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Schweriner Gastronomie-Geschichten : Traditionskneipe vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das „Bünger Loch“ muss Ende Mai nach 142 Jahren bewegter Historie schließen

svz.de von
erstellt am 21.Mär.2017 | 08:00 Uhr

Die Landeshauptstadt kann auf eine bewegte Gastronomie- und Hotellerie-Geschichte zurückblicken. Egal ob in der Werdervorstadt, am Pfaffenteich oder im Fernsehturm: Viele Einheimische und Gäste wussten und wissen die Vorzüge der Schweriner Gaststätten und Hotels zu schätzen. SVZ stellt in dieser Woche einige Traditionshäuser vor. Heute erzählt Kerstin Abraham vom „Bünger Loch“, das sie seit vielen Jahren führt.

Kerstin Abraham lässt das Bier aus dem Zapfhahn laufen. Bereits am Vormittag sitzen zahlreiche Gäste am Tresen des „Bünger Lochs“ und unterhalten sich. Gemeinsam mit ihrem Mann Peter ist sie jeden Tag für ihr Stammpublikum da, das zusammen mit ihr vom ehemaligen Standort am Marienplatz in die Stiftstraße 1 gezogen ist. „Früher hatten wir unsere Gaststätte in der Helenenstraße. Bis zum Bau der Marienplatzgalerie im Jahr 2008, dann mussten wir umziehen“, erzählt die Schwerinerin. „Doch unsere Gäste sind uns treu geblieben.“

1875 gründete ihr Ur-Ur-Großvater Heinrich Bünger eine Biergroßhandlung in der Helenenstraße, nebenan eröffnete er das „Bünger Loch“ als Probierstube. Der Name des Lokals entstand in Anlehnung an das Binger Loch – einen Felsendurchbruch am Rhein. 1917 starb Bünger und Schwiegersohn Hans Junker übernahm die Geschicke. Die Bierhandlung existierte bis 1957 – die Gaststätte ist bis heute in Familienhand, mittlerweile in der fünften Generation. Und an einem anderen Ort.

Doch das „Bünger Loch“ steht vor dem Aus: „Unser Mietvertrag wurde nicht verlängert. Wir müssen am 31. Mai schließen“, erklärt Abraham. Grund dafür sei die Übernahme der Räume durch eine benachbarte Physiotherapie-Praxis. Darüber ist Abraham nicht böse: „Ich verstehe das voll und ganz.“ Ganz aufhören will die 65-Jährige zwar nicht – aber die Chancen für eine Verlängerung der 142-jährigen Kneipengeschichte stehen denkbar schlecht, fehlt doch ein passender neuer Standort. Kerstin Abraham ist traurig darüber – und nicht nur sie: auch die vielen Schweriner, die hier tagtäglich über das Stadtgeschehen klönen.

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