Schwerin : Tante-Emma-Laden auf Arabisch

Im Familienbetrieb von Chef Khaled Allsaif packen alle mit an, wie Mitarbeiter und Cousin Ayman Allsaif.
Im Familienbetrieb von Chef Khaled Allsaif packen alle mit an, wie Mitarbeiter und Cousin Ayman Allsaif.

Kulinarische Weltreise in Schwerin – heute: Wie aus einem Journalisten ein Supermarktbesitzer wurde.

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20. Februar 2018, 08:00 Uhr

In der Landeshauptstadt leben Menschen aus aller Welt. Aus ihrer Heimat haben die Zugezogenen nicht nur ihre Sprache und ihre Traditionen, sondern auch ihre Essgewohnheiten mitgebracht. Einige kochen in Restaurants für die Schweriner ihre einheimischen Speisen. Andere bieten in ihren Läden frisches Obst und Gemüse und Waren feil, die es beim Discounter um die Ecke nicht gibt. Heute erzählt Khaled Allsaif vom Jericho-Markt über koschere und Halal-Mahlzeiten.

Khaled Allsaifs Telefon klingelt unaufhörlich. Eine Bestellung hier, eine Bestellung dort. Der Schweriner ist gut beschäftigt, er trägt Sorge für zwei Supermärkte – einen am Berliner Platz, einen in der Mendelejewstraße. Mit Lidl, Aldi und anderen Discountern lässt sich sein Jericho-Markt nur schlecht vergleichen. Zwar stehen auch in Allsaifs Supermarkt Regale und Waren, doch mit dem typischen Sortiment haben diese nur wenig gemeinsam.

„Wir haben Halal- und koscheres Fleisch, viel Lamm und Hähnchen. Das kommt vom Großhändler und ist deswegen billiger“, erklärt der Palästinenser. Der Begriff Halal stammt aus dem Arabischen und bedeutet übersetzt „erlaubt“. Denn nach islamischen Recht, das in vielen arabischen Ländern gilt, dürfen Muslime nur bestimmte Speisen zu sich nehmen. „Alles was vom Schwein kommt ist bei uns verboten. Das heißt, wir essen kein Schweinefleisch und auch keine Süßigkeiten mit Gelantine vom Schwein“, sagt Allsaif. Der Begriff „koscher“ ist in etwa das jüdische Pendant zum arabischen „halal“.

Fleisch ist jedoch nicht das Einzige, das es im Jericho-Markt gibt. „Natürlich verkaufen wir auch Obst und Gemüse. Neben Gurken, Auberginen und Paprika haben wir zum Beispiel auch kleine, hellgrüne Zucchini, die es in Schwerin nur bei uns gibt “, sagt der 47-Jährige. Nach dem Urlaub in Ägypten oder Marokko kämen viele Schweriner mit dem Wunsch nach Hause, die Speisen von dort nachzukochen. „Vieles schmeckt nur mit den gleichen Zutaten wie in Ägypten oder Marokko. Bei uns findet jeder, was er braucht.“

Einen eigenen Supermarkt zu besitzen, das konnte sich Allsaif in der Vergangenheit nur schwer vorstellen. Als Kind palästinensischer Eltern in Kuwait geboren, erhielt er einen jordanischen Pass. Nach der Schule studierte er in Tunesien Journalismus. 2003 entschied er sich mit seiner Frau, seine Heimat zu verlassen – und für sein ungeborenes Kind eine gute Zukunft zu schaffen. „Am Anfang habe ich jeden Job gemacht. Ich habe Teller gewaschen, Gerüste aufgebaut und gekocht“, erzählt der mittlerweile vierfache Familienvater. 2015 eröffnete er schließlich zum ersten Mal den Jericho-Markt in der Mendelejewstraße. Seitdem ist sein Unternehmen gewachsen: Acht Mitarbeiter, teilweise aus der Familie wie Ayman Allsaif, befüllen die Regale und erfüllen die Wünsche der Kunden. „Wenn es geht, würde ich in Zukunft gerne noch einen dritten Laden aufmachen. Dann natürlich wieder einen Tante-Emma-Laden auf arabisch“, sagt Allsaif.

Nach Feierabend kocht der Schweriner auch selbst gerne. Früher habe er oft versucht, deutsche Gerichte zu kochen. „Ich habe dann einfach das Schweinefleisch durch Lamm oder Rind ersetzt“, erzählt er. Vieles hätte geschmeckt, von anderen Rezepten hätte er bewusst die Finger gelassen. „Tote Oma, wie man hier zu Grützwurst sagt. Das ist nichts für mich.“

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