule wird nun auch für Veranstaltungen im kleinen Kreis genutzt.

Erstmals gab es hier jetzt auch eine Lesung mit einer Autorin. Sonja Voß-Scharfenberg zitierte aus ihren Werken „Max und Moritz – Im neuen Deutschland“, „Neue Farm der alten Tiere. Ein Märchen!“ sowie „Eisblumen“. Voß-Scharfenberg, Jahrgang 1957, studierte am Institut für Literatur in Leipzig und lebt als freie Schriftstellerin in Schwerin. Als Zuhörer ihrer beeindruckenden Werke wurde einem schnell die Tiefe des Buches „Max und Moritz“ bewusst. Angelehnt an Wilhelm Busch hatte man sich auf freche Streiche eingestellt, doch was folgte war ein in Versen geschriebener Ablauf von Straftaten, durchgeführt von zwei Jugendlichen, die mit der so genannten Freiheit ihre Schwierigkeiten hatten.

Das in diesem Jahr erschienene Buch „Eisblumen“ beeindruckt durch seine ungeblümte Sprache. Das zum größten Teil autobiografische Werk ist ein lebendiges Zeugnis ihres bisherigen Lebens, auch mit Erinnerungen an ihre gescheiterte Ehe.

Nach der Lesung lud die Schriftstellerin zur Diskussionsrunde ein. Auch die neue Bibliothek stand im Mittelpunkt, da gerade in Zeiten der digitalen Nutzung befürchtet wird, dass das Lesen von Büchern immer mehr nachlässt. Steve Mattes Herbers, 15 Jahre alt, hielt dagegen und erzählte von seinem Freundeskreis, in dem das Bücher lesen durchaus noch praktiziert wird. Der Gymnasiast liebt Fantasieromane und greift ab und zu auch mal zum E-Book. Doch ein Buch in der Hand zu halten und Seiten zu blättern, sei für ihn ein besonders schönes Gefühl.



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