Tödlicher Arbeitsunfall in Schwerin

<strong>Der Unfallort in Schwerin-Süd:</strong> Das Leben eines 33-jährigen Crivitzers konnten Notärzte nicht mehr retten. <foto>Klawitter</foto>
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Der Unfallort in Schwerin-Süd: Das Leben eines 33-jährigen Crivitzers konnten Notärzte nicht mehr retten. Klawitter

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23. Januar 2013, 08:14 Uhr

Schwerin/Rostock | Tödliche Gefahr am Arbeitsplatz: Wieder ist ein Arbeiter ums Leben gekommen. In Schwerin starb gestern ein 33-jähriger Mitarbeiter einer Abbruchfirma bei Entkernungsarbeiten. Sein 32-jähriger Kollege zog sich schwere Verletzungen zu. Nach Angaben der Polizei wurden die beiden Männer in einem Werksgebäude in Schwerin-Süd unter eine m Fenstersturz aus Beton begraben. Die Ermittlungen zur genauen Unfallursache dauern noch an. Gegen 10.30 Uhr waren Feuerwehr und Rettungsdienst zum Unfallort gerufen worden. Laut Einsatzleiter Alexander Schulz hatten Mitarbeiter einer Heizungsfirma, die ebenfalls im Gebäude tätig waren, den ver letzten 32-Jährigen aus Schwerin bereits geborgen. Mit schwerem Hebegerät hätten dann Feuerwehrleute den 33-jährigen Kollegen unter der tonnenschweren Last befreit, berichtete Schulz. Es sei den Notärzten jedoch nicht mehr gelungen, den verunglückten Crivitzer zu reanimieren.

Es ist bereits der dritte tödliche Arbeitsunfall in diesem Jahr und der siebente im letzten halben Jahr. Erst zu Wochen beginn war bei Löcknitz im Landkreis Vorpommern-Greifswald ein 48-jähriger Forstarbeiter von einem Baum erschlagen worden. Wenige Tage zuvor war ein Lkw-Fahrer in Neustrelitz getötet worden, als er mit der Kippmulde seines Fahrzeugs eine 20 000-Volt-Hochspannungsleitung berührte. Im November vergangenen Jahres kam ein 57-jähriger Mann in Boldela im Landkreis Ludwigslust-Parchim nach dem Sturz von einer Leiter ums Leben. In Kritzmow im Landkreis Rostock stürzte im Oktober ein 55 Jahre alter Maler von einem etwa zweieinhalb Meter hohen Gerüst und starb. Häufige Ursache der tödlichen Unfälle: "Unachtsamkeit und Leichtfertigkeit", sagte Anja Neutzling, Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales gestern in Rostock.

Bei wachsendem Druck wird offenbar der Arbeitsschutz am Arbeitsplatz vernachlässigt. "Die Liste der Mängel ist lang", meinte Neutzling. 2011 waren bei 14 116 Betriebs- und 2843 Baustellenüberprüfungen knapp 10 000 Mängel festgestellt worden.

Die Gefahr ist groß: In den vergangenen zehn Jahren kamen mehr als 100 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern im Dienst ums Leben. Im Baubereich bestünden besondere Risiken, beobachten die Gewerkschaften. Leiharbeiter seien mehr in Gefahr, weil es häufiger an der nötigen Einweisung fehle, erklärte Günter Beling, Sprecher des DGB-Landesbezirks Nord. Allerdings habe bundesweit "in den vergangenen zehn Jahren ein erheblicher Abbau der staatlichen Gewerbeaufsicht stattgefunden". Der DGB Nord dränge seit Langem in Mecklenburg-Vorpommern darauf, gemeinsam mit den Sozialpartnern einen effektiven Arbeitsschutz sicherzustellen, sagte Beling.

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