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Zukunft der Kulturlandschaft : Theater suchen gemeinsam Königsweg

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Während Schwerin im Kampf um den Erhalt des Mecklenburgischen Staatstheaters als Fünf-Sparten-Haus dank der machtvollen Solidaritätsbekundungen der Bürger eine Atempause gewonnen hat, brennt in Rostock die Luft.

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erstellt am 31.Aug.2012 | 07:25 Uhr

Schwerin | Während Schwerin im Kampf um den Erhalt des Mecklenburgischen Staatstheaters als Fünf-Sparten-Haus dank der machtvollen Solidaritätsbekundungen der Bürger eine Atempause gewonnen hat, brennt in Rostock die Luft. Im Wirtschaftsplan des Volkstheaters fehlen rund 1,1 Millionen Euro für das nächste Jahr. Obwohl die Hansestadt schon mehrfach Geld nachgeschossen hat, droht jetzt dem Haus die Insolvenz. Ähnlich angespannt ist die finanzielle Lage auch in den anderen Theatern im Lande. So etwas kann zusammenschweißen - oder Missgunst wecken. Die Intendanten haben sich für Solidarität entschieden. Das ist das wichtigste Ergebnis der Beratung in Rostock, zu der Repräsentanten aller Produktionstheater und fast aller Bespieltheater des Landes Mecklenburg-Vorpommern angereist waren, um sich darüber zu verständigen, wie mit der prekären Situation umgegangen werden kann.

"Das Treffen war gut und sinnvoll", sagt Intendant Joachim Kümmritz. "Wir haben auf Augenhöhe miteinander geredet. Obgleich die Situation an den einzelnen Häusern durchaus bekannt ist, war dieser direkte Kontakt dennoch wichtig, um bei den Machern das gegenseitige Verständnis für die verschiedenen Positionen zu entwickeln", resümiert Kümmritz.

Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow als Vertreterin des Hauptgesellschafters der Schweriner Theater gGmbH wird in ihrer Einschätzung noch konkreter: "Wir haben uns im Kern auf drei Punkte für die weitere Strategie geeinigt", berichtet sie. So soll das Land aufgefordert werden, die Ergebnisse der Gutachten und die Vorschläge für die Neugestaltung der Theater- und Orchesterlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern allen Vertretern der Theater und Kommunen gemeinsam zu präsentieren. "Zweitens werden sich alle Intendanten nach der Vorlage der Lan desvorschläge treffen, um gemeinsam Handlungsmöglichkeiten auszuloten. Und drittens haben die Theatermacher sich darauf geeinigt, sich bei der Reform nicht gegeneinander ausspielen zu lassen, sondern gemeinsam sinnvolle Optionen zu erarbeiten", fasst Gramkow die Ergebnisse zusammen.

Das Rostocker Treffen hat deutlich gemacht: Theaterträger und Intendanten sind sich durchaus bewusst, dass Veränderungen unumgänglich sind, um weitere Einsparpotenziale zu erschießen, doch sie wollen nicht wie das Kaninchen vor der Schlange sitzen und auf die Vorschläge des Landes warten. Und das tun sie geschickt. Die Rostocker Bürgerschaft hatte im Frühjahr ihrem Oberbürgermeister Roland Methling explizit verboten, mit Schwerin Gespräche zum Thema Theater und Orchester zu führen. Als er jetzt im Urlaub war, nutzte seine Stellvertreterin, Kultursenatorin Liane Melzer, die Chance, kurzfristig zu einer Beratung einzuladen. Denn der Druck ist groß. Insolvenz oder massiver Personalabbau drohen vielen Theatern im Lande.

Schwerin hat da noch vergleichsweise gute Karten, denn das Haus gilt als Leuchtturm für Effizienz und künstlerisches Niveau. Hier wurden bereits vor Jahren rigide Sparmaßnahmen eingeleitet wie etwa Haustarifverträge, vor allem aber macht das Staatstheater durch hohe künstlerische Qualität bundesweit Schlagzeilen. In den vergangenen Spielzeiten wurde es mit renommierten Auszeichnungen geehrt: 2010 für die "Theater-Theken-Nacht" mit dem Bundespreis "Land der Ideen" und 2011 mit dem so genannten Theater-Oscar für Herbert Fritschs Schauspielinszenierung "Der Biberpelz". Dieses Jahr wurde die Mecklenburgische Staatskapelle zusammen mit Giuliano Sommerhalder, Simone Sommerhalder und Roland Fröscher mit dem "Echo Klassik 2012 " ausgezeichnet. Die Schauspielerin Jana Kühn gewann den Chanson-Preis beim Bundeswettbewerb Gesang, Sonja Isemer und Klaus Bieligk wurden als Nachwuchsschauspielerin bzw. als Schauspieler des Jahres 2011 ausgezeichnet. Und nicht zuletzt waren die diesjährigen Schlossfestspiele mit rund 36 000 Zuschauern nicht nur Besuchermagnet des Sommers, sondern haben auch finanziell die Bilanz aufgebessert. Mit fast 200 000 Besuchern pro Jahr und selbst erwirtschafteten Einnahmen von rund fünf Millionen Euro ist das Schweriner Theater nicht nur mit großem Abstand Spitzenreiter im Land, sondern rangiert auch im Bundesvergleich auf einem Spitzenplatz.

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