Zu viele Taxis in Schwerin : Taxifahrer ringen um jeden Kunden

Stundenlang wartet Taxifahrer Erich Kossaock täglich auf Kunden. 'Schwerin braucht keine weiteren Taxis', sagt er. Klawitter
Stundenlang wartet Taxifahrer Erich Kossaock täglich auf Kunden. "Schwerin braucht keine weiteren Taxis", sagt er. Klawitter

In Schweriner Straßen tobt ein Kampf. Die Taxifahrer ringen um jeden Kunden - so wie Erich Kossaock. Er sitzt die meiste Zeit allein im Auto. Noch schlimmer: Zwölf weitere Genehmigungen stehen auf der Warteliste.

von
12. Mai 2013, 06:01 Uhr

Schwerin | In Schweriner Straßen tobt ein Kampf. Die Taxifahrer der Landeshauptstadt ringen um jeden Kunden - so wie Erich Kossaock. Bei einer Zwölfstunden-Schicht sitzt er die meiste Zeit allein im Auto. Seit 1988 ist er Taxifahrer. Schon jetzt würden die Taxis zu wenig einfahren.

Zwar ist Schwerin nicht New York, aber wie in der amerikanischen Metropole drängen sich auch in der Landeshauptstadt die Taxis: 1,18 Fahrzeuge pro 1000 Einwohner. Das ist zu viel, meint das auch für Schwerin zuständige Straßenverkehrsamt des Landkreises Ludwigslust-Parchim. In Flensburg seien es nur 0,74 Taxis pro 1000 Einwohner, in Rostock 0,96. Nur in Potsdam sei die Taxidichte mit 200 Fahrzeugen noch höher als in Schwerin mit 110 Wagen.

Die hiesige Verkehrsbehörde warnt jetzt vor einer Klagewelle, denn im zuständigen Fachdienst 36 stehen weitere zwölf Neuanträge auf der Warteliste. Es sei "eine Frage der Zeit, wann mit einer gerichtlichen Überprüfung durch einen Antragsteller diesbezüglich zu rechnen ist", so die Verkehrsbehörde. Schwerin darf aber erst neue Taxikonzessionen erteilen, wenn sich die Anzahl der Genehmigungen in der Stadt verringert. "Schwerin braucht wirklich keine weiteren Taxis", sagt Kossaock. Manchmal sitze er nur eine Stunde am Tag mit Kunden im Auto. Weil der Markt übersättigt ist, erteilt Schwerin zurzeit einfach keine neuen Genehmigungen und geht damit ein Risiko ein. "Die Verfahrensweise ist umstritten und rechtlich bedenklich", so die Einschätzung der Behörde. Ein Antrag sei spätestens drei Monate nach Eingang zu entscheiden. Eine Verlängerung der Frist um drei Monate sei möglich, wenn die Prüfung nicht innerhalb der Frist abgeschlossen werden könne. Im Falle eines Rechtsstreits habe die Landeshauptstadt allerdings schlechte Karten. Um eventuellen Klagen vor Gericht begegnen zu können, braucht Schwerin ein entsprechendes Gutachten, das nicht älter als ein Jahr ist. Das Papier muss nachweisen, dass "das örtliche Taxigewerbe in seiner Funktionsfähigkeit bedroht wird". Die Kosten eines solchen Gutachtens schätzt die Verkehrsbehörde auf etwa 23 000 Euro.

Unterdessen warten Taxifahrer teilweise Stunden auf einen Fahrgast - auch vor dem Schweriner Hauptbahnhof. "In einer Zwölfstundenschicht stehe ich manchmal zehn Stunden", erzählt Kossaock. Schon jetzt fahre er nur rund 30 000 Kilometer im Jahr. Dennoch drängen immer mehr Taxis auf die Straßen der Landeshauptstadt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen