Kultureller Jahresrückblick : Theater gerettet, Museum ist reicher

Die Kinder haben schon mit Spannung die Eröffnung der Stadtbibliothek an ihrem  neuen Standort in den Schweriner Höfen  erwartet.
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Die Kinder haben schon mit Spannung die Eröffnung der Stadtbibliothek an ihrem neuen Standort in den Schweriner Höfen erwartet.

Unruhe ist für Schwerins Kulturszene nichts Besonderes, das zu Ende gehende Jahr war allerdings ungewöhnlich turbulent – ein Rückblick

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29. Dezember 2013, 12:00 Uhr

Das Jahr 2013 war für Schwerins Kultur ein außergewöhnliches: Noch nie stand die Existenz so vieler Kultureinrichtungen auf Messers Schneide, und dennoch konnte die Bedrohung weitgehend abgewendet werden. Die Zukunft des Theaters heißt nach dem Metrum-Gutachten entweder drastische Sparmaßnahmen oder Insolvenz. Die Stadtvertreter entschieden sich für die schmerzvolle Sanierung und machten so den Weg frei für eine sichere Zukunft mit Landesbeteiligung. Wichtiger indes ist die Unterstützung des Theaters durch die Schweriner: Dank eines Spielplans, der durch Vielfalt und Qualität die Wünsche der Bürger an ihr Theater erfüllt: 25 000 Besucher beim Weihnachtsmärchen, 43 000 bei den Schlossfestspielen, stets ausverkaufte Vorstellungen der Musicals „Hair“ und „Producers“, selbst die Fritz-Reuter-Bühne muss für Januar eine Zusatzvorstellung ins Programm nehmen. Dennoch: Die Rettung des Theaters hat einen hohen Preis. 30 Stellen müssen bis 2016 gestrichen werden. Betroffen sind alle Bereiche: Verwaltung, Technik, Schauspiel, Ballett, Puppentheater und die Mecklenburgische Staatskapelle. Für den Klangkörper ist das besonders bitter, erhielt er doch gerade im 450. Jahr seines Bestehens viele Sympathiebekundungen.

Der zweite große Kulturleuchtturm, das Staatliche Museum, konnte indes jubeln. Von einem Jahrhundertgeschenk sprechen die Fachleute und blicken hochachtungsvoll auf die Sammlung von Gemälden niederländischer Meister des Goldenen Zeitalters, die der Kunstmäzen Christoph Müller dem Museum übereignet hat. Besondere Zugabe zu den 155 Bildern: Der charismatische Sammler zieht bei seinen persönlichen Führungen Hunderte neuer Kunstfreunde in seinen Bann. Das i-Tüpfelchen gab es vom Land: Endlich hat es sich bereit erklärt, von seinem bedeutendsten Gegenwartskünstler, Günther Ücker, ein Dutzend seiner international geschätzten Nagelbilder anzukaufen.

Grund zum Feiern hatte auch das Konservatorium: Seit nunmehr 60 Jahren bildet die Musikschule Talente heran. Das schönste Geschenk im Jubiläumsjahr machten sich die Nachwuchsmusiker selbst. Sie schnitten so erfolgreich wie nie zuvor im Bundesfinale des Wettbewerbs Jugend musiziert ab.
Doch nicht für alle städtischen Kultureinrichtungen lief das Jahr 2013 so gut. Auf Beschluss der Fraktionen von CDU/FDP, SPD-Grüne und Unabhängige Bürger in der Stadtvertretung sollten das soziokulturelle Zentrum Speicher und das kommunale Schleswig-Holstein-Haus entweder privatisiert oder zum Jahresende geschlossen werden. Zum Umdenken indes trugen nicht die Proteste namhafter Persönlichkeiten, darunter Nobelpreisträger, Alt-Ministerpräsidenten, renommierte Künstler aus ganz Deutschland und aus Übersee bei, sondern schlicht der Fakt, dass private Interessenten kein tragfähiges Betreiberkonzept vorlegen konnten. Der Schaden für Schwerins Image als Kulturstadt jedoch bleibt.

Glücklicherweise gibt es noch viele weitere Kultureinrichtungen in der Stadt, die unbeschadet von kurzsichtiger Politik eine erfolgreiche Arbeit leisten, den Menschen Freude bringen und sich für die kulturelle Bildung stark machen. So konnte die Schule der Künste den 20. Jahrestag ihrer Gründung feiern, der Theodor-Körner-, der Postchor, die Chöre des Goethegymnasiums, die Kunst- und Musikschule Ataraxia und weitere Ensembles und Einrichtungen tragen zur Vielfalt des kulturellen Lebens in Schwerin bei.

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