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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 22:52 Uhr

Neuer Club in Schwerin : Thalia wird Tivoli

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eröffnung am Nikolaustag: Drei junge Schweriner wollen das geschichtsträchtige Gebäude in der Schollstraße zu neuem Leben erwecken

svz.de von
erstellt am 13.Dez.2014 | 08:00 Uhr

Zurück zu den Wurzeln soll es gehen in der Geschwister-Scholl-Straße 2. Aus dem lange leerstehenden Thalia wird am Nikolaustag das „Tivoli“, das an die Amüsier-Tradition des 19. Jahrhunderts anknüpfen soll – für Leute von 18 bis 58. Am 6. Dezember ist Neueröffnung als Club, Varieté, Restaurant und Bar. Drei junge Schweriner wagen sich an das Objekt, das zuletzt als „Nachtamt“ für mehr Verwirrung als Begeisterung gesorgt hat. Anwohner hatten sich über Lärm, Park-Chaos und Dreck auf der Straße beschwert. Die Stadt entzog dem Club 2010 die Genehmigung, die Wohnungsgesellschaft Schwerin suchte seitdem nach neuen, seriösen Betreibern. Mit Björn Beglau, Issa Saleh und Sebastian Dick hofft sie, solche gefunden zu haben. Die Stadt spielt mit: Vor Tagen erteilte die Behörde erste Betriebsgenehmigungen.

Beglau und Saleh sind beide erst Anfang 20, den Schwerinern aber schon lange als Veranstalter bekannt: Los ging es zu Schulzeiten mit den legendären Fritz-Partys. Als Studenten organisierten sie zuletzt das „Place2Be Festival“ auf der Marstallhalbinsel, zu dem nicht nur Chart-Stürmer DJ Antoine, sondern auch viele tausende Besucher aus dem ganzen Land kamen. Sebastian Dick ist 30 Jahre alt, von Beruf Mediengestalter und leitet die Werbeagentur „rtk medien“.

Für rund 200 000 Euro, einer Menge Eigenleistung und der tatkräftigen Hilfe von Freunden und Verwandten wollen die Drei das in den 90er-Jahren von der WGS aufwändig sanierte Haus in ein angesagtes Kulturhaus mit Restaurant und Cocktailbar verwandeln. Zuallererst möchten sie die Fehler der Vorgänger vermeiden. Deshalb werden jetzt innen massive Schallschutzmauern aus Sandstein eingezogen – auch vor den Fenstern – , die Bässe werden von der Tonanlage entkoppelt und aufgehängt. „Selbst wenn wir drinnen 90 Dezibel messen, ist der Ausschlag draußen bei 0“, sagt Sebastian Dick.

Gäste, die mit dem Auto kommen, können kostenlos im benachbarten Parkhaus ihre Wagen abstellen – damit sollen Staus und überflüssige Rundfahrten vermieden werden. Und gegen Menschenansammlungen mit Lärm und Müll auf der Straße gibt es auch schon ein Rezept: Geraucht werden darf drinnen in der Lounge und wer rausgeht, „muss beim nächsten Eintritt wieder den vollen Preis zahlen“, erklärt Björn Beglau. Das alles hat er so schon den Anwohnern vorgestellt, mit denen er auf ein gutes Miteinander hofft. Schließlich ist das „Tivoli“ seine erste hauptberufliche Selbstständigkeit und das Konzept auf zehn Jahre ausgerichtet. Disko-Betrieb jeden Freitag und jeden zweiten Sonnabend im großen Saal, wechselnde Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Workshops, Filmabende, Comedy, Poetry-Slams oder „Open Mic“ soll es geben. „Der Eintritt kostet je nach Veranstaltung fünf bis neun Euro“, so Sebastian Dick.

Außerdem darf der Saal gemietet werden – für Abi-Bälle, Hochzeiten, Weihnachtsfeiern oder Tanzschulen. Die Betreiber sind für jede weitere gute Idee offen. Das Restaurant im Erdgeschoss – zuletzt als „Café Kunterbunt“ am Markt – soll mittelfristig ebenfalls etabliert werden.

Operetten, leichte Muse und sogar Zirkusvorstellungen hatte das Schweriner „Thalia-Theater“ schon im Jahr 1878 geboten. Damals noch in der Goethestraße. Weil die umgebaut wurde, musste das Etablissement 1887 weichen und wurde an der heutigen Stelle neu aufgebaut. Es entwickelte sich zu einer bekannten Kulturstätte mit Varieté-Programm und eigener Hauskapelle – und hieß zwischenzeitlich tatsächlich einmal „Tivoli“. Der Saal im ersten Stock diente als Versammlungslokal. 1947 wurde das Haus von der Stadt übernommen und war seit 1961 „Haus der Jugend“. Jens Kulbatzki führte es in den 90er-Jahren als „Thalia“.

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