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23. November 2017 | 08:48 Uhr

Traumberuf Altenpflegerin

vom

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erstellt am 26.Mär.2012 | 08:32 Uhr

Seehof | Schichtwechsel: Morgens um sechs Uhr trudeln langsam die Mitarbeiterinnen des Wohn- und Pflegezentrums Seehof ein. Die Frühschicht beginnt und löst die Nachtschicht ab. Ein langer Tag steht den Frauen bevor. Katja Eickelberg gehört seit kurzem auch zu ihnen. Seit drei Monaten arbeitet sie im Seehofer Altenheim und fühlt sich wohl dort. Die Kolleginnen sind sympathisch und freundlich. Ihre Arbeit als Altenpflegehelferin ist dennoch eine Herausforderung: Jeder Tag ist anders und jeden Tag passiert etwas Unverhofftes. So auch heute: Die Nachtschicht wird abgelöst, doch es gibt ein personelles Problem, denn eine Kollegin hat sich soeben krank gemeldet. Das bedeutet Stress. Schnell wird zum Telefon hörer gegriffen und eine andere Pflegekraft angerufen, diese springt sofort ein, muss nur noch ihren Sohn in die Kita bringen.

Auch für Katja Eickelberg verändert sich durch diesen Krankheitsfall etwas; die 21-Jährige arbeitet heute anstatt im Erdgeschoss im Untergeschoss. Von all dem Stress bekommen die Senioren im Pflegeheim nichts mit. Die meisten von ihnen schlafen noch oder sind gerade erst aufgewacht. Katja Eickelberg kümmert sich um zehn Bewohner. Grundpflege ist angesagt. Wecken, waschen, beim Anziehen helfen und in den Speisesaal zum Frühstück bringen. Viel Zeit für ein Gespräch bleibt an einigen Tagen dabei nicht. Doch die Senioren freuen sich, wenn die Alt Metelnerin zu ihnen ins Zimmer kommt. "Sie macht das sehr gut", erzählt Elfriede Peters. Die 92-Jährige ist noch ziemlich rüstig, gewaschen hat sie sich bereits, nur beim Anziehen hat sie ihre Schwierigkeiten. Als das erledigt ist, macht Katja Eickelberg der Seniorin noch die Haare. Sie flechtet ihr einen Zopf. "So, Frau Peters, jetzt können Sie auch schon zum Frühstück gehen." Elfriede Peters ist eine von insgesamt 67 Bewohnern im Seehofer Wohn- und Pflegezentrum. Doch jeder ist individuell. "Das ist das Schöne an diesem Beruf. Jeder Mensch ist anders und jeden Tag passiert etwas anderes. Kein Tag gleicht dem anderen", verdeutlicht die 21-jährige Pflegekraft.

Ein schriller Ton erklingt und eine kleine rote Lampe leuchtet am Eingang der Zimmertür auf. Das ist das Zeichen für Katja Eickelberg, dass ein anderer Patient nach ihr geklingelt hat. "Oftmals weiß ich bereits, welcher Bewohner das ist", erklärt die Alt Metelnerin. An den schrillen Ton hat sich die Pflegekraft noch nicht ganz gewöhnt. "Manchmal wache ich nachts auf und höre dieses Klingeln", sagt sie. Doch das rote Leuchten gehört zum Alltag, ebenso Katja Eickelbergs erste Tat, wenn sie ein Patientenzimmer betritt. Ihre Hand geht immer zu einem kleinen Schalter. Diesen drückt sie, so dass eine kleine grüne Lampe leuchtet. "Das ist das Zeichen für meine Kolleginnen. Sie wissen dann immer, in welchem Zimmer und bei welchem Bewohner ich gerade bin." Auch wenn die Zeit gerade morgens nur so davon zu fliegen scheint, bleibt die 21-Jährige ruhig und gelassen.

Seit drei Jahren arbeitet Katja Eickelberg als Altenpflegehelferin. Schwierigkeiten mit ihrem Beruf hatten bislang immer nur die anderen, einige Freunde hat sie verloren, doch sehr viele durch ihren Beruf auch dazu gewonnen. "Vorm Rasieren hatte ich anfangs Respekt, doch jetzt geht es", erklärt die 21-Jährige, während sie Bewohner Gerhard Benthin rasiert. Er ist einer der Senioren, der im Bett gewaschen und angezogen wird. Gerhard Benthin kommt aus Hof Drieberg und hat vor vielen Jahren auch in Gadebusch gearbeitet, seine Großeltern lebten in Cramonshagen. "Ich habe in Gadebusch eine Tischlerlehre gemacht. Bin danach aber wieder nach Hof Drieberg, weil mein Vater dort Landwirt war. Ich habe ihm dann immer geholfen", erinnert sich der 82-Jährige. Sein Gedächtnis funktioniert noch einwandfrei, doch seine Beine wollen nicht mehr so recht, deshalb sitzt er im Rollstuhl. Mit geschickten Handgriffen schafft es Katja Eickelberg, ihm aus dem Bett und in den Rollstuhl zu helfen. Das geht ins Kreuz. "Nach der Arbeit habe ich oft Rückenschmerzen", so Katja Eickelberg. Gerhard Benthin ist in diesem Altenpflegeheim einer der wenigen, der nicht an Demenz leidet.

Zum Schichtende hin wird es für alle noch einmal stressig. Doch Katja Eickelberg versucht wieder, es sich nicht anmerken zu lassen. Und das gelingt ihr. "Sie geben mir auch so viel zurück, da wäre es nicht schön, wenn ich sie mit meinem Stress belaste", so die Alt Metelnerin. Gegen 13 Uhr gibt es im Seehofer Wohn- und Pflegezentrum einen erneuten Schichtwechsel. Katja Eickelberg hat ebenfalls Feierabend und schwingt sich auf ihr Fahrrad und fährt nach Hause: Zehn Kilometer legt sie dabei zurück, doch ihr Kopf ist dann frei und sie kann die Schicht und den Stress hinter sich lassen.

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