Geschwindigkeitsdebatte in Schwerin : Tempo 30 auf allen Straßen?

Streitpunkt Graf-Schack-Allee: Eigentlich wurde die Geschwindigkeit nur zur Bundesgartenschau reduziert. Das war vor sechs Jahren. Doch Tempo 30 gilt hier noch immer.
Streitpunkt Graf-Schack-Allee: Eigentlich wurde die Geschwindigkeit nur zur Bundesgartenschau reduziert. Das war vor sechs Jahren. Doch Tempo 30 gilt hier noch immer.

Verwaltung lässt Verkehrskonzept für Schwerin überarbeiten / Verkehrsausschussvorsitzender kritisiert die Vorschläge

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04. September 2015, 21:00 Uhr

Mit maximal 30 Kilometer pro Stunde im Auto die Crivitzer Chaussee, die Wismarsche Straße, die Güstrower Straße oder die Gadebuscher Straße entlang tuckeln? Das könnte bald Wirklichkeit werden. Denn die Stadt hat das Verkehrskonzept von 1993 überarbeiten lassen, und das beauftragte Büro hat den Kerngedanken von Tempo 30 im Stadtgebiet von vor 20 Jahren wieder aufgegriffen.

Doch vor einer Umsetzung stehen noch eine Menge Hürden. So müssen beispielsweise das Energieministerium des Landes und das Landesamt für Straßenbau beteiligt werden – und natürlich die Stadtpolitiker. Auch in der Stadtspitze ist das Papier noch nicht abschließend diskutiert worden, wie Baudezernent Bernd Nottebaum auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte.

Aus der Politik gibt es schon erste kritische Stimmen, unter anderem vom Vorsitzenden des Verkehrsausschusses der Stadtvertretung, Dr. Hagen Brauer. „Der Fahrzeugführer sollte nicht nur wegen des Kontrolldrucks die Höchstgeschwindigkeiten einhalten, sondern vor allem im Vertrauen auf die Sinnhaftigkeit der Anordnung der Verkehrsbehörde“, sagt Dr. Brauer. „Warum auf der fast autobahnmäßig ausgebauten Umgehungsstraße nur Tempo 70 gefahren werden darf, erschließt sich nicht mal der Polizei. Während unsere Tempo-30-Zonen in Kerngebieten Schwerins hohe Akzeptanz haben, gibt es kaum Verständnis für Tempo 30 in der Robert-Beltz-Straße. Jetzt auch noch die wichtigsten Ausfallstraßen auf Tempo 30 begrenzen zu wollen – da sehe ich Diskussionsbedarf.“

Dr. Brauer fordert konsequentes und hartes Vorgehen gegen Geschwindigkeitssünder. „Andererseits trägt es nicht gerade zur Verkehrsdisziplin bei, wenn die Masse der vernünftigen Kraftfahrzeugführer durch schwer nachvollziehbare Geschwindigkeitslimits in ihrer Einsicht auf eine harte Probe gestellt werden.“

So ganz auf taube Ohren dürfte der Verkehrsexperte damit auch in der Stadtspitze nicht treffen. Vize-OB Nottebaum sagt gegenüber SVZ, dass er sich auf den wichtigen Ausfallstraßen wie der Wismarschen oder Güstrower Straße gut weiterhin Tempo 50 vorstellen können. „Wenn sich diese Geschwindigkeitsbegrenzung bewährt hat und es auch keine Probleme dort gibt, sehe ich auch keine Veranlassung, etwas zu ändern“, so der Baudezernent. Andererseits stehen die Vorschläge derzeit noch in der neuen Verkehrskonzeption…

Bernd Nottebaum möchte dagegen vielmehr eine weitere Diskussion um bestehende Tempo-30-Zonen aufgreifen. Im Schleifmühlenweg, wo es keine angrenzende Bebauung gibt, könnte man überlegen, ob dort Tempo 30 noch sinnvoll sei. Auch mehrten sich Stimmen, die mahnen, dass die Einführung von Tempo 30 auf der Graf-Schack-Allee eigentlich nur für die Zeit der Bundesgartenschau gedacht war.

Einen Termin, wann das neue Verkehrskonzept in der Politik konkret diskutiert wird, gibt es noch nicht.


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