Umstrittener Test : Trauernde sauer: Grabstein umgelegt

Alle Jahre wieder: Stehen Grabsteine nicht mehr fest auf ihrem Fundament, bekommen sie einen Aufkleber.
Alle Jahre wieder: Stehen Grabsteine nicht mehr fest auf ihrem Fundament, bekommen sie einen Aufkleber.

Friedhofsverwaltung prüft die Sicherheit auf Ruhestätten – Leser kritisieren Vorgehen

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26. Juni 2015, 12:00 Uhr

Schon wieder Ärger auf den Friedhöfen. Die Friedhofsverwaltung beanstandet die Standfestigkeit von Grabsteinen und legt einige sogar um. Ursula K.* ist entsetzt. Wie jeden Sonntag war sie mit ihrem Mann auf dem Friedhof, um die Gräber ihrer Lieben zum pflegen. Doch was sie jetzt erlebte, ließ sie erstarren. „Der Grabstein war einfach umgekippt worden.“ Ohne Vorwarnung durch die Friedhofsverwaltung. Schlimmer noch: Die Schrift war zerkratzt. „Das Wiederaufstellen und die Überarbeitung der Schrift werden wohl mehr als 1000 Euro kosten“, beklagt die Schwerinerin.

Ursula K. hat wegen des Vorfalls einen Mitarbeiter auf dem Friedhof angesprochen und auch mit der Friedhofschefin geredet. Wirklich helfen konnte ihr niemand. „Ich sehe ja ein, dass die Standfestigkeit der Grabsteine geprüft werden muss. Aber einfach so den Stein umzulegen, dass geht doch nicht.“

Jedes Jahr nach dem Ende der Frostperiode beginnt die Friedhofsverwaltung zu prüfen, ob alle Grabsteine noch fest auf ihrem Sockel stehen. Dafür gibt es in Deutschland natürlich Vorschriften. Das fordert nicht nur die Schweriner Friedhofsordnung, sondern auch die Richtlinie des Bundesinnungsverbandes des Deutschen Steinmetz-, Stein- und Holzbildhauerhandwerkes. Danach muss ein Grabstein auch dann noch stehen bleiben, wenn man mit 30 Kilogramm dagegen drückt. Immerhin: Jedes Jahr erfüllen zehn Prozent der Grabsteine auf den Schweriner Friedhöfen diese Vorgabe nicht.

„Die Standfestigkeit wird zunächst durch Handdruck geprüft“, erklärt Nonno Schacht, der auch für die Friedhöfe zuständige Abteilungsleiter Öffentliches Grün bei den Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen. „Ergibt sich dabei der Verdacht, dass der Grabstein nicht mehr ganz fest ist, setzen die Mitarbeiter einen so genannten Kipp-Tester ein.“ Ein Gerät, dass den Anpressdruck exakt misst. Erfüllt ein Grabstein die Vorgaben nicht, bekommt er einen Aufkleber und der Inhaber der Grabstelle wird angeschrieben. „Wenn Gefahr im Verzug ist, wenn der Grabstein also umzukippen droht, wird er sofort umgelegt“, sagt Nonno Schacht. Auch dann geht ein Brief der Friedhofsverwaltung raus. „Wir sammeln die Briefe, so dass es schon einmal sein kann, dass so ein Schreiben etwas später beim Adressaten ankommt.“ Warum aber von einem 60 Zentimeter hohen Grabstein eine akute Gefahr ausgehen soll, leuchtet Ursula K. nicht ein. „Da hält sich doch niemand auf.“

Warum die Schriftseite des Steins bei Ursula K. verkratzt wurde, kann Nonno Schacht nicht nachvollziehen. „Unsere Mitarbeiter legen die Steine immer auf den Rücken. Da kann eigentlich nichts passieren.“ Ein Nachweis, wer welchen Schaden angerichtet hat, sei ohnehin schwierig.

  *Name der Redaktion bekannt

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