Schmerzhaftes Sparkonzept : Theater leitet Streich-Konzert ein

Licht aus? Das Staatstheater muss aufgrund des diktierten Sparkurses den eigenen künstlerischen Anspruch reduzieren. Das Publikum spürt das in fehlenden Angeboten.
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Licht aus? Das Staatstheater muss aufgrund des diktierten Sparkurses den eigenen künstlerischen Anspruch reduzieren. Das Publikum spürt das in fehlenden Angeboten.

Angebot reduziert, Stellenabbau, Gehaltsverzicht – jetzt will das Land die Auszahlung der Fördermittel auch noch an eine Zielvorgabe binden

svz.de von
04. Dezember 2013, 10:00 Uhr

Der vom Land geforderte Sparplan am Mecklenburgischen Staatstheater greift. Die Landeshauptstadt hat die Auflagen für die Soforthilfe von zwei Millionen Euro vom Land erfüllt. Darüber informierten gestern Oberbürgermeisterin und Kulturdezernentin Angelika Gramkow und Generalintendant Joachim Kümmritz. Durch geforderte „Spielplanoptimierung“ konnten 400 000 Euro eingespart werden – dahinter verbergen sich u. a. die Streichung der Montagskonzerte und der beliebten Veranstaltung Puppen im Park. Das verlangte Fusionsangebot ist an die Landesbühne Parchim unterbreitet, „aber noch nicht verhandelt“, so Gramkow. Und die vorgeschriebene „Risikobegrenzung“ für die Schlossfestspiele ist auch bereits erledigt – 200 000 Euro weniger gibt es für „Nabucco“.

Im zurückliegenden Theaterjahr wurden zudem schmerzhafte personelle und finanzielle Einschnitte für die konzeptionelle Neuausrichtung zu einem „Mecklenburgischen Staatstheater unter Beteiligung des Landes“ beschlossen. Dazu gehört auch, dass sich Chor und Orchester zum Gehaltsverzicht bereit erklärt haben. „Dieser Prozess ist schwierig und ich kann den Unmut über diese Maßnahmen verstehen“, so die Oberbürgermeisterin. Und auch Protest-Aktionen. Der neue Haustarifvertrag mit der Staatskapelle sei „gestern per Handschlag besiegelt“, sagte Kümmritz. Jetzt gehe es nur noch um Feinheiten. Er sei auch optimistisch, dass es für den Chor mit dessen beiden Gewerkschaften ebenfalls zum erhofften Ergebnis komme.

Die daraus resultierenden Probleme zeichneten sich dagegen schon jetzt ab: Für den Gehaltsverzicht gibt es Freizeitausgleich für das A-Orchester. Das werde Kümmritz zufolge erhebliche Auswirkungen auf die neue Spielzeit haben. Erste Folge: Den Spielplan für die Saison 2014/15 gibt es nicht wie gewohnt im Frühjahr, sondern frühestens im Sommer. „Wer geglaubt hat, wir reduzieren Kapelle und Chor um 30 Stellen und es ändert sich nichts, hat Unmögliches erwartet“, sagte der Intendant. Denn Fakt sei: An Energie oder Sicherheit könne pro Inszenierung nicht gespart werden. „Das geht nur beim Honorar“, so Kümmritz. „Eine Kinderoper beispielsweise mit besonderen Instrumenten, die sonst nicht in einem Orchester erklingen, werden wir uns künftig nicht leisten können. Es ist ganz klar: Der künstlerische Anspruch wird leiden.“ Und genau da entsteht gerade ein weiteres Problem. Das Kultusministerium fordert seit Kurzem für alle Theater im Land eine Zielvereinbarung pro Spielzeit. Wird die Zielvereinbarung nicht eingehalten, gibt es zehn Prozent der nach dem kommunalen Finanzausgleichsgesetz zustehenden Mittel der Theaterförderung nicht. Für Schwerin sind das 600 000 Euro. Ist das Land zufrieden, fließt das Geld – allerdings erst im Oktober, also fast drei Monate nach Ende der Spielzeit. „Ein vorsichtiger Kaufmann müsste die 600 000 Euro jetzt aus dem Wirtschaftsplan nehmen, da ja nicht klar ist, ob das Geld kommt“, sagte Kümmritz. „Doch dann müsste ich den ganzen Spielplan kippen.“

Für besondere Verärgerung sorgt bei der Oberbürgermeisterin, dass die Zielvorgabe des Landes nur Wirtschaftsdaten enthalten soll. „Wir hätten da gern kulturpolitische Parameter festgehalten. Wir brauchen inhaltliche künstlerische Aspekte: Was sollen die Theater im Land leisten? Wie viel Kinder- und Jugendarbeit brauchen wir, wie viel Theaterpädagogik? Die Frage, was Theater und Orchester für Kunst, Kultur und Bildung in unserem Land tatsächlich leisten, hat bisher kaum eine Rolle gespielt“, so Gramkow. Und wenn in jährlichen Zielvorgaben nur von Stellenabbau die Rede ist, dann habe das längst nichts mehr mit einer Strukturdebatte oder Theaterreform zu tun.

Dennoch: Das Mecklenburgische Staatstheater hat den Wirtschaftsplan 2014 aufgestellt und blickt auf gute Zahlen für 2013. Fast 200 000 Theaterbesucher sprechen eine deutliche Sprache, was den Publikumszuspruch betrifft.

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