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19. November 2017 | 21:05 Uhr

Schwerin : Theaterkonzept lässt Politiker wirbeln

vom

Die Eckdaten für die Sanierung des Mecklenburgischen Staatstheaters sind längst öffentlich gemacht worden. Die Stadtvertreter sollen das zugrunde liegende Konzept aber hinter verschlossenen Türen diskutieren.

svz.de von
erstellt am 08.Mär.2012 | 07:29 Uhr

Schwerin | Die Eckdaten für die Sanierung des finanziell angeschlagenen Mecklenburgischen Staatstheaters sind längst öffentlich gemacht worden. Die Streichung von rund 70 Stellen, das Ende der Fritz-Reuter-Bühne sowie der Schlossfestspiele und noch einiges mehr hat der Intendant Joachim Kümmritz bereits benannt. Die Stadtvertreter sollen das zugrunde liegende Sanierungskonzept der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Wikom AG aber hinter verschlossenen Türen diskutieren. Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow wird die Vorlage dem Hauptausschuss im nicht öffentlichen Teil einer Sondersitzung am Montag vorlegen.

Der Beschlussvorschlag beinhaltet zwei Punkte: Zum einen das Sanierungskonzept der Wirtschaftsprüfer und zum anderen den Verzicht auf die Reduzierung der städtischen Zuschüsse für das Theater. Denn bisher steht im Haushaltssicherungskonzept noch, dass der Zuschuss von rund 6,6 Millionen Euro pro Jahr auf nur noch 5,5 Millionen gesenkt werden soll. Dann wäre eine Sanierung des Theaters allerdings nicht mehr möglich.

Das Sanierungskonzept birgt aber auch noch Unsicherheiten. So listet es "Restrukturierungskosten" von 4,57 Millionen Euro für Abfindungen und 0,41 Millionen für Gerichts- und Rechtsanwaltskosten auf. Die Wirtschaftsprüfer gehen davon aus, dass das Geld vom Land kommt. Denn: "Die Landeshauptstadt Schwerin dürfte alternativ wegen ihrer eigenen Finanzsituation dahingehend wohl ausfallen." Weiter heißt es: "Gleiches gilt im Übrigen für ein ansonsten entstehendes Defizit im Jahr 2013 bis zur Wirksamkeit der Restrukturierung." Das ist immerhin auch noch einmal eine Million Euro. Ob das Land diese Kosten aber tatsächlich übernimmt, steht noch nicht fest. Die Aussagen des Bildungs- und des Finanzministeriums dazu sind bisher vage.

Auch die Weiterführung der Fritz-Reuter-Bühne als Amateurbühne ist noch offen. Denn es "lag im Rahmen der Erarbeitung des Sanierungskonzeptes noch kein belastbares bzw. nachvollziehbares Umsetzungskonzept vor,...". Sollte die Niederdeutsche Bühne durch einen Verein weitergeführt werden, soll sie einen jährlichen Zuschuss von 200 000 Euro vom Theater erhalten. So steht es schon im Protokoll eines Gespräches, dass die städtische Gesellschaft für Beteiligungsverwaltung mit dem Theater geführt hat. In diesem Papier vom 1. Februar ist unter anderem auch bereits festgelegt, dass die Schlossfestspiele ab dem Jahr 2014 nicht mehr stattfinden sollen.

Unterdessen gibt es noch vor der Diskussion im Hauptausschuss Reaktionen aus der Politik. "Das Staatstheater wird überprüft wie ein wirtschaftliches Unternehmen. Das ist ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen", zeigte sich Ulrike Berger, kulturpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, entsetzt. "Hat die beauftragte Wirtschaftsprüfung auch einmal nachgefragt, was der Wegfall der Schlossfestspiele für den Tourismus in Schwerin bedeutet?"

Nach Ansicht der Schweriner Liberalen sind die beabsichtigten Kündigungen teilweise vermeidbar. "Leider können wir nicht alle Arbeitsplätze retten. Bis zu 79 Kündigungen sind aber überzogen", so FDP-Stadtvertreter Stev Ötinger. Er kritisiert Generalintendant Kümmritz heftig. "Die Bezahlung des Orchesters nach dem A-Status wird überhaupt nicht angepackt, dabei macht der Unterschied - einschließlich Chor - fast 900 000 Euro jährlich aus. Das sind etwa 20 Arbeitsplätze." Hinsichtlich der Fritz-Reuter-Bühne und des Puppenspiels schlägt Ötinger eine Kooperation mit dem Landestheater Parchim vor. Auch die FDP sieht einen Verzicht auf die Schlossfestspiele kritisch. Sie kritisiert Oberbürgermeisterin Gramkow wegen des Verzichts auf eine Bespielung des Alten Gartens.

Die Linke sieht das Sanierungskonzept mit gemischten Gefühlen: "Das ist wie die Wahl zwischen Pest und Cholera", sagt Vize-Fraktionschef Henning Foerster. "Auf der einen Seite ist die Notwendigkeit eines langfristigen Sanierungsplanes unstrittig, andererseits ist die Kündigung von mehr als 70 Mitarbeitern völlig inakzeptabel." Das werde die Linke nicht hinnehmen, ebenso wenig den Raubbau an Kultur, der den Absturz des Staatstheaters in eine Provinzbühne bedeute. Foerster kündigte an, dass seine Fraktion am Montag über Alternativlösungen beraten werde.

Die CDU will sich erst auf ihrer Fraktionssitzung am Montag eine Meinung zum Sanierungskonzept bilden. "Wenn wir das Papier so hinnehmen, wird es das Theater völlig verändern", sagt Fraktionschef Sebastian Ehlers. Er sieht das Land in der Pflicht. "Wenn der Bildungsminister nicht nur zusehen will, wie Kultur abgebaut wird, muss er kurzfristig Unterstützung geben und eine dauerhafte Lösung für das Theaterthema in MV präsentieren."

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