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Zeitung für die Landeshauptstadt

20. September 2017 | 02:28 Uhr

Tödliches Risiko Haushalt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Präventionsprojekte zur Vermeidung häuslicher Unfälle gibt es in Mecklenburg-Vorpommern nicht

von
erstellt am 15.Feb.2017 | 16:19 Uhr

Makabere Witzeleien über Haushaltsunfälle gibt es einige: Spühl mir das Lied vom Tod, zum Beispiel. Oder, Hochglanz kommt vor dem Fall. Unwillkürlich denkt man an Ungeschicklichkeit und Putzfimmel. Betrachtet man die Fakten allerdings genauer, vergeht einem das Lachen sehr schnell.

Schon allein die Zahl von 177 Toten nur im Jahr 2015 in Mecklenburg-Vorpommern ist schockierend. Außerdem, von den 177 Todesopfern häuslicher Unfälle waren 109 über 80 Jahre alt. Es sind also vor allem ältere Menschen, die sich ihre Selbstständigkeit in den eigenen vier Wänden bewahren wollen oder müssen und dabei tragisch scheitern.

Dabei sind die Risiken in Mecklenburg-Vorpommern größer als in anderen Bundesländern. Denn Unterstützung für Senioren im Haushalt ist seltener, wenn die nächsten Angehörigen nicht in der Nähe wohnen, was in einem dünnbesiedelten Land häufiger der Fall ist. Hinzu kommt, dass in keinem anderen Bundesland so viele Menschen allein leben. 41 Prozent aller Wohnungen sind inzwischen Singelhaushalte. Und der Anteil wächst mit dem steigenden Durchschnittsalter der Bevölkerung. Damit erhöht sich allerdings auch das Risiko, dass nach einem schweren häuslichen Unfall niemand da ist, der hilft. Manchmal liegen Verletzte tagelang in ihrer Wohnung, ohne dass ihnen geholfen wird, berichtet Susanne Woelk vom Verein „Das sichere Haus“.

Der Appell geht an die Senioren selbst. Sie können zuallererst das Risiko minimieren, wenn sie einsehen, dass manche Dinge nicht mehr möglich sind und dafür Hilfe organisiert werden muss.

Doch auch die Gesellschaft ist gefordert. Präventionsprojekte zur Vermeidung häuslicher Unfälle gibt es in Mecklenburg-Vorpommern nicht. Aufklärung? Eher selten. Dabei zeigen andere Bereiche, dass vielfältige Initiativen durchaus zur Vermeidung tödlicher Unfälle führen. So waren 2005 im Land noch 198 Verkehrstote zu beklagen. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 89 Tote. Dank besserer Sicherheitstechnik in Fahrzeugen, Leitplanken und Aufklärungskampagnen.

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