Asylfragen : Tramm nimmt Flüchtlinge auf

Volles Haus bei der Bürgerversammlung in Tramm: Harald Haase vom Landkreis erläutert, wie der Kreis die Flüchtlingen unterbringen will. Die Gemeinde stellt zwei Wohnungen zur Verfügung.
Volles Haus bei der Bürgerversammlung in Tramm: Harald Haase vom Landkreis erläutert, wie der Kreis die Flüchtlingen unterbringen will. Die Gemeinde stellt zwei Wohnungen zur Verfügung.

Gemeinde vermietet zwei Wohnungen an den Landkreis / Schlechte Erfahrungen mit längst geschlossenem Asylheim wirken nach

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17. Januar 2016, 09:00 Uhr

Die entscheidende Frage kam erst spät am Abend aus dem Trammer Publikum: Von wie vielen Flüchtlingen konkret reden wir hier eigentlich? Bürgermeister Manfred von Walsleben konnte zwar nur schätzen. Aber da die Gemeinde nur noch über zwei freie Wohnungen verfügt und diese dem Landkreis Ludwigslust-Parchim vermieten will, sind es wohl „zehn Personen“. Harald Haase vom Fachdienst Soziales machte auch deutlich, dass der Kreis dieses Angebot annehmen will, die Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtlingen herrichten und sie dann bei Bedarf auch rasch belegen werde. Denn obwohl der Landkreis in diesem Jahr eine dritte große Gemeinschaftsunterkunft errichten werde und die Plätze in den bisherigen aufstockt, reichen die Wohnplätze für die dem Landkreis zugewiesen Flüchtlinge nicht aus. 2015 waren es 1850 Schutzsuchende, für dieses Jahr rechnet Haase mit rund 2000 Personen. Und etwa 330 Wohnungen hat der Kreis bislang angemietet, 300 weitere werden wohl benötigt. „Deshalb sind wir auf die Hilfe der Städte und Gemeinden angewiesen“, betonte Haase. Denn die wurden zuerst angesprochen, doch inzwischen mietet der Kreis auch Wohnungen von privat an.

Die Gemeinde Tramm ist bereit, Flüchtlinge aufzunehmen. Schon im Sommer hatte die Gemeindevertretung einen Beschluss dazu gefasst – verbunden mit dem Angebot, alle freien Wohnungen in Gemeindeeigentum zur Verfügung zu stellen. Bürgermeister von Walsleben verschweigt auch nicht, dass die Gemeinde auf die Mieteinnahmen ihrer insgesamt 15 Wohnungen angewiesen ist. Seit dem Sommer ist die Zahl der freien Wohnungen zudem von sechs auf zwei gesunken. „Und selbstverständlich werden wir niemandem kündigen, damit wir Flüchtlingen unterbringen können“, betonte der Bürgermeister. „Und wir werden auch keine Container auf dem Sportplatz aufstellen.“ Denn solche Gerüchte kursierten zuletzt im Dorf.

Denn im mit mehr als 120 Einwohnern vollbesetzen Trammer Gemeindesaal waren am Donnerstag aber auch Vorbehalte zu hören, ja Angst zu spüren. Der Bürgermeister vermutet einen Zusammenhang mit den Silvesterereignissen in Köln. Die Vorbehalte sind aber weitaus älter, gehen auf schlechten Erfahrungen und persönliche Erlebnisse mit Asylbewerbern in Tramm-Siedlungen aus. Auf dem DDR-Kasernenareal waren bis zu 300 Asylbewerber unterbracht. Ärger und Polizeieinsätze gab es öfter. Doch das Heim ist seit mehr als zehn Jahren geschlossen und mit der Unterbringung von zehn Flüchtlingen in zwei Wohnungen im Dorf nicht zu vergleichen, betont von Walsleben.

Doch Probleme erwarten die Einwohnern dennoch. Denn Tramm hat quasi keine Infrastruktur zu bieten. Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Arzt, Banken – all das ist erst in Crivitz zu finden. Und die einzige Verbindung dorthin ist der Schulbus, der schon bei der Ankunft in Tramm voll besetzt ist. „Das kritisieren wir seit Jahren, und nichts passiert“, hebt Gemeindevertreter Maik Schomann hervor. Dass hier zusätzlich Busse eingesetzt werden, dass schloss Haase aus, aber der Landkreis werde mit der kreiseigenen Verkehrsgesellschaft prüfen, ob eine andere Lösung in Frage kommt. Vorgeschlagen wurde der Einsatz eines größeren Busses.

Auch dem Wunsch der Trammer, doch mindestens eine Familie und nicht nur junge Männer nach Tramm zu schicken, konnte Haase nicht entsprechen. „Es kommen Familien zu uns, aber zumeist sind es junge, alleinreisende Männer“, berichtete der Fachdienstleiter. Dass da ein Zusammenleben nicht immer reibungslos vonstatten geht, stritt keiner der Ansprechpartner im Präsidium ab. Kathrin Mach, Leiterin des Polizeireviers Sternberg, hat aber bislang in Sternberg, Brüel und Dabel eher positive Erfahrungen gemacht „ vor allem mit jungen, intelligenten Männern, die sich in Deutschland eine Zukunft aufbauen wollen“. Lediglich dreimal mussten Sternberger Polizeibeamte in den Unterkünften aktiv werden: Zweimal kam es zu Streitigkeiten unter den Flüchtlingen, einmal wurde ein Asylbewerber beleidigt. Kathrin Mach appellierte an die Trammer, als starke Dorfgemeinschaft aufzutreten und den Flüchtlingen zu helfen, mit den Infrastrukturproblemen fertig zu werden. Bürgermeister von Walsleben sprach von vielen dementsprechenden Angeboten aus dem Dorf, die bei ihm schon eingegangen seien.

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