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Video Alt Metelner Lebenskünstler : Traum vom gemeinsamen Ackern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Lebenskünstler Lutz Turczynski lädt Zirkusse auf seinen Hof ein und wirbt um Unterstützung für ökologische Sanitäreinrichtungen

von
erstellt am 02.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Er ist immer für eine Idee gut – manchmal auch für einen Schmunzler: Lutz Turczynski aus Alt Meteln. In der Roten Flöte 6 betreibt er seit einigen Jahren sein, wie er selbst sagt, „Lebens-Kunst-Mach-Werk“. Eine Öko-Interfeministische Frauentausch-Börse hatte der Dichter und Denker   vor gut zwei Jahren ins Leben gerufen. Einen Platz für alleinerziehende Mütter, die sich die Miete nicht mehr leisten können, bietet Lutz Turczynski auf seinem mehrere tausend Quadratmeter großen Areal an. Auch Platz für so genannte Öko-Ackergärten hat er geschaffen. Sein Erfolg? Mäßig. Bislang seien lediglich drei Frauen bei ihm gewesen und nicht lange geblieben.

 

Nun will der Alt Metelner sein Angebot erweitern. Immer wieder lese er Berichte über Zirkusse, denen ein Unterschlupf für die Monate fehlt, an denen sie nicht auftreten, oder sogar von Zirkus-Familien, die Insolvenz anmelden müssen. „Das ist  traurig. Ich würde denen hier einen Platz zum Leben geben – eine Wagenburg“, sagt Turczynski und verweist auf die große Weide hinter der Scheune – und wieder auf die Öko-Ackergärten. Vor wenigen Tagen habe er erst neue Beete angelegt. „Hier gibt es  mehr Platz als in der Stadt. Ich will mich  beim Gärtnern entspannen und nicht Po an Po mit dem Nachbarn schubbern“, betont er. Doch Gärtner-Interessenten würden eben nicht nur die Ruhe in der Roten Flöte genießen, sondern  Dusch- und Waschcontainer vermissen. Für die fehlt Lutz Turczynski noch das Geld.

Und da setzt der sonst eher der modernen Technik feindlich eingestellte Lebenskünstler auf moderne Projekte wie das Crowdfunding – er setzt auf Geldgeber aus der Bevölkerung. Allerdings ganz ohne weltweites Netz, denn er besitzt laut eigenen Aussagen keinen Computer und kein Handy. Jedoch ein Girokonto. Die Karte liegt zwischen vielen Büchern und Zeitungsartikeln auf einem Steinhaufen im Garten. „Da ist kein Geld drauf, was solls“, sagt er und lacht. Turczynski verspricht aber, künftig sorgsamer mit der Bankkarte umzugehen. Immerhin möchte er gern finanzielle Unterstützung, hat auch entsprechende Ideen  zu Papier gebracht. „Ich würde mich über jeden Euro freuen, um  Dusch-Container und zwei Komposttoiletten aufstellen zu können. Ich würde sogar etwas geben. Ein Glas Wasser zum Beispiel.“

 Turczynski ist  nicht nur Lebenskünstler, Bauer und  Handwerker, sondern auch  Autor und Regisseur. Ein neues Drehbuch liegt  fertig auf dem Schreibtisch. Es hapere an der Umsetzung. Ist das geschafft, will er mit  einem „monumentalen Heimatkunde-Gedenkfilm und Freiluft-Punk-Heimat-Gedenk-Konzerten“ die neuen Bundesländer bereisen. Turczynski hat ein Ziel:   „Dem pervertierten Eventionismus der algorhythmisierten Kolonnen der Spaßgesellschaft werden die Pantinen ausgezogen und dem multimedialen  Terror der privateigentümliche Boden unter den kopflosen Füßen entzogen“, sagt er, führt seine Hand zum Herz und  verabschiedet sich mit dem Indianer-Gruß.

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