Vorreiter in Sachen Grünschnitt : Tauziehen um Schwerins Bio-Abfall

<strong>Allein rund 50 Tonnen Weihnachtsbäume</strong> landen jährlich  im Schredder von Heck Humus. Die Stadt hat jetzt die Verwertung des Bio-Abfalls  und Grünschnitts für Schwerin neu ausgeschrieben - und erntet Kritik des bisherigen Auftragnehmers. <foto>Foto: Reinhard Klawitter</foto>
Allein rund 50 Tonnen Weihnachtsbäume landen jährlich im Schredder von Heck Humus. Die Stadt hat jetzt die Verwertung des Bio-Abfalls und Grünschnitts für Schwerin neu ausgeschrieben - und erntet Kritik des bisherigen Auftragnehmers. Foto: Reinhard Klawitter

Seit fast zwei Jahrzehnten ist Schwerin in Sachen Grünschnitt und Bio-Abfall in einer umweltgerechten Vorreiterrolle. Hier dürfen Kleingärtner Mähgut und Äste nicht verbrennen - sie werden eingesammelt und kompostiert.

svz.de von
12. Juli 2012, 08:45 Uhr

Schwerin | Seit fast zwei Jahrzehnten ist die Landeshauptstadt in Sachen Grünschnitt und Bio-Abfall in einer umweltgerechten Vorreiterrolle. In Schwerin dürfen Kleingärtner Mähgut, Totholz und Äste nicht verbrennen - sie werden eingesammelt und kompostiert. Seit Jahren gibt es in den Haushalten die Bio-Tonne. Auch diese Abfälle landen auf dem Kompost statt im Restmüll. Mit der SAS, die die Abfälle einsammelt, und der Firma Heck Humus gibt es verlässliche Partner der Stadt.

Nach fast 20 Jahren hat die Stadt die Verwertung des Bio-Abfalls und Grünschnitts neu ausgeschrieben. Das Ziel: Es soll die Stadt - und damit den Bürger - weniger kosten und es soll noch mehr dem Klimaschutz dienen. "Wir haben die Ausschreibung gründlich vorbereitet und auch intensiv mit der Politik besprochen", sagt Vize-Oberbürgermeister Dr. Wolfram Friedersdorff auf Anfrage unserer Zeitung. Während die rund 7000 Tonnen in Schwerin derzeit kompostiert werden - die Firma Heck Humus hat dazu in Stern Buchholz ein modernes Betriebsgelände gebaut - will die Stadt künftig auch den Vergärungsprozess nutzen. Auf der einen Seite sollen Kohlendioxid und Methan gebunden werden und nicht mehr die Umwelt belasten. Auf der anderen Seite soll das Biogas energetisch genutzt werden, erklärt Friedersdorff.

Beim langjährigen Partner Heck Humus trifft das auf Verwunderung. Mit einem Schreiben hat sich Geschäftsführer Michael Heck deshalb an die Stadtfraktionen gewandt. Aus seiner Sicht sei die Ausschreibung ohnehin fehlerhaft und müsse zurückgezogen werden. Sein Argument: Das neue Verwertungsunternehmen soll bereits im Frühjahr 2014 die Arbeit im Auftrag der Stadt übernehmen. Er selbst habe aber noch bis September 2015 einen Vertrag mit Schwerin. Dezernent Friedersdorff spricht SVZ gegenüber von unterschiedlichen Verträgen, will aber angesichts des bereits vorliegenden juristischen Einspruchs der Firma Heck nicht ins Detail gehen. Ein Verschieben des Leistungsbeginns mit dem Gewinner der Ausschreibung sehe er jedenfalls nicht als Problem, betont Friedersdorff.

Doch Unternehmer Heck gehe es um viel mehr als diese Formalie. Warum beispielsweise habe die Stadt seine Firma nicht in die strategische Neuplanung einbezogen? "Bekanntermaßen realisiert die Firma Heck Humus seit fast zwei Jahrzehnten die Entsorgung des Bio-Abfalls sehr zuverlässig", argumentiert der Geschäftsführer. Andererseits hält der Experte die Vergärung für nicht unumstritten - und deutlich teurer als die Kompostierung. Fakt sei allerdings: Eine solche Anlage gibt es in der Region nicht, sagt Michael Heck. Die Gefahr, "dass ein großer internationaler Abfallentsorger den Auftrag erhält und den Bio-Abfall dann zu einer Anlage in einem anderen Bundesland transportiert", sei ökologisch wenig sinnvoll. Die geringste Belastung gäbe es bei einer Biogas-Verwertung vor Ort. "Wenn es die politischen Gremien aus ökologischen Gründen für notwendig erachten, so ist unser Unternehmen bereit, eine Trockenfermentierungsanlage zu errichten und vor unsere Kompostierung zu schalten", bietet Geschäftsführer Heck den Stadtfraktionen an.

Des Weiteren hält es Michael Heck für realistisch, seinen noch bis Herbst 2015 laufenden Vertrag nicht nur gewohnt zuverlässig zu erfüllen, sondern es "wäre uns möglich, bereits ab Mai 2014 eine erhebliche Kostensenkung für die Stadt Schwerin in Höhe von jährlich mehr als 500 000 Euro herbeizuführen", so der Firmenchef.

Die Stadt werde an der Ausschreibung festhalten, sagte Vize-OB Friedersdorff. Die Kriterien seien klar formuliert. Wer sie erfüllen kann, könne sich auch um den Auftrag bewerben. Dass Heck Humus jetzt das Angebot der Kosteneinsparung ins Feld führe, verwundere ihn allerdings, sagt Friedersdorff. "Das hätte das Unternehmen uns auch schon vor Jahren anbieten können."

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