Goderner Strandpächter hadert mit Wetter : Thalmanns Katastrophen-Sommer

Mit Unterbrechung ist Wilfried Thalmann seit acht Saisons Strandpächter in Godern. „So schlimm wie in diesem Jahr, waren der Sommer und das Geschäft noch nie“, sagt er.
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Mit Unterbrechung ist Wilfried Thalmann seit acht Saisons Strandpächter in Godern. „So schlimm wie in diesem Jahr, waren der Sommer und das Geschäft noch nie“, sagt er.

Auch wenn jetzt mal die Sonne schien: Goderner Strandpächter hadert mit Schlecht-Wetter-Saison und hofft auf eine „schwarze Null“

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30. August 2016, 12:00 Uhr

Die, die nicht im Wasser sind, haben sich in die pralle Sonne gelegt auf oder unter den windschiefen Kopfweiden Schatten gesucht. Jetzt schauen sie zu, wie andere versuchen, ihre Windfänge aufzubauen oder wie sich ein Kleinkind mit Schokoladeneis sein Gesicht einreibt. Die Großen machen das auch, aber lieber mit Sonnencreme. Rote Haut, das sieht nicht gut aus und ist schmerzhaft obendrein. Strandleben in Godern. So viel Trubel, wie am Wochenende, den gab es nicht oft in dieser Saison an diesem Badestrand am Ostufer des Pinnower Sees. „Dieses Jahr war eine absolute Katastrophe“, sagt Wilfried Thalmann. 2015, sagt er, sei schon ein ganz mieses Jahr fürs Geschäft gewesen. „Schlimmer kann es nicht kommen“, war sich der 62-Jährige sicher.

„Regnet es am Siebenschläfertag, der Regen sieben Wochen nicht weichen mag“, heißt es in einer alten Bauernregel. Siebenschläfer war in diesem Jahr am 27. Juni. „Danach“, sagt Thalmann, „war es aus. Sieben Wochen schlechtes Wetter.“ Das Ende vom Juni, der ganze Juli und der halbe August – viel zu kalt und viel zu nass. Das Geschäft fiel ins Wasser, aber der Imbiss hatte trotzdem geöffnet. Ab 6 Uhr morgens im Einsatz für das Tagesgeschäft, um abends festzustellen, dass die Einnahmen einmal mehr fast gegen null gegangen sind. „Hätte ich nicht noch meinen Winterjob, dann hätte ich Insolvenz anmelden müssen“, so der gebürtige Bremer.

Schweiz, Kanton Graubünden, oberhalb von Davos. Hier liegt das Ski-Gebiet Pischa. Mit einer Gondel geht es bergauf. Die Skifahrer, die hungrig und durstig sind, können das auf 2483 Meter Höhe ändern. Dort, in der Gondelstation, gibt es ein Café – einschenken und ausschenken, kassieren und klönen, servieren und abwaschen – das alles macht Thalmann dort zur Winterzeit in Personalunion. Viel Arbeit für gutes Geld habe es dort gegeben. Geld, dass Thalmann gut gebrauchen kann, um mit seinem Strandgeschäft in Godern über den Sommer zu kommen.

Das Sonnen-Intermezzo ist vorbei. Gewitter kamen am Sonntagabend und damit die kühlere Luft. Jetzt ist es wieder ruhig am Goderner Strand. Zu ruhig für Thalmann und seine Mitarbeiterin. Ein paar schöne Tage, mit denen rechne der Betreiber noch, bis Ende Oktober die Badesaison wieder vorbei ist. Dann kommt die Bestandsaufnahme. „Und vielleicht eine schwarze Null“, hofft Thalmann. Zwei schlechte Jahre in Folge. Macht der Job da überhaupt noch Spaß? „Ja“, sagt er, „ich habe die Lust nicht verloren.“ Er habe viele Kinder heranwachsen sehen. „Jetzt sind die kleinen Badegäste von damals schon groß. Aber sie kommen immer wieder hier her.“

Am 1. Dezember geht es für den Wahl-Mecklenburger wieder in die Alpenrepublik. Rauf in den Schweizer Schnee, wo Gäste auf Essen und Trinken warten. Ab kommender Saison können die Touristen dort oben auch schlafen. Noch mehr Arbeit für Wilfried Thalmann. Mehr Arbeit, die hätte er gerne auch mal wieder in Godern am Strand. Vielleicht wird es ja was im nächsten Sommer.

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