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Stadtvertreter beschließen Millionen-Zuschuss : Theater-Insolvenz vorerst abgewendet

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Insolvenz abgewendet: Die Schweriner Stadtvertreter beschlossen gestern mit Mehrheit, der Bühne zusätzlich 1,4 Millionen Euro über den bisherigen städtischen Zuschuss von 6,6 Millionen Euro hinaus zukommen zu lassen.

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erstellt am 14.Feb.2012 | 05:43 Uhr

Schwerin | Vor 14 Tagen hatten die Stadtvertreter bereits grundsätzliche Positionen zum Staatstheater ausgetauscht. Dennnoch gab es gestern Abend noch einmal eine intensive Diskussion. Denn in den vergangenen Tagen hatten einzelne Stadtvertreter und auch Fraktionen dutzende Fragen an die Oberbürgermeisterin gestellt, deren Antworten offenbar Redeanlass genug waren. Am Ende sprach sich jedoch eine Mehrheit der Stadtvertreter für einen 1,4-Millionen-Zuschuss und für die Erarbeitung eines Rettungskonzeptes aus. Damit ist eine Insolvenz vorerst vom Tisch.

Die Unabhängigen Bürger sprachen sich gegen die weitere Finanzspritze aus. "Die Zuschüsse im Jahr 2011 und auch die im Jahr 2012 sind mit Blick auf die folgenden Jahre nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagte Rolf Steinmüller. "Dazu kommt, dass es einen so schlechten Haushalt für die Stadt lange nicht gegeben hat." Er schlug statt dessen vor, dass die Beschäftigten des Theaters auf Gehaltserhöhungen verzichten. Außerdem sollte der Aufsichtsrat die Gehälter und Tantiemen der Führungskräfte kürzen.

FDP-Stadtvertreter Michael Schmitz zweifelte die Wirksamkeit eines Sanierungskonzeptes an, dass bis Ende März erarbeitet werden soll. "Die ins Auge gefassten Maßnahmen werden so schnell nicht greifen und sie werden viel mehr Geld kosten, als wir uns denken können." Schmitz nannte die geplanten bis zu 60 Entlassungen "pervers". "Man kommt auch zu eleganteren Lösungen, wenn man sich keine Denkverbote auferlegt." Die FDP-Vertreter wollten die 1,4 Millionen Euro nur als Darlehen an das Theater geben. Dieser Vorschlag fand jedoch keine Mehrheit.

Die SPD-Vertreter Rudolph Conrades und Sebastian Heine brachten die Idee einer Planinsolvenz ins Gespräch. "Man scheut das Wort Insolvenz wie das Weihwasser", so Heine. "Es ist jedoch eine Möglichkeit, die geprüft werden müsste." Conrades wies dazu auf ein Gutachten der weltweit aktiven Wirtschaftsberatung PriceWaterhouseCooper hin. "Ich finde es bedenklich, dass dieses Papier nicht in die Meinungsbildung eingeflossen ist, denn es ist kompetenter als das aktuelle Gutachten der Schweriner Kanzlei Irmler & Collegen."

Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow wandte sich gegen ein Insolvenzverfahren für das Mecklenburgische Staatstheater. "Wir wissen nicht, was ein Richter bei einer Insolvenz entscheidet. Ein solches Verfahren ist nicht berechenbar ist."

Stadtpräsident Stephan Nolte machte sich für die Mitarbeiter des Theaters stark. "Es ist unfair zu sagen, das Personal müsse sich bewegen." Denn nicht nur das Land, auch die Stadt habe ihren regulären Zuschuss für die Bühne seit Jahren nicht erhöht.

Auch Vize-Präsidentin Marleen Janew wies darauf hin, dass die Mitarbeiter in den vergangenen Jahren immer wieder durch Haustarife auf Einkommen verzichtet hätten. "Deshalb ist der städtische Zuschuss notwendig. Mir geht es darum, ein niveauvolles Theater zu erhalten und kein Provinztheater."

Linken-Fraktionschef Gerd Böttger sprach sich klar für den Millionen-Zuschuss aus, sieht jetzt aber das Land in der Pflicht. "Minister Brodkorb übernehmen Sie - Sie haben jetzt die Verantwortung."

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