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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 07:50 Uhr

Alles in die Tonne: : Teure Müllflut im Altpapier

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Entsorger kann gesammelte Wertstoffe wegen Verunreinigung immer schlechter absetzen – Kreis Ludwigslust-Parchim will gegensteuern

von
erstellt am 07.Mai.2015 | 23:26 Uhr

Eigentlich soll das Unternehmen Remondis im Auftrag des Kreises Ludwigslust-Parchim Papiere und Kartonagen einsammeln, 12000 Tonnen pro Jahr. Doch statt alter Zeitungen und Kartons landet immer mehr Müll in den Papiercontainern. Jetzt hat die „Vermüllung“ ein derartiges Ausmaß erreicht, dass der Abfallwirtschaftsbetrieb über drastische Maßnahmen nachdenken muss. Denn das gesammelte Papier soll verkauft werden. Mit den Einnahmen wird die Hausmüllentsorgung gestützt, um die Gebühren niedrig zu halten. Doch das ist in Gefahr, weil die Entsorger ihre gepressten Papierpacken immer seltener bei den Papierfabriken loswerden. Und wenn, dann zu geringeren Preisen.

Der Remondis-Betriebshof in Ludwigslust: Langsam nähert sich ein riesiger Müllwagen, dann hebt sich der Container. Schon auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass nicht nur Papier und Pappe in die Halle kippt. Jede Menge Folien sind zu erkennen, Kunststoffe, eine Metallpfanne, Reste alter Plasteflaschen, Packen mit vollen Babywindeln finden sich schon bei der ersten Suche. Matthias Hartung, Remondis-Chef in MV, schüttelt den Kopf, als er eine Plasteplatte aus dem Berg zieht. „Für uns ist das ein Problem. Wir können diese Mengen Müll nicht zu vertretbaren Kosten aussortieren. Doch die Papierfabriken wollen den Müll nicht. Und wir bleiben auf allem sitzen.“ Damit nicht genug. Die Rücksichtslosigkeit mancher Bürger hat schon zu Schäden an den Entsorgungsfahrzeugen geführt, berichtet Jan Becker, Niederlassungsleiter in Ludwigslust. So verkeilte sich jüngst eine alte Nähmaschine unter dem Press-Schild in dem Auto. Der Schaden ging in die tausende Euro.

Die Fuhre, aus der die Mitarbetier den Müll ziehen, stammt aus einem so genannten Depotcontainer. Gemeint sind damit die blauen Metallboxen. Davon gibt es immer noch mehr als 570 im Landkreis. Vor allem diese Container werden mit allem voll gestopft, was der schmale Metallschlitz so schlucken kann. Doch auch in den blauen Papier-Tonnen der Haushalte findet sich zunehmend Müll.

Steffen Grünwaldt, der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebes, zu den Ursachen der illegalen Müllentsorgung: „Es ist offenbar der Sparwahn sehr vieler Bürger, die ihre Hausmülltonne so selten wie möglich entleert haben wollen. Die haben die Papiertonnen als die Möglichkeit entdeckt, ihren Müll doch loszuwerden.“ Für die These spricht viel: Vier Entleerungen der Hausmülltonne pro Jahr sind im Landkreis Pflicht. Die durchschnittliche Quote liegt im Kreis zwischen fünf und sechs Entleerungen pro Jahr. In Schwerin gibt es das nicht, da wird eine Pauschale bezahlt, egal wie oft man seine Mülltonne herausstellt. Eine Stichprobe zeigte, dass in Schweriner Papiertonnen nur ein Siebtel der Müllmenge landet.

Für Grünwaldt sind die Konsequenzen klar: „Wenn sich an der Vermüllung des Papiers nichts ändert, werden wir die Zahl der Zwangsentleerungen beim Hausmüll deutlich erhöhen müssen. Und wir werden die Zahl der Container an den Stellplätzen drastisch reduzieren.“

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