Schwerin : Taxi-Theater um kurze Strecken

dpa_14955000416e8dbe

Kunden beklagen, dass sie stehen gelassen wurden. Das Gutachten der Verwaltung zeigt: Weniger Fahrzeuge, höhere Tarife

svz.de von
19. September 2017, 05:00 Uhr

Es ist kurz nach 23 Uhr, als Annelie Jaeger mit ihrer Reisegruppe am Hauptbahnhof ankommt. Nach ihrem Urlaub in St. Petersburg und Helsinki möchte sie nun nur noch eines: nach Hause, ins Bett. Das steht in der Friesenstraße, dort sollte sie ein Taxi hinbringen. Im Taxi hätte der Fahrer dann pausenlos geschimpft, erzählt Jaeger empört: „Als wir dem Fahrer auf dem Grunthalplatz unsere Adresse sagten, ging eine regelrechte Tirade auf uns herab. Er sagte, dass es niemand mehr nötig habe, mit dem Taxi zu fahren und alle sich privat abholen ließen.“ Die Schwerinerin verstehe zwar, dass die Entfernung vom Bahnhof bis zu ihrer Wohnung gering sei. „Aber den Frust über kurze Strecken und wenig Verdienst kann man doch nicht an den Kunden auslassen“, sagt sie. Jaeger ist nicht die einzige mit schlechten Erfahrungen: Andere Leser berichteten davon, nachts gar nicht gefahren worden zu sein.

Bei der Schweriner Taxigenossenschaft stößt die Kritik nicht auf taube Ohren. „Es ist ärgerlich, dass manche Fahrer Kunden nicht gefahren haben. Ohne die Nummer haben wir aber keine Handhabe und wissen nicht, wer falsch gehandelt hat“, erklärt ein Sprecher der Genossenschaft. „Wir helfen gerne und möchten, dass jeder Kunde eine angenehme Fahrt hat.“ In Schwerin gäbe es aktuell 107 zugelassene Taxifahrer, einige davon gehören nicht zur Genossenschaft. Manche Fahrgäste, etwa Rollstuhlfahrer, könne nicht jeder Taxifahrer mitnehmen. Dafür sind spezielle Fahrzeuge notwendig. Deswegen kann es mitunter vorkommen, dass Taxifahrer eine Beförderung ablehnen. „Im Zweifelsfall sollten Fahrgäste immer die Taxinummer notieren und sich eine Quittung geben lassen. So können wir dann auf direktem Weg das Gespräch mit dem Fahrer suchen“, so der Sprecher.

Geht es nach einem Gutachten der Verwaltung, gibt es in der Landeshauptstadt bald weniger Taxis: Im vergangenen Jahr wurden Rostocker Experten damit beauftragt, die Beförderungssituation in Schwerin zu analysieren. Aus ihrer Einschätzung geht hervor, dass die Zulassungen auf 85 Taxis reduziert werden sollten. Außerdem sei der aktuelle Tarif „nicht auskömmlich“, heißt es im Bericht der Rostocker Firma Tokom. Konkret heißt das: Der Grundtarif von 2,50 Euro solle nach Expertensicht auf 3,50 Euro, der Kilometerpreis je nach Strecke um 50 oder 60 Cent erhöht werden. Heute Abend diskutiert der Hauptausschuss über eine mögliche Neuvergabe der Taxi-Konzessionen.

Annelie Jaeger hat ihre Lehre bereits gezogen. „Vielleicht sollte ich bei der nächsten Fahrt jemanden aus der Familie bestellen“, sagt sie.


Kommentar des Autors: Fahrpflicht erfüllen!

Taxifahrer, die nicht fahren wollen, sind wie Feuerwehrmänner, die nicht löschen wollen. Sollte der Fahrgast nicht zu betrunken oder aggressiv sein, hat er das Recht, gefahren zu werden. Egal um welche Uhrzeit, egal mit welchem Ziel.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen