Burda Direct schließt Schweriner Niederlassung : Tränen im Call-Center

Die Telefonanlagen bei Burda Direct werden bald abgeschaltet: Mehr als 30 Frauen haben ihre Kündigungen erhalten.Klawitter
Die Telefonanlagen bei Burda Direct werden bald abgeschaltet: Mehr als 30 Frauen haben ihre Kündigungen erhalten.Klawitter

Die Belegschaft des Call-Centers Burda Direct in der Gutenbergstraße 1 ist traurig und stocksauer: Denn die Schweriner Filiale wird geschlossen. Das Schlimmste, die Kündigungen wurden hart und kompromisslos verkündet.

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01. November 2012, 07:06 Uhr

Grosser Dreesch | Marlies Gräning ist traurig und stocksauer. Traurig deshalb, weil sie nach mehr als zehn Jahren im Betrieb ihren Arbeitsplatz verloren hat, sauer darüber, wie die Kündigung und Abwicklung ablaufen. Und sie ist nicht die einzige, der es so geht. Mehr als 30 Frauen sind betroffen, die gesamte Belegschaft des Call-Centers Burda Direct in der Gutenbergstraße 1. Denn die Schweriner Filiale wird geschlossen.

Von der einstigen freundlichen Atmosphäre in den Telefonräumen ist nichts mehr zu spüren. Blumen und Grünpflanzen sind von Tischen und Fensterbrettern verschwunden, persönliche Glücksbringer, Kuscheltiere und Fotos sind nicht mehr an den Arbeitsplätzen zu finden. Kalt und ungemütlich wirken derzeit die Räume, in denen einst emsiges Stimmengewirr und freundlicher Telefonierton dominierten.

"Es ist schlimm, mit der Kündigung in der Tasche noch arbeiten zu gehen", sagt Marlies Gräning. Wie soll man sich da noch motivieren? In den zehn Jahren, die die meisten Frauen schon im Call-Center zusammenarbeiten, seien sie sich nahe gekommen, fast schon wie in einer Familie. Das sei jetzt alles vorbei. Es habe schon viele Tränen in den vergangenen Tagen gegeben. Die Kündigung sei völlig überraschend gekommen und dann hart und kompromisslos in einer Belegschaftsversammlung verkündet worden.

"Wir bedauern sehr, dass wir unsere Schweriner Filiale schließen müssen", sagt Caroline Götz, Marketing Direktorin bei Burda Direct. "Aber aus wirtschaftlichen Gründen können wir den Standort nicht länger halten. Deshalb haben die Mitarbeiterinnen betriebsbedingte Kündigungen zum 31. Oktober erhalten", erklärt die Offenburger Marketing-Chefin auf SVZ-Nachfrage. "Ja, es betrifft tatsächlich alle Mitarbeiterinnen", ergänzt sie noch.

Selbstverständlich habe der Konzern versucht, den Frauen andere Arbeitsplätze anzubieten, etwa in den Call-Centern von Burda Direct in Offenburg und Baden-Baden. Doch diese Standorte seien sehr weit entfernt, räumt Götz ein. Deshalb habe es auch Gespräche mit anderen Call-Centern in Schwerin gegeben, um die betroffenen Frauen zu vermitteln. Ob diese Bemühungen Erfolg gehabt hätten, könne sie derzeit nicht beurteilen, so die Marketing-Direktorin. "Wir haben zunächst versucht, die Kündigungen möglichst sozial verträglich zu gestalten, doch rasch war klar, dass alle von der betriebsbedingten Kündigung betroffen sind." Als Gründe nannte die Offenburgerin die veränderte Marktlage. Das klassische Abo-Geschäft sei viel schwieriger geworden, unter anderem durch die neuen Medien, aber auch durch strenge Datenschutzbestimmungen. "Letztendlich war es eine wirtschaftliche Entscheidung, den Standort Schwerin komplett zu schließen", fasst Caroline Götz zusammen.

Den Schweriner Frauen hilft diese Erklärung nicht. "Für mich ist das Thema Call-Center durch", sagt Marlies Gräning hart. Sie werde wieder zurück in ihren alten Beruf gehen in der Energiebranche, gegebenenfalls auch außerhalb Schwerins - in Hamburg.

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