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Neue Mietpreise für Hallen und Plätze : Teurer Sportunterricht in Schwerin

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Das Sparpaket sorgt erneut für Schmerzensschreie bei den Betroffenen. Freie Schulen sollen nach erstem Entwurf ab Januar 2014 den sechsfachen Betrag für Hallen und Plätze zahlen.

svz.de von
erstellt am 06.Sep.2013 | 07:34 Uhr

Schwerin | Das Zehn-Millionen-Euro Sparpaket sorgt erneut für Schmerzensschreie bei den Betroffenen. Diesmal geht es um die Gebühren für Schwerins Sportstätten. Nach einem ersten Entwurf sollen dabei vor allem die Schulen in freier Trägerschaft mehr als das Sechsfache ihrer bisherigen Miete zahlen: konkret 45 Euro pro Schulstunde statt wie bisher knapp sieben Euro. Bei manch einer Schule summiert sich das auf 40 000 Euro pro Jahr. Sie sind empört über diesen Verwaltungsvorschlag, der ihnen bisher allerdings nur als E-Mail oder im Gespräch unterbreitet wurde. Entgelt-Erhöhungen würden sie angesichts der aktuellen Haushaltslage der Stadt natürlich hinnehmen, aber nicht in dieser Dimension. Schließlich müssten die Schulen diese Preissteigerungen auf die Elternbeiträge umlegen.

Das Hallen-Entgelt in Schwerin ist gestaffelt in mehrere Gruppen: Kommerzielle Nutzer zahlen zurzeit 15 Euro die Stunde, die anderen 7,50 Euro oder in der günstigsten Gruppe 6,75 Euro. Schulen in freier Trägerschaft gehören bislang zur zweiten Gruppe oder unter besonderen Umständen sogar zur dritten. Nach SVZ-Informationen sollen sie jetzt als kommerzielle Nutzer behandelt werden und damit den neuen Preis von 45 Euro pro Stunde zahlen.

Die freien Träger verweisen darauf, dass viele der Schulen gemeinnützig sind. "Es ist ein Irrglaube, dass wir nur Kinder aus wohlhabenden Elternhäusern beschulen, ganz im Gegenteil, bei uns gehen auch Kinder aus sozial schwachen Familien zur Schule", sagt Fred Vorfahr, Leiter der Montessori-Schule.

Seine Einrichtung ist derzeit zusätzlich gebeutelt. Weil in der nächstliegenden Sporthalle an der Reiferbahn jetzt auch noch Sportgymnasiasten trainieren, die auf den Wiederaufbau ihrer Laufhalle warten, müssen die Montessori-Kinder ausweichen. Sie fahren in ihren Sportstunden nach Krebsförden, auf den Großen Dreesch und nach Neu Zippendorf. "Vor zwei Jahren mussten wir zum Sport sogar in die Kästnerhalle am Ende des Mueßer Holzes", erinnert sich Vorfahr. Die Montessori-Schule charterte Sonderbusse. Mit dem Schweriner Nahverkehr hat sie wegen ihrer vielen Fahrten Spezial-Vereinbarungen. "Wir zahlen an den Nahverkehr jedes Jahr rund 17 000 Euro für Fahrscheine", sagt Vorfahr. "Vor allem für unsere Schüler mit Handicap ist die neue Sporthallen-Regelung mit den weiten Wegen nicht gut."

Die Stadt werbe doch nach außen mit dem breiten pädagogischen Angebot in Schwerin, betonen die Träger der freien Schulen. "Wenn es eine Entgelt-Erhöhung geben soll, dann wäre es doch fair, wenn sich alle Betroffenen an einen Tisch setzen und gemeinsam diskutieren", sagt Gunter Milkereit, kaufmännischer Leiter des Pädagogiums.

Genau das tue die Stadt ja gerade, teilt die Verwaltung auf SVZ-Anfrage mit. "Derzeit finden Gespräche mit dem Stadtsportbund und mit anderen Nutzern - z.B. privaten Schulen - statt, um die Veränderungen zu erörtern", so Finanzdezernent Dieter Niesen. Konkrete Zahlen möchte er zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht nennen. "Die Entgelterhöhungen sollen jährliche Mehreinnahmen von 100 000 Euro bringen. Die Erhöhung der Beiträge berücksichtigt auch die seit Einführung der Entgeltordnung im Jahre 2006 stark gestiegenen Kosten für den Betrieb, also Strom, Wasser, Wärme und die Bauunterhaltung der Sportanlagen." Die bisherige Zielstellung der Landeshauptstadt, Sportangebote von Vereinen mit einem sehr hohen Anteil an Kindern und Jugendlichen zu unterstützen, werde "weiter verfolgt".

Den Vereinen des Stadtsportbundes wurde der aktuelle Entwurf hinter verschlossenen Türen bereits vorgestellt. "Man war nicht gerade erfreut, aber in dem Gesamtkontext des Sparens in Schwerin ist dieser Schritt wohl unvermeidlich", so Dirk Pollakowski, Geschäftsführer des Stadtsportbundes. Mehr möchte er nicht sagen, bevor die Stadtvertreter die Vorlage nicht kennen. "Es ist beabsichtigt, die Vorlage zur 1. Änderung der Entgeltordnung voraussichtlich im September in den Hauptausschuss einzubringen", so die Stadt. In Kraft treten soll sie am 1. Januar 2014.

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