Schweriner Traditionshaus steht leer : Thalia: Neue Konzepte gefragt

Als „Haus der Jugend“ kennen viele ältere Schweriner dieses Gebäude in der Geschwister-Scholl-Straße. Zuletzt war hier der Club „Tivoli“ zu finden, der allerdings im Herbst schloss.
Als „Haus der Jugend“ kennen viele ältere Schweriner dieses Gebäude in der Geschwister-Scholl-Straße. Zuletzt war hier der Club „Tivoli“ zu finden, der allerdings im Herbst schloss.

Der Club Tivoli in der Geschwister-Scholl-Straße ist Geschichte, WGS sucht tragfähige Ideen für das denkmalgeschützte Haus

von
28. Dezember 2016, 21:00 Uhr

Das Party-Leben in der Geschwister-Scholl-Straße ist vorerst vorbei: Der Club Tivoli hat nach knapp zwei Jahren seine Türen geschlossen. Ideen für das geschichtsträchtige Haus, das der Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS) gehört, gibt es jetzt schon. Einige Schweriner könnten sich dort Ausstellungen vorstellen, zum Beispiel zur Stadtgeschichte. Aber auch ein neues Lokal könnte kommen.

WGS-Chef Thomas Köchig möchte Anfang des Jahres erst einmal Vorschläge sammeln. Eine weitere Nutzung als Club sei gut vorstellbar, schließlich gäbe es Toilettenanlagen für gut 200 Leute und Tresen mit entsprechenden Wasserleitungen mitten in den Räumen. Auch Brand- und Schallschutz seien für große Veranstaltungen jetzt gut gerüstet. Das alles für eine mögliche Ausstellung zurückzubauen sei sehr aufwändig, so Köchig. Es müsse vorher klar durchgerechnet werden, ob sich so eine Investition auszahle. „Bevor wir uns entscheiden, wollen wir sehen, wie tragfähig die einzelnen Ideen sind. Wir brauchen ein gutes Betreiberkonzept und die entsprechende Bonität des Bewerbers“, so Köchig.

Der Fahrplan der WGS sei klar: Ideenwettbewerb zu Beginn des Jahres mit einer neutralen Jury, die möglichst aus eigener Erfahrung einschätzen kann, ob ein Konzept wirklich funktioniert. Auch finanziell. Bis Ende März könnten die Verträge mit einem neuen Pächter geschlossen sein, hofft Köchig.

Das „Tivoli“ war im Dezember 2014 gestartet. Im Herbst 2016 gab es dann einen „Räumungsvergleich“ mit der WGS, so Köchig. Einige Jahre zuvor hatte das „Nachtamt“ wenig Glück an gleicher Stelle. Hier gab es vor allem Beschwerden wegen nächtlichen Lärms, Müll und Park-Problemen. Darüber konnte er sich bei den Betreibern des Tivoli nicht beklagen, so Köchig. Mehr wollte er zum Ende des Clubs nichts sagen.

Die Tradition des bunten Nachtlebens in der Schollstraße reicht übrigens zurück ins Jahr 1887. Operetten, leichte Muse und sogar Zirkusvorstellungen hatte das Schweriner „Thalia-Theater“ schon 1878 in der Goethestraße geboten. Weil die umgebaut wurde, musste das Etablissement elf Jahre später weichen und wurde an der heutigen Stelle neu aufgebaut. Es entwickelte sich zu einer bekannten Kulturstätte mit Varieté-Programm und eigener Hauskapelle. Der Saal im ersten Stock diente als Versammlungslokal. 1947 wurde das Haus von der Stadt übernommen und war seit 1961 „Haus der Jugend“. Jens Kulbatzki führte es in den 1990er-Jahren als „Thalia“.

Wer ein eigenes Konzept für das Thalia anbieten möchte, könne seine Idee in der WGS-Zentrale in der Geschwister-Scholl-Straße 3-5 oder per E-Mail jetzt noch einreichen, so Thomas Köchig. „Zehn veritable Powerpoint-Seiten“ möchte er dabei mindestens sehen: „Ich mache ein bisschen Musik und finde junge Leute gut, reicht für eine ernsthafte Bewerbung nicht aus.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen