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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. Oktober 2017 | 14:11 Uhr

Flessenow : Tausendfüßler aus zwei Nationen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ferienprojekt des Vereins Schule der Künste in Flessenow führt zu Austausch zwischen Jugendlichen aus Togo und Deutschland

svz.de von
erstellt am 07.Aug.2017 | 16:00 Uhr

Zuerst ist es ein einsamer Holzstuhl, doch schnell wächst er zu einem Tausendfüßler heran. Ein Tausendfüßler, der aus verschiedenen Kulturen, aus zwei Nationen besteht. Jeden Morgen macht Theaterpädagogin Kathrin Goosses gruppenbildende Maßnahmen mit den Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren, die derzeit auf dem Gelände der Jugendherberge in Flessenow zu Gast sind. An diesem Morgen dient der Tausendfüßler – die Jugendlichen bilden eine Sitzkette, indem jeder in bester Skifahrermanier auf den Knie des anderen sitzt – dazu, dass sich die rund 20 Jugendlichen besser kennenlernen. „Es ist ein deutsch-togoisches Jugendprojekt“, erklärt Holger Reschke vom Internationalen Kinder- und Jugendkulturzentrum – Schule der Künste. Seit nun fast 25 Jahren gibt es den Verein, seit zehn Jahren organisieren die Mitglieder immer wieder internationale Projekte. In diesem Jahr sind zehn togoische Jugendliche aus unterschiedlichen Bildungs- und Sozialschichten im Schweriner Umland zu Gast. „Im Oktober geht es dann für die zehn deutschen Jugendlichen zum Gegenbesuch ins westafrikanische Land“, erklärt Projektleiterin Heidi Kwella.

Dieser Austausch zwischen Togo und Deutschland findet das erste Mal statt. „Es ist eine Bereicherung“, so Reschke, der auch betont, dass es immer wieder schwierig für den Verein ist, für solche Projekte finanzielle Mittel zu bekommen. Engagement Global und die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung sind dieses Mal Unterstützer des Vereinsprojektes. In den vergangenen Jahren gab es bereits interkulturelle Treffen mit Jugendlichen aus Korsika, der Mongolei und schon einmal eine tri-nationale Zusammenarbeit zwischen russischen, französischen und deutschen Jugendlichen.

An diesem Morgen geht es um den Austausch zwischen Togo und Deutschland. Während die Jugendlichen versuchen, ihre Tausendfüßler-Kette nicht einbrechen zu lassen, erklärt Kathrin Goosses, wie die Gruppe Barrieren abbaut. „Wir machen auch Sprach-Animationen, damit wir keine Angst haben, miteinander ins Gespräch zu kommen.“ Denn die Gruppe ist mit drei Sprachen unterwegs: Deutsch, Englisch und Französisch. Roman, Yoel und Sidonie stehen für diese drei Sprachen. „Ich mag das Projekt, man findet Freunde, und es ist wie eine große Familie“, erzählt der 16-jährige Yoel auf Englisch. Er ist zum ersten Mal in Europa. Am Schweriner Umland begeistert ihn die Natur und die vielen Seen. Auch der Schweriner Zoo gehört zu einem seiner Favoriten. Unterschiede zu Togo gäbe es bei der Nachbarschaft. Dort könne man einfach nebenan klopfen, wenn man Essen braucht, und wird eingeladen.

Der 17-jährige Roman schätzt dieses Kennenlernen anderer Kulturen. Er ist das zweite Mal bei einem Projekt der Schule der Künste dabei. Er hat festgestellt, dass Togoer eher Gegenstände tauschen als Geld dafür zu verlangen. Neben ihm steht Sidonie. Die 16-Jährige kommuniziert mit Roman auf Französisch und er sagt: „Sie schätzt die Gemeinschaft.“ Und die genießen wahrscheinlich alle, die am Projekt mitwirken.

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