Baudebatte in Schwerin : Tauziehen um Schwimmhalle

Alle Fenster raus: Aus Sicht der Denkmalpfleger wird die Halle Wind und Wetter ausgesetzt. Die Stadt soll alles wieder instand setzen.
Alle Fenster raus: Aus Sicht der Denkmalpfleger wird die Halle Wind und Wetter ausgesetzt. Die Stadt soll alles wieder instand setzen.

Land will Erhalt des Denkmals, Stadt den Abbruch – und die Anordnung zum Abrissstopp wird den 70er-Jahre-Bau wohl nicht retten

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14. August 2015, 08:00 Uhr

Es ist schon verwirrend, das Hin und Her um die Schwimmhalle. Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege hält die ausgediente Lankower Halle, in der Generationen von Schwerinern das Schwimmen gelernt haben, für ein Denkmal und damit erhaltenswert. Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow und ihr Vize Bernd Nottebaum sehen das nicht so. Sie wollen den Abriss. Und beide Parteien haben Unterstützer auf Landesebene: Die Denkmalpfleger dürften sich vor der Anordnung zum Abrissstopp Grünes Licht aus dem Kultusministerium geholt haben. Das Wirtschaftsministerium als oberste Baubehörde teilt die Rechtsauffassung der Stadt. Doch was nützt es den Schwerinern? Vermutlich wenig. Denn gebadet wird in Lankow auch künftig höchstens im See.

Die Sicht der Landesdenkmalpfleger ist nachvollziehbar: Die Schwimmhalle Lankow ist aufgrund ihrer bau- und lokalgeschichtlichen Bedeutung ein Denkmal. Und das schreiben die Experten der Stadt zur Begründung: „Das Bauwerk dokumentiert die serielle Planung und Umsetzung von gesellschaftlichen Bauvorhaben in der Ära Honecker. Auf der Grundlage von Wiederverwendungsprojekten in Bezirks- und Kreisstädten sollte das Niveau der Versorgung mit Sportanlagen beträchtlich erweitert werden. Eines dieser Wiederverwendungsprojekte stellte der auf Grundlage des Typs Anklam modifizierte Typ Bitterfeld vor, der in Schwerin realisiert wurde. Zudem besitzt das Bauwerk nach dem Verlust anderer Schwimmhallen mit seiner erhaltenen HP-Schale ein Alleinstellungsmerkmal in MV. Für Schwerin stellt das Bauwerk ein Dokument der Ortsgeschichte dar, in dem die verbesserte Ausstattung an Sport- und Gesundheitsstätten während der 1970er-Jahre zum Ausdruck kommt. Zudem zeigt die eigene Produktion der HP-Schalen im Plattenwerk in Lankow die Leistungsfähigkeit der Bauproduktion in der Stadt.“

Landeskonservator Michael Bednorz macht Vize-OB Nottebaum klar: „Aus den genannten Gründen handelt es sich bei der Schwimmhalle Lankow um ein Denkmal im Sinne des Gesetzes.“ Der Schutz sei per Gesetz nicht davon abhängig, ob Denkmale in die Denkmalliste eingetragen sind – was die Lankower Halle nicht ist. Deshalb müsse die Stadt das Denkmal Schwimmhalle  „im Rahmen des Zumutbaren instand setzen, erhalten und pfleglich behandeln“.

Die Stadt hält diese Anordnung für rechtswidrig, sagt Vize-OB Bernd Nottebaum. Er werde Widerspruch dagegen einlegen – und weitermachen, als wäre nichts geschehen. „Wir haben die Ausschreibung zum Abbruch nicht gestoppt“, sagt Nottebaum. Der Abriss werde zum Monatsende wie geplant beginnen. Denn: Die Schwimmhalle ist aus Sicht der Stadt kein Denkmal, das Landesdenkmalamt also auch gar nicht zuständig und die Abrissstopp-Anordnung somit hinfällig.

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